Nvidia Aktie: 2 Milliarden für Nscale möglich

Nvidia verknüpft Beteiligungen an Software, Cloud und Netzwerktechnik mit neuen KI-PCs und stützt die Expansion auf starkes Wachstum.

Dr. Robert Sasse ·
Moderne Rechenzentrumsinfrastruktur mit leuchtenden Server-Racks als Symbol für skalierbare KI-Technologie. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Hugging-Face-Übernahme prägt Nvidia-Strategie
  • Milliardenbeteiligung an Nscale erwogen
  • 125 Millionen Dollar für iPronics
  • RTX-Spark-PCs starten im Oktober

Manche Unternehmen kaufen zu, um Lücken zu schließen. Nvidia kauft zu, um ein Ökosystem zu bauen, das sich kaum noch umgehen lässt. Die milliardenschwere Übernahme von Hugging Face ist dabei nur die sichtbarste Episode einer Woche, in der Jensen Huangs Konzern an gleich mehreren Fronten gleichzeitig Präsenz markiert – vom Rechenzentrum bis zum heimischen Schreibtisch.

Ein Muster, kein Einzelfall

Wer nur auf die Hugging-Face-Schlagzeile schaut, verpasst die eigentliche Geschichte. Parallel dazu meldete Reuters, dass Nvidia als potenzieller Investor mit rund 2 Milliarden Dollar in die geplante Pre-IPO-Finanzierungsrunde des Cloud-Infrastrukturanbieters Nscale einsteigen könnte.

Erst am Mittwoch zuvor beteiligte sich der Chiphersteller an einer Venture-Runde über 125 Millionen Dollar für das spanische Unternehmen iPronics, das an einem neuartigen Netzwerkchip für Rechenzentren arbeitet.

Drei Investments, drei völlig unterschiedliche Ebenen der KI-Infrastruktur – Software-Ökosystem, Cloud-Kapazität, Netzwerktechnik. Das wirkt weniger nach opportunistischem Einkauf als nach einer durchdachten Landkarte.

Dazu passt, dass Nvidia nicht nur in Rechenzentren investiert, sondern die eigene Technologie auch in den Alltag drückt. Acer und Lenovo bringen im Oktober die ersten Windows-PCs mit dem RTX-Spark-Chip auf den Markt.

Was in Rechenzentren als Cloud-Dienst verkauft wird, soll künftig auch auf dem heimischen Schreibtisch laufen. Diese Doppelstrategie – oben die Infrastruktur, unten die Endgeräte – ist der eigentliche rote Faden hinter den vielen Einzelmeldungen der vergangenen Tage.

Warum das Geld für all das da ist

Diese Investitionsoffensive fällt nicht in eine schwache Phase. Erst vor rund zwei Wochen hatte Nvidia im zweiten Fiskalquartal ein Umsatzwachstum im Rechenzentrumsgeschäft von 117 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 89 Milliarden Dollar gemeldet und die Umsatzprognose für das dritte Fiskalquartal auf 108 Milliarden Dollar plus/minus 2 Prozent angehoben.

Für das Fiskaljahr 2028 stellte der Konzern ein Umsatzwachstum von rund 70 Prozent in Aussicht – eine Zahl, die tags darauf laut Reuters die gesamte Chipbranche beflügelte. Wer solche Wachstumsraten liefert, kann sich Zukäufe im Milliardenbereich leisten, ohne die Bilanz zu strapazieren.

Interessant ist dabei ein Detail, das im Übernahmerausch leicht untergeht: Nvidia hatte Ende August einige Deals seiner eigenen Finanzierungsinitiative für KI-Cloud-Unternehmen pausiert, bei denen Kreditunterstützung gegen Umsatzbeteiligung getauscht wurde.

Der Konzern betonte zugleich, das grundsätzliche Geschäftsmodell bleibe bestehen und entwickle sich weiter. Es ist ein kleiner Hinweis darauf, dass selbst Nvidia bei der Frage, wie viel Fremdfinanzierung im KI-Boom gesund ist, nachjustiert – während man an anderer Stelle munter weiter investiert.

Die politische Flanke

Dass Wachstum dieser Größenordnung auch regulatorische Aufmerksamkeit erzeugt, liegt auf der Hand. Firmenchef Jensen Huang nutzte einen G20-Gipfel zu Innovationsfragen, um vor KI-Regeln zu warnen, die sich an hypothetischen Gefahren statt an realen Risiken orientieren. Das ist mehr als eine Randnotiz: Ein Unternehmen, das gerade dabei ist, sich über Zukäufe in Software, Cloud und Netzwerktechnik querzuverzweigen, hat naturgemäß ein Interesse daran, dass die regulatorische Latte nicht zu hoch gelegt wird.

An der Börse spiegelt sich diese Gemengelage in einem Kurs, der sich dem bisherigen Jahreshoch nähert, ohne es zu erreichen: Aktuell notiert die Aktie bei 199,74 Euro, nur 1,4 Prozent unter der Marke vom 14. Mai. Der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von 183,61 Euro liegt bei 8,8 Prozent – ein Zeichen dafür, dass der jüngste Nachrichtenfluss den Kurs spürbar nach oben gezogen hat, ohne dass die Rally bereits ausgereizt wirkt.

Am Ende bleibt die Frage, ob ein Konzern, der binnen weniger Tage gleichzeitig in Software-Infrastruktur, Cloud-Kapazität, Netzwerkchips und Endgeräte investiert, sein Wachstumstempo überhaupt noch drosseln könnte, selbst wenn er wollte. Die Zahlen der vergangenen Wochen sprechen eher dagegen.

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Nvidia Aktie

199,80 EUR

+ 1,24 EUR +0,62 %
KGV 29,16
KUV 18,21
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,12 %
Marktkapitalisierung 5,56 Bio. USD
Ø Kursziel 327,13 USD
ISIN: US67066G1040 WKN: 918422

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