Nvidia Aktie: Garantie von 250 auf 105 Milliarden reduziert

Nvidia senkt Garantie für OpenAI-Rechenzentrum auf 105 Mrd. Dollar und baut externe Finanzierungsplattformen auf. Quartalszahlen folgen am 26. August.

Felix Baarz ·
Abstrakte Darstellung von Hochleistungs-Serverinfrastruktur und moderner Rechenzentrumstechnologie in einem dunklen Raum. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Garantie auf 105 Mrd. Dollar gesenkt
  • Exklusive Chip-Lieferrolle für Ohio-Projekt
  • Finanzplattformen mit 500 Mrd. Dollar geplant
  • Quartalszahlen am 26. August erwartet

Es gibt Wochen, da wirkt die Aktienbewegung fast nebensächlich gegenüber dem, was sich hinter den Kulissen abspielt. Bei Nvidia ist das gerade so: Während das Papier seit Freitag mit 183,78 Euro rund 5,6 Prozent unter dem Niveau von vor sieben Tagen notiert, verhandelt der Konzern im Hintergrund über Summen, die selbst für die Verhältnisse der KI-Branche gigantisch sind. Es geht um Gigawatt, Garantien und die Frage, wie viel Risiko ein Chiphersteller schultern darf, um seinen wichtigsten Kunden bei Laune zu halten.

Vom 250-Milliarden-Versprechen zur vorsichtigeren Zusage

Anfang August wurde bekannt, dass Nvidia gemeinsam mit dem SoftBank-Ableger SB Energy ein gewaltiges Rechenzentrumsprojekt in Ohio stemmen will – den PORTS-Pike Technology Campus, ausgelegt auf acht Gigawatt Rechenkapazität für OpenAI.

Kurz darauf tauchte eine Zahl auf, die selbst hartgesottene Investoren aufhorchen ließ: Nvidia sollte OpenAI beim Leasing des Rechenzentrums mit bis zu 250 Milliarden Dollar absichern.

Berichten von Reuters und dem Wall Street Journal zufolge sorgte diese Größenordnung für Unruhe – Anleger äußerten Bedenken, wie viel Risikoexposition ein einzelnes Unternehmen tragen sollte, nur um die Nachfrage nach seinen eigenen Chips zu sichern.

Die Reaktion folgte prompt. Nvidia reduzierte die geplante Garantiesumme auf unter 120 Milliarden Dollar. Wenige Tage später, am 17. August, wurde die endgültige Struktur klarer: eine Garantie von bis zu 105 Milliarden Dollar für das Ohio-Projekt, ergänzt um eine direkte Investition von 1,5 Milliarden Dollar in SB Energy.

Im Gegenzug sichert sich Nvidia die Rolle als exklusiver Chiplieferant für den gesamten Standort. Das ist die eigentliche Pointe dieser Geschichte: Der Konzern zahlt nicht nur, er kauft sich damit auch Exklusivität in einem Markt, in dem jeder Gigawatt Rechenleistung inzwischen wie ein strategisches Faustpfand behandelt wird.

Ein Trend, der über eine einzelne Aktie hinausweist

Wer nur auf den Kurs schaut, verpasst die eigentliche Verschiebung. Nvidia hat parallel angekündigt, mit Schwergewichten wie Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR Finanzierungsplattformen aufzubauen, die mehr als 500 Milliarden Dollar an externem Kapital für KI-Infrastruktur mobilisieren sollen. Das ist kein Nebenprojekt, das ist der Versuch, den gesamten Kapitalbedarf einer neuen Industrie auf eine breitere Basis zu stellen – weg von der Bilanz eines einzelnen Chipherstellers, hin zu einem Ökosystem aus Vermögensverwaltern und Finanzinvestoren. Man könnte fragen: Baut Nvidia hier noch Chips, oder baut der Konzern längst die Finanzarchitektur einer ganzen Branche?

Die Kapitalmärkte honorieren diese Ambition nicht bedingungslos. Der Kurs liegt derzeit rund 9,2 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, das erst im Mai erreicht wurde, während er gegenüber dem 52-Wochen-Tief von 139,78 Euro aus dem vergangenen September um 31 Prozent höher steht. Das zeigt: Die grundsätzliche Aufwärtsbewegung der vergangenen Monate ist intakt, doch die jüngsten Wochen bringen spürbare Nervosität mit sich – nachvollziehbar angesichts der Diskussionen um Milliardenrisiken bei OpenAI-Geschäften.

Der Blick auf den 26. August

Inmitten dieser Debatten bereitet sich Nvidia auf einen Termin vor, der für Anleger wichtiger sein dürfte als jede Einzelmeldung zu Ohio: die Vorlage der Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal des Fiskaljahres 2027, das am 26. Juli endete.

Das Management hatte einen Umsatz von 91 Milliarden Dollar plus/minus 2 Prozent bei einer non-GAAP-Bruttomarge von 75 Prozent in Aussicht gestellt – ausdrücklich ohne jegliche China-Umsätze im Datacenter-Geschäft. Die Telefonkonferenz dazu ist für Mittwoch, den 26. August, angesetzt.

Frisch ist auch die Einschätzung von BMO Capital Markets, die am 21. August die Coverage für Nvidia mit einem Outperform-Rating und einem Kursziel von 340 Dollar aufnahmen.

Begründet wird das mit der Position als Anbieter kompletter KI-Systeme, gestützt durch einen durchgängig integrierten Technologie-Stack – eine Einschätzung, die zeigt, dass die Wall Street trotz aller Finanzierungsdebatten an der strukturellen Stärke des Geschäftsmodells festhält.

Für Anleger bleibt die eigentliche Frage bestehen: Wie viel Fremdkapital-Risiko darf ein Halbleiterkonzern eingehen, um seine Wachstumsstory zu finanzieren?

Die Antwort, die Nvidia mit der Reduzierung der Ohio-Garantie und dem Aufbau externer Finanzierungsplattformen gegeben hat, lautet: möglichst wenig auf der eigenen Bilanz, möglichst viel über Partner. Ob das reicht, um die Nervosität der vergangenen Handelstage zu beruhigen, dürfte sich spätestens am 26. August zeigen.

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Nvidia Aktie

204,70 EUR

– 0,90 EUR -0,44 %
KGV 29,14
KUV 18,40
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,12 %
Marktkapitalisierung 5,73 Bio. USD
Ø Kursziel 327,70 USD
ISIN: US67066G1040 WKN: 918422

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