Nvidia Aktie: 250 Milliarden Dollar für OpenAI
Nvidia-Kurs nahe Rekordhoch, doch Milliarden-Finanzierung für OpenAI und Speicher-Engpässe beim Rubin Ultra trüben das Bild. Quartalszahlen am 26. August.

Kurz zusammengefasst
- Kurs nahe 52-Wochen-Hoch
- OpenAI-Finanzierung über 250 Milliarden Dollar
- Rubin Ultra mit reduziertem Speicher
- Quartalszahlen am 26. August
Nvidia schließt den Freitagshandel bei 193,68 Euro, ein Plus von 2,03 Prozent an diesem einzelnen Tag. Nur 4,36 Prozent trennen die Aktie noch vom 52-Wochen-Hoch. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine Erfolgsgeschichte ohne Fußnoten. Wer sich aber durch die Nachrichten der vergangenen Tage arbeitet, stößt auf zwei Entwicklungen, die mich vorsichtiger stimmen, als es der Kursverlauf vermuten lässt.
Ein Preisschild von 250 Milliarden Dollar
Nvidia steht offenbar im Wort, rund 250 Milliarden Dollar an Finanzierung für OpenAI-Rechenzentren abzusichern, eingebettet in ein Datacenter-Projekt in Ohio, das laut einem Bericht des Wall Street Journal insgesamt mehr als 500 Milliarden Dollar kosten könnte. Parallel wird über weitere 350 Milliarden Dollar für den Kauf von Nvidia-Chips verhandelt. Bloomberg zählt für das laufende Jahr bereits mehr als 540 Milliarden Dollar an solchen zirkulären Finanzierungsdeals – ohne die mögliche neue OpenAI-Vereinbarung. Jensen Huang nennt die Kritik daran „lächerlich“. Ich sehe das differenzierter: Wenn ein Chiphersteller die Kunden mitfinanziert, die seine Produkte kaufen sollen, verwischt das die Grenze zwischen echter Nachfrage und gestützter Nachfrage. Investor Michael Burry hat genau darauf hingewiesen, als er ein Risiko in Höhe von 250 Milliarden Dollar markierte. Bernstein-Analyst Stacy Rasgon räumt dieselbe Sorge ein, hält aber an einem Kursziel von 315 Dollar fest. Wolfe-Research-Analyst Chris Caso formuliert es zurückhaltender: Die Rückversicherungsstrategie schaffe eine neue Art langfristiger Haftung, die ihn „weniger wohlfühlen“ lasse – selbst wenn sie den KI-Investitionsboom vorerst weiterträgt.
Rubin Ultra: wenn der Chip selbst schrumpft
Fast zeitgleich berichten Medien, Nvidia teste für den kommenden Rubin Ultra-Chip mehrere Speicherkonfigurationen – darunter eine Variante mit nur 192 Gigabyte High-Bandwidth-Memory, ein Drittel weniger als die 288 Gigabyte des aktuellen Vera-Rubin-Chips. Grund ist offenbar ein Engpass bei fortschrittlichen HBM-Speicherchips. Nvidia weist das öffentlich zurück und spricht von kundenspezifischer SKU-Flexibilität, nicht von einer Abwertung des Produkts. Für mich bleibt trotzdem ein Widerspruch bestehen: Ein Unternehmen, das milliardenschwere Abnahmegarantien für seine Chips gibt, testet zugleich Sparversionen desselben Chips, weil der Lieferant der Speicherbausteine nicht mithält. Das ist kein Weltuntergang, aber es passt schlecht zur Erzählung von grenzenlosem Wachstum.
Wachstum bleibt real – aber die Nebengeräusche mehren sich
Die positive Seite darf dabei nicht untergehen. Innerhalb weniger Wochen hat Nvidia eine Investition von 5 Milliarden Dollar in Ilya Sutskevers Safe Superintelligence angekündigt, eine milliardenschwere Partnerschaft mit der SK Group ausgebaut, eine Investition von 1 Milliarde Dollar in NAVER für den Aufbau südkoreanischer KI-Infrastruktur bestätigt und ist an Japans erster nationaler KI-Infrastrukturinitiative beteiligt. Das ist ein dichtes Auftragsbuch, kein Unternehmen im Abschwung. Gleichzeitig verkauften Insider laut regulatorischen Meldungen in den vergangenen 90 Tagen Nvidia-Aktien im Wert von rund 767,2 Millionen Dollar, darunter erhebliche Verkäufe von Nvidia-Direktor Mark A. Stevens – nach eigenen Angaben im Rahmen vorab festgelegter Handelspläne, also kein spontanes Misstrauensvotum. Institutionelle Anleger zeigen ein gemischtes Bild: Während SCS Capital Management seine Position leicht reduzierte, stockte Antipodes Partners auf. Am 26. August, nach Börsenschluss, meldet Nvidia die Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal des Fiskaljahres 2027. Der Analystenkonsens erwartet einen Gewinn von 2,13 Dollar pro Aktie bei einem Umsatz von 93,61 Milliarden Dollar.
Fazit: Chancen überwiegen, aber die Risikoliste wächst
Unterm Strich sehe ich einen Kurs, der technisch stark aussieht, fundamental aber komplexer wird. Die Partnerschaften in Korea und Japan, die Investition in Safe Superintelligence und das dichte Terminbuch sprechen für anhaltende Nachfrage. Die zirkulären Finanzierungskonstruktionen rund um OpenAI und die Speicherkompromisse beim Rubin Ultra sprechen dagegen dafür, dass diese Nachfrage teilweise künstlich gestützt und technisch enger begrenzt ist, als es der Aktienkurs suggeriert. Für mich überwiegt bis zum Quartalsbericht am 26. August das Vertrauen in die operative Stärke – die Warnsignale von Burry, Caso und indirekt auch Rasgon gehören für mich aber fest auf die Beobachtungsliste, nicht in die Fußnote.
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