Nvidia Aktie: 58,3 Milliarden Nettogewinn, +200 Prozent YoY
Nvidia übertrifmt erneut die Analystenerwartungen, doch der Aktienkurs reagiert zurückhaltend. China-Restriktionen und hohe Erwartungen dämpfen die Euphorie.
Kurz zusammengefasst
- Umsatz steigt auf 81,6 Milliarden Dollar
- Data-Center-Geschäft wächst um 92 Prozent
- Keine China-Umsätze durch Exportbeschränkungen
- Aktienrückkauf um 80 Milliarden Dollar aufgestockt
Der Chipkonzern übertrifft die Erwartungen nahezu auf ganzer Linie. Der Kurs reagiert dennoch verhalten – und ein Blick auf die Details erklärt, warum.
Nvidia hat die Marktschätzungen zum ersten Fiskalquartal 2027 erneut souverän übertroffen. Der Umsatz sprang auf 81,6 Milliarden Dollar – ein Plus von 85 Prozent im Jahresvergleich und rund drei Prozent über der Konsensschätzung von 78,9 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 1,87 Dollar ebenfalls über den erwarteten 1,77 Dollar. Es ist das vierte Quartal in Folge, in dem Nvidia die Analystenerwartungen schlägt.
Trotz dieser Zahlen fiel die Reaktion an der Börse kühl aus. Die Aktie gab im nachbörslichen Handel knapp 1,3 Prozent nach. Bei einem Schlusskurs von 185,46 Euro notiert das Papier rund 7,8 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 201,05 Euro. Die Erwartungen an das Unternehmen sind schlicht astronomisch.
Das Rechenzentrum bleibt der Turbo
Das Data-Center-Segment, Nvidias mit Abstand wichtigster Bereich, setzte seinen Höhenflug fort. Der Umsatz legte um 92 Prozent auf 75,25 Milliarden Dollar zu. Hyperscaler – also die ganz großen Cloud-Betreiber – investieren massiv in die neue Blackwell-300-Architektur. Die Nachfrage nach Netzwerklösungen wie InfiniBand und NVLink habe sich verdreifacht, so der Konzern.
Der Nettogewinn schnellte auf 58,3 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 37 Prozent gegenüber dem Vorquartal und mehr als 200 Prozent zum Vorjahr. Nvidia hat sich in eine eigene Gewichtsklasse katapultiert – die Marktkapitalisierung liegt inzwischen bei über fünf Billionen Dollar.
China: Der blinde Fleck bleibt
Die eigentliche Belastung für die Aktie sitzt im politischen Raum. Nvidia hat im abgelaufenen Quartal keinerlei H20-Chip-Produkte nach China verkauft. US-Exportrestriktionen versperren dem Konzern den Zugang zu einem Markt, den Nvidia selbst auf ein Jahrespotenzial von 50 Milliarden Dollar beziffert. Finanzchefin Colette Kress bestätigte, dass die Chip-Verkäufe nach China weiterhin keine Erlöse brächten. Die Unsicherheit über die Einfuhrgenehmigungen sei unverändert hoch.
Der Ausblick für das zweite Quartal fällt dennoch optimistisch aus: Nvidia rechnet mit rund 91 Milliarden Dollar Umsatz – plus/minus zwei Prozent. Der durchschnittliche Analystenschätzung von 86,84 Milliarden Dollar liegt damit klar darüber. Die bereinigte Bruttomarge soll bei 75,0 Prozent bleiben. Die Prognose enthält allerdings keinerlei China-Erlöse aus dem Rechenzentrumsgeschäft. Jede politische Entspannung dort wäre reiner Zusatzgewinn.
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Huangs neue These: Agentische KI ist da
Die wichtigste Botschaft der Telefonkonferenz war keine Zahl – sie war ein Satz. Konzernchef Jensen Huang erklärte unmissverständlich, dass KI-Agenten keine Forschungsdemo mehr seien. Sie generierten bereits jetzt Umsätze und arbeiteten produktiv in Unternehmen. Die Aussage war präzise platziert: Huang will das Narrativ von der reinen Hardware-Nachfrage hin zur Anwendungsebene verschieben.
„Der Bau von KI-Fabriken – der größte Infrastrukturausbau in der Geschichte der Menschheit – beschleunigt sich mit enormer Geschwindigkeit“, so Huang. Die Hyperscaler planen für dieses Jahr Gesamtinvestitionen von rund 725 Milliarden Dollar in Künstliche Intelligenz.
Milliarden für die Aktionäre
Parallel zu den Geschäftszahlen stockte Nvidia sein Aktienrückkaufprogramm um 80 Milliarden Dollar auf. Bereits im ersten Quartal flossen rekordhohe 20 Milliarden Dollar in eigene Aktien. Zudem erhöht der Konzern die vierteljährliche Dividende von 0,01 auf 0,25 Dollar je Aktie – der erste signifikante Sprung seit Jahren.
Von 62 von S&P Global befragten Analysten lautet das Votum „Strong Buy“. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei umgerechnet rund 294 Dollar. UBS etwa hob das Ziel nach den Zahlen von 275 auf 280 Dollar.
Was fehlt: Der Funke
Nvidias Zahlen sind exzellent. Der Ausblick überzeugt. Die China-Unsicherheit ist bekannt. Was fehlt, ist der Überraschungseffekt, der den Kurs nach oben katapultiert. Portfolio-Manager John Belton von Gabelli Funds sprach von „soliden Ergebnissen ohne erderschütternde Neuigkeiten“. Eine treffende Beschreibung. Nvidia liefert, was erwartet wurde – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Die entscheidende Variable bleibt die Handelspolitik. Lockerte sich der Zugang zum chinesischen Markt, könnte Nvidias Kurs neue Allzeithochs ansteuern. Bleibt er versperrt, hält sich der Druck. Am 10. Juni zahlen die Aktionäre erstmals die erhöhte Dividende. Der Blick auf den 24. Juni ist dann wieder relevanter: Dann startet die nächste Analystenrunde für das zweite Quartal.
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