Nvidia Aktie: China lockert H200-Exportstopp

China erwägt Teil-Lockerung des Exportstopps für Nvidias KI-Chips. Analysten sehen Potenzial, doch die Öffnung bleibt symbolisch.

Dr. Robert Sasse ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • China lockert Exportstopp für KI-Chips
  • Nvidia-Aktie steigt um 4 Prozent
  • Goldman Sachs sieht Unterbewertung
  • TSMC-Zahlen als nächster Kursimpuls

Nvidia-Aktien legten am Freitag um 4,04 Prozent zu und schlossen bei 184,60 Euro. Damit steht am Ende der Woche ein Plus von 7,34 Prozent über sieben Handelstage. Der Auslöser: China könnte den monatelangen Exportstopp für Nvidias KI-Chips teilweise lockern.

Peking lässt einen schmalen Spalt offen

Einem Bericht zufolge erwägt Peking, chinesischen Firmen den Kauf einer begrenzten Zahl von Nvidias H200-Prozessoren zu erlauben. Konzerne wie Alibaba, ByteDance und DeepSeek wurden informiert, dass sie infrage kommen könnten. Bedingung: Sie müssen vorab die benötigte Stückzahl und den geplanten Einsatzzweck offenlegen.

Die Behörden haben die genaue Verteilung noch nicht festgelegt. Die Gesamtzahl der genehmigten H200-Chips dürfte aber unter 200.000 Einheiten bleiben. Zum Vergleich: Ein einziges großes KI-Rechenzentrum läuft heute oft schon mit mehr als 400.000 Blackwell-Prozessoren. Die Öffnung wäre also eher symbolisch als ein echter Mengenschub.

Die Nachricht trieb den Kurs bereits am Mittwoch um etwa 1,5 Prozent nach oben. Ein Haken bleibt allerdings: Die Chips sollen laut den Berichten nur für das Training von KI-Modellen genutzt werden dürfen. Für die Inferenz — also den laufenden Betrieb der Modelle — sollen die Unternehmen weiterhin auf heimische Chips setzen, etwa von Huawei.

Vorausgegangen war bereits eine Lockerung auf US-Seite. Das US-Handelsministerium hatte rund zehn chinesischen Unternehmen, darunter Alibaba, Tencent, ByteDance und JD.com, Exportlizenzen erteilt. Jeder zugelassene Abnehmer darf bis zu 75.000 H200-Chips direkt bei Nvidia oder über zugelassene Händler beziehen. Der Kontext bleibt trotzdem ernüchternd: Vor den verschärften US-Beschränkungen kontrollierte Nvidia rund 95 Prozent des chinesischen Marktes für High-End-KI-Chips. Dieser Vorsprung ist inzwischen größtenteils an heimische Anbieter verloren gegangen.

Ein Dementi als zusätzlicher Kurstreiber

Bereits Anfang der Woche sorgte eine andere Nachricht für Rückenwind. Berichte vom 7. Juli hatten nahegelegt, Nvidias kommende Kyber-NVL144-Plattform verzögere sich bis 2028. Nvidia widersprach umgehend und erklärte, man liege im Zeitplan. Das Dementi ließ die Aktie um mehr als 1 Prozent steigen und nahm dem Markt einen Teil der Sorge um die KI-Roadmap.

Kyber NVL144 ist die nächste Rack-Scale-Plattform des Konzerns nach Vera Rubin. Sie soll mehrere GPUs zu einer Einheit verbinden, die als Cluster für Training und Inferenz dient.

Die Bewertungsdebatte läuft weiter

Trotz der jüngsten Erholung hinkt Nvidia dem breiteren Chipsektor 2026 bislang hinterher. Die Aktie steht seit Jahresbeginn nur 5 Prozent im Plus. Der Chip-ETF SOXX legte im gleichen Zeitraum um 59 Prozent zu, Konkurrent AMD sogar um mehr als 100 Prozent.

Goldman Sachs widerspricht der These, Nvidia sei ein Nachzügler. Die Bank verweist auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21,7 auf Basis der erwarteten Gewinne — nahe am Durchschnitt des S&P 500 und weit unter dem eigenen Fünfjahresschnitt von 72. Aus Sicht der Analysten spricht das für eine Unterbewertung nach dem jüngsten Rücksetzer.

TSMC-Zahlen als nächster Prüfstein

Der 16. Juli dürfte für Nvidia-Anleger wichtig werden, auch ohne eigene Firmennachricht. An diesem Tag legt Taiwan Semiconductor Manufacturing seine Quartalszahlen vor. TSMC fertigt die Chips für praktisch jedes Unternehmen, das am KI-Ausbau beteiligt ist. Schwache Signale zur Chipnachfrage könnten Hersteller wie Nvidia belasten, starke Zahlen dagegen die gesamte Peer-Gruppe beflügeln.

Nvidias eigener Quartalsbericht lässt noch auf sich warten. Der Konzern meldet die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 erst am 26. August.

Charttechnik: Luft nach oben

Die Freitagsrally hob die Aktie über ihren 50-Tage-Durchschnitt von 181,22 Euro. Zum 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro aus Mitte Mai fehlen dennoch 8,84 Prozent. Nach unten liegt deutlich mehr Abstand: Der Titel notiert 31,58 Prozent über seinem Jahrestief von 140,30 Euro vom Juli 2025 und 12,02 Prozent über dem 200-Tage-Schnitt.

Der RSI von 58,6 signalisiert, dass noch Spielraum bleibt, bevor die Aktie als überkauft gilt. Auf Jahressicht steht ein Plus von 14,59 Prozent in Euro zu Buche, über zwölf Monate sind es 31,58 Prozent.

Bis Nvidia im August seine eigenen Zahlen vorlegt, dürften zwei Faktoren den Kurs bestimmen: die TSMC-Ergebnisse am 16. Juli und jede weitere Klarheit zu den H200-Lieferungen nach China.

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Nvidia Aktie

184,60 EUR

+ 7,20 EUR +4,06 %
KGV 32,26
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,02 %
Marktkapitalisierung 5,11 Bio. EUR
ISIN: US67066G1040 WKN: 918422

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