Nvidia Aktie: 3,5 bis 4 Milliarden Dollar fehlen

Trotz erteilter Exportlizenzen für H200-Chips bleibt der China-Handel für Nvidia blockiert. Der Aktienkurs ignoriert die Milliardenlücke.

Andreas Sommer ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Exportlizenzen für China erteilt
  • Bisher keine einzige Lieferung
  • USA verschärfen Kontrollen weiter
  • Milliarden-Umsatzpotenzial ungenutzt

Nvidia notiert aktuell bei 181,00 Euro. Das ist ein leichtes Tagesminus von 1,17 Prozent. Die Aktie wirkt ruhig. Unter der Oberfläche braut sich jedoch eine gewaltige Unsicherheit zusammen. Diese Unsicherheit trägt einen Namen: China.

Die Geschichte von Nvidia und China im Jahr 2026 ist kurios. Washington hat die Tür für den Verkauf von H200-Chips formell geöffnet. Das US-Handelsministerium prüft Exportlizenzen von Fall zu Fall. Zehn chinesische Firmen erhielten bereits grünes Licht. Darunter sind Riesen wie Alibaba, Tencent und ByteDance. Das Limit liegt bei 75.000 Einheiten pro Kunde.

In der Praxis klemmt die Tür. Bisher gab es keine einzige Lieferung. Der Deal steckt in einer rechtlichen Grauzone fest. Die Rivalität zwischen den USA und China blockiert den Handel. Peking verschärft zeitgleich seine eigenen Lieferketten-Regeln.

Trump schiebt die Schuld auf Peking. Chinas Staatschef Xi Jinping verweigere den Kauf der Chips. Das erklärte Trump nach einem gemeinsamen Gipfeltreffen. Nvidia-Chef Jensen Huang war dort ebenfalls anwesend. Ein Durchbruch blieb aus.

Die Schlinge zieht sich zu

Washington schließt parallel dazu weitere Schlupflöcher. Anfang Juni verschärften die USA die Exportkontrollen. Halbleiter-Lieferungen an ausländische Tochtergesellschaften chinesischer Firmen sind nun streng reguliert. Das Handelsministerium bestätigte die neue Lizenzpflicht. Sie gilt für alle Unternehmen mit einem chinesischen Mutterkonzern.

Chinesische Firmen im Ausland können verbotene Nvidia-Chips nicht mehr frei kaufen. Diese Praxis blieb ein Jahr lang weitgehend unbehelligt. Die Folge: Der Spielraum schrumpft.

Nvidia spricht dieses strukturelle Problem erstaunlich offen an. Im jüngsten Quartalsbericht an die US-Börsenaufsicht wählt das Management klare Worte. Das Unternehmen kann aktuell kein wettbewerbsfähiges Produkt für Chinas Rechenzentren liefern. Die Anforderungen beider Regierungen schließen sich schlichtweg gegenseitig aus.

Jeder gelieferte H200-Chip unterliegt beim Import in die USA einem Zoll von 25 Prozent. Nvidia kann diese Kosten kaum an die Kunden weitergeben. Währenddessen treibt China seine eigene Halbleiter-Industrie voran. Huawei, Alibaba und Baidu entwickeln eigene KI-Prozessoren.

Die ignorierte Milliarden-Lücke

Angesichts dieser Lage wirkt das Chartbild fast unheimlich ruhig. Mit 181,00 Euro notiert Nvidia extrem nah an seiner 50-Tage-Linie. Der RSI-Wert von 49,4 signalisiert einen völlig neutralen Markt. Anleger verharren im Wartestand.

Analysten sehen das Kursziel im Schnitt bei 257,80 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von knapp 43 Prozent. Die Wall Street rät mehrheitlich massiv zum Kauf. Die Debatte dreht sich um Bewertung und Dauerhaftigkeit. Niemand zweifelt am generellen KI-Ausbau.

Das China-Risiko lässt sich in solchen Kurszielen schwer abbilden. Nvidia plant in seiner Umsatzprognose ohne H200-Verkäufe nach China. Ein funktionierender Exportrahmen würde jedoch 3,5 bis 4 Milliarden Dollar Jahresumsatz zurückbringen. Der Markt blendet diese Asymmetrie derzeit völlig aus.

Ein ungemütlicher Schwebezustand

Dieser Konflikt unterscheidet sich von normalen Handelsstreitigkeiten. Es geht um einen strukturellen Stillstand. Die USA balancieren zwischen nationaler Sicherheit und globaler Wettbewerbsfähigkeit. Nvidia darf nun Zulassungen für die neue Blackwell-Generation beantragen. China warnt seine Firmen im gleichen Atemzug vor US-Chips. Der Wettbewerb wird härter.

Die Nvidia-Aktie hat in den vergangenen zwölf Monaten rund 45 Prozent zugelegt. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von gut 12 Prozent. Der Kurs hat enorm viele gute Nachrichten zum KI-Ausbau eingepreist. Eine Lösung der China-Frage fehlt in dieser Rechnung.

Diese Lösung wird den nächsten massiven Kursimpuls liefern. Bis dahin pendelt die Aktie knapp unter der Schwelle, an der das China-Geschäft echten Rückenwind bringen würde. Fällt eine endgültige Entscheidung in Washington oder Peking, droht eine brutale Neubewertung der aktuellen Prognosen.

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Nvidia Aktie

180,56 EUR

– 1,60 EUR -0,88 %
KGV 31,43
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,02 %
Marktkapitalisierung 5,15 Bio. EUR
ISIN: US67066G1040 WKN: 918422

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