Nvidia Aktie: Freigabe ohne Nachfrage

Trotz US-Exportgenehmigung für H200-Chips bleiben die Liefermengen nach China bislang marginal. Zölle und Pekings Zurückhaltung bremsen das Geschäft.

Eduard Altmann ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • H200-Export nach China freigegeben
  • Bisher nur triviale Liefermengen
  • 25-Prozent-Zoll belastet Geschäft
  • Peking genehmigt Käufe nur selten

Washington hat den Export freigegeben. Peking bremst trotzdem. Und Nvidia-Aktionäre merken gerade, dass eine Lizenz noch kein Geschäft ist.

Die Nvidia-Aktie notiert bei 170,14 Euro, ein Minus von 1,79 Prozent am Tag und 8,61 Prozent auf Wochensicht. Der Rücksetzer trifft die Aktie ausgerechnet in dem Moment, in dem klar wird, wie mager die ersten China-Lieferzahlen des neu zugelassenen H200-Chips tatsächlich ausfallen.

Grünes Licht, kaum Verkehr

Die US-Regierung hatte den H200-Export nach China im Dezember 2025 offiziell freigegeben, im Januar 2026 folgte der finale Lizenzrahmen der Exportbehörde BIS. Ein Vertreter der Trump-Administration, zuständig für Exportkontrollen, bestätigte inzwischen erste Lieferungen an chinesische Kunden.

Die Stückzahl nannte er nicht. Er sprach von einer „trivialen“ Menge an Prozessoren. Käufer wollte er ebenfalls nicht benennen, betonte aber, dass bislang nur sehr wenige Lieferungen gegen bestehende Lizenzen für H200-Chips und vergleichbare Modelle erfolgt seien.

Kompliziert wird die Lage durch einen zweiten Beschluss. Nur einen Tag nach der Freigabe durch das US-Handelsministerium verhängte Präsident Trump per nationaler Sicherheitsverordnung einen Zoll von 25 Prozent auf dieselben Chips. Grundlage war eine neunmonatige Untersuchung nach Section 232. Das Ergebnis: Nvidia darf H200-Chips legal nach China exportieren, zahlt dabei aber den Zoll — weil eine verpflichtende Testroute über die USA vorgeschrieben bleibt.

Peking zeigt sich derweil alles andere als kooperativ. Berichten zufolge hat die chinesische Regierung Technologiefirmen mitgeteilt, H200-Käufe nur in Ausnahmefällen zu genehmigen, etwa bei universitärer Forschung. Nvidia hat die Lobbyschlacht in Washington gewonnen. In Peking wartet offenbar der nächste Widerstand.

Die entscheidende Frage

Der weitere Kursverlauf hängt an einer strukturellen Frage: Wird aus chinesischer H200-Nachfrage jemals ein nennenswertes Liefervolumen? Oder halten der 25-Prozent-Zoll, Pekings Beschaffungsauflagen und das anhaltende Sicherheitsmisstrauen China dauerhaft zu einem Nebenschauplatz im Nvidia-Rechenzentrumsgeschäft — unabhängig vom US-Lizenzstatus?

Bull-Szenario: Optionalität zurück, auch wenn ungenutzt

Das positive Szenario stützt sich nicht auf sofortige Stückzahlen, sondern auf die reine Möglichkeit. Ein legaler Exportweg existiert wieder. Das ist eine Umkehr gegenüber der Phase, in der Nvidias fortschrittlichste Chips komplett von China abgeschnitten waren — einem Markt, den Firmenchef Jensen Huang wiederholt als strategisch wichtig bezeichnet hat.

Das US-Handelsministerium hat rund zehn chinesische Firmen für H200-Käufe zugelassen, darunter Alibaba, Tencent und ByteDance, mit einem Limit von 75.000 Einheiten pro Kunde. Eine formale Kundenliste existiert also bereits, auch wenn die Lieferungen noch nicht skalieren. Lockert Peking seine Beschaffungshaltung, oder entspannt sich das diplomatische Klima, könnte das adressierbare Auftragsbuch schnell aktiv werden — das regulatorische Fundament steht.

Der Zwölfmonatsgewinn von 12,07 Prozent und der Abstand von 21,72 Prozent zum Jahrestief bei 139,78 Euro zeigen: Die übergeordnete KI-Infrastruktur-Story bleibt intakt, unabhängig vom China-Wildcard.

Bär-Szenario: Eine Lizenz ohne Markt

Das negative Szenario geht weiter. Es hält die China-Chance nicht nur für verzögert, sondern für strukturell kaum umsetzbar. Nvidia hat sich möglicherweise die legale Erlaubnis gesichert, in einen Markt zu verkaufen, der wirtschaftlich unattraktiv bleibt — sobald der 25-Prozent-Zoll auf Pekings restriktive Genehmigungspraxis trifft.

Setzen chinesische Kunden weiter auf heimische Alternativen — ein Wettbewerbsrisiko, das Huang selbst schon angesprochen hat —, bleibt die H200-Freigabe symbolisch statt umsatzwirksam. Technisch passt das Bild dazu: Die Aktie notiert 5,31 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 179,68 Euro, der RSI von 40,9 signalisiert nachlassendes Momentum. Bleibt der China-Kanal effektiv verschlossen, dürfte sich das noch verstärken.

Ausblick

Solange die chinesischen Liefermengen nach eigener Beschreibung der US-Regierung „trivial“ bleiben, dürfte die China-Öffnung Nvidias Fundamentaldaten kaum bewegen. Die kurzfristige Kursrichtung hängt eher am Kerngeschäft im Rechenzentrumsbereich und am Blackwell-Zyklus als an diesem speziellen Katalysator.

Skalieren die Lieferungen an zugelassene chinesische Käufer spürbar — oder wird der Zoll gelockert —, könnte sich die Stimmung rund um das China-Segment verbessern und der Aktie den Weg zurück in Richtung ihres Jahreshochs von 202,50 Euro ebnen. Bleiben Pekings Beschaffungsbeschränkungen bestehen oder eskaliert der Zollstreit weiter, dürfte der Effekt neutral bis negativ bleiben. Das nächste konkrete Signal: die kommenden Quartalszahlen von Nvidia, und ob dort erstmals ein messbarer China- oder H200-Umsatzbeitrag auftaucht — flankiert von weiteren Entscheidungen der BIS oder aus Peking in den nächsten Monaten.

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Nvidia Aktie

169,10 EUR

– 4,14 EUR -2,39 %
KGV 30,05
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,02 %
Marktkapitalisierung 4,76 Bio. EUR
ISIN: US67066G1040 WKN: 918422

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