Nvidia Aktie: GPU-Mietpreis fällt 31 Prozent in drei Wochen

Trotz Rekordumsätzen im KI-Geschäft leidet Nvidia unter dem China-Ausfall und fallenden GPU-Mietpreisen. Analysten sehen dennoch Kurspotenzial.

Felix Baarz ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • China-Marktanteil auf null gesunken
  • Huawei füllt Lücke bei KI-Chips
  • Rekordumsatz im Rechenzentrumsgeschäft
  • GPU-Mietpreise fallen deutlich

168,80 Euro. Sieben Prozent im Minus in einer Woche, fast 17 Prozent unter dem Jahreshoch. Der RSI liegt bei 38,2 — technisch nah an überverkauft. Auf den ersten Blick sieht das nach einer Aktie in Schwierigkeiten aus. Auf den zweiten Blick ist es komplizierter.

Die Null, die alles erklärt

Jensen Huang hat es im Mai offen gesagt: Nvidias Marktanteil im chinesischen KI-Beschleunigermarkt ist auf null gesunken. China machte einmal mindestens ein Fünftel des Rechenzentrumsumsatzes aus. Diese Einnahmequelle existiert nicht mehr.

Was danach passierte, ist fast surreal. Im Januar 2026 wiesen chinesische Zollbehörden an, H200-Chips seien trotz gültiger US-Exportlizenzen nicht einführbar. Peking forderte heimische Technologiekonzerne auf, keine Nvidia-H200-Bestellungen mehr aufzugeben. Washington sagt: Nvidia darf verkaufen. Peking sagt: Chinesische Unternehmen dürfen nicht kaufen. Ein Patt zwischen zwei Regierungen — mit Nvidia in der Mitte.

Das Entscheidende: Die Q2-Umsatzprognose von 91 Milliarden Dollar geht von null Chipverkäufen nach China aus. Das China-Geschäft ist also bereits herausgerechnet. Das Nicht-China-Geschäft allein reicht für Quartalsrekorde.

Huawei füllt die Lücke

Das Vakuum, das Nvidia hinterlassen hat, ist nicht leer geblieben. Huawei erwartet für 2026 rund 12 Milliarden Dollar Umsatz mit KI-Prozessoren — nach 7,5 Milliarden im Vorjahr. Alibaba, ByteDance und Tencent haben bereits bestellt. Der Ascend 950PR ist heute das primäre Beschaffungsziel der größten chinesischen Technologiekonzerne. Ein Nachfolger mit Fokus auf KI-Training, der 950DT, soll im vierten Quartal kommen.

Das ist keine vorübergehende Verschiebung. Ein Jahr Unsicherheit hat chinesische Hyperscaler dazu gebracht, heimische Alternativen zu beschleunigen. Marktanteile, die Huawei in dieser Zeit gewonnen hat, kehren nicht automatisch zurück, wenn Lizenzen erteilt werden. China ist kein pausierter Markt. China ist ein Markt, der sich um einen anderen Anbieter herum neu organisiert hat.

Der Rest der Welt beschleunigt

Und trotzdem: Wer sich die Zwölf-Monats-Performance anschaut — plus 26 Prozent gegenüber dem Tief von 130 Euro im Juli 2025 — sieht ein Unternehmen, das den China-Verlust nicht nur überlebt, sondern explosiv gewachsen ist.

Am 20. Mai meldete Nvidia Rekorderlöse von 81,6 Milliarden Dollar für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027. Das entspricht einem Wachstum von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Rechenzentrumsgeschäft wuchs um 92 Prozent auf 75,2 Milliarden Dollar — getrieben von der Nachfrage nach der Blackwell-Architektur.

Westliche Cloud-Anbieter, staatliche KI-Programme, Unternehmensdeployments: Sie alle nehmen Nvidias Kapazitäten schneller ab, als das Unternehmen produzieren kann. Huang formulierte es direkt: „Der Aufbau von KI-Fabriken, die größte Infrastrukturexpansion in der Geschichte der Menschheit, beschleunigt sich mit außerordentlichem Tempo.“

Warum die Aktie trotzdem fällt

Der aktuelle Rückgang hat mehrere Ursachen. Vorsichtige KI-Kommentare von Broadcom verunsicherten den Sektor. Ein starker US-Arbeitsmarktbericht schürte Zinserhöhungserwartungen — das trifft wachstumsstarke Aktien mit hohen Bewertungsmultiplikatoren besonders hart.

Hinzu kommt ein konkretes Marktsignal: Der Mietpreis für eine einzelne B200-GPU auf großen Cloud-Plattformen fiel von 6,11 Dollar pro Stunde am 30. Mai auf 4,22 Dollar am 21. Juni — ein Rückgang von rund 31 Prozent in drei Wochen. GPU-Mietpreise gelten als Echtzeitindikator für KI-Workload-Nachfrage. Dieser Rückgang hat die Nervosität verstärkt.

Was der Markt gerade nicht einpreist

Das Konsensus-Kursziel der Analysten liegt bei 262,37 Euro — rund 55 Prozent über dem aktuellen Kurs. Das Durchschnittsrating lautet „Strong Buy“. Die Aktie handelt noch knapp über ihrem 200-Tage-Durchschnitt von 163,66 Euro, liegt aber fast sieben Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt. Eine Konstellation, die kurzfristige Schwäche und längerfristige strukturelle Unterstützung gleichzeitig widerspiegelt.

Was in der aktuellen Bewertung nicht steckt: jegliche Erholung des China-Geschäfts. Die Guidance setzt China auf null. Jede politische Entspannung wäre reiner Zusatzumsatz — nicht eingepreist, nicht erwartet, kostenlos im aktuellen Kurs enthalten.

Reicht die Frage, ob GPU-Mietpreise die echte Nachfragedynamik abbilden oder nur kurzfristige Kapazitätsschwankungen zeigen, aus, um eine Neubewertung der gesamten KI-Infrastrukturthese zu rechtfertigen?

Huang selbst sagte, die Idee eines „um ein Vielfaches größeren Unternehmens“ sei nicht ausgeschlossen. Nvidia investiere intensiv in alle fünf Schichten dessen, was er den „Fünf-Schichten-Kuchen“ der KI-Industrie nannte: Energie, Chips, Infrastruktur, Modelle und Anwendungen. Ob der Markt diese Vision bei 168,80 Euro glaubt — das beantwortet gerade jeder Investor für sich selbst.

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Nvidia Aktie

168,80 EUR

– 3,00 EUR -1,75 %
KGV 29,98
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,02 %
Marktkapitalisierung 4,74 Bio. EUR
ISIN: US67066G1040 WKN: 918422

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