Nvidia Aktie: Huang rügt Super Micro öffentlich
Nvidia-Chef Jensen Huang kritisiert Super Micros Compliance nach Ermittlungen zu Chip-Schmuggel. Die Aktie zeigt sich unbeeindruckt.

Kurz zusammengefasst
- Huang mahnt Partner zur Compliance
- Taiwan ermittelt gegen Chip-Schmuggel
- Super Micro im Fokus der Justiz
- Nvidia-Quartalszahlen übertreffen Erwartungen
Nvidia-CEO Jensen Huang hat seinen langjährigen Partner Super Micro Computer öffentlich zurechtgewiesen. Der Grund: Taiwans Justiz ermittelt erstmals strafrechtlich gegen mutmaßlichen KI-Chip-Schmuggel nach China. Huang kommentiert sonst selten die Compliance seiner Partner – dieser Vorstoß ist bewusst gesetzt.
Die Nvidia-Aktie notiert am Montag bei 188,90 Euro, ein Plus von 1,85 Prozent. Der Kurs liegt sechs Prozent unter seinem Rekordhoch von 201,05 Euro. Die Nachricht aus Taiwan hat den Wert bislang kaum belastet.
Huang bricht mit der eigenen Zurückhaltung
Bei seiner Ankunft in Taipeh am Samstag sagte Huang auf die Frage nach dem Fall Super Micro: „Letztlich muss Super Micro ihr eigenes Unternehmen führen. Ich hoffe, sie werden ihre Regulierungskompetenz verbessern und so etwas in Zukunft vermeiden.“ Nvidia selbst sei „rigoros“ bei der Aufklärung aller Partner über geltende Exportvorschriften.
Die öffentliche Rüge ist ungewöhnlich. Huang hält sich bei Kritik an Geschäftspartnern normalerweise zurück – zu eng sind die Verflechtungen in der Lieferkette. Super Micro baut und vertreibt die Serversysteme, in denen Nvidias KI-Chips zum Einsatz kommen.
Taiwans erste Razzia gegen KI-Chip-Schmuggel
Am 21. Mai durchsuchte die taiwanesische Staatsanwaltschaft zwölf Standorte auf der Insel und erwirkte Haftbefehle gegen drei Verdächtige – darunter Super-Micro-Mitgründer Wally Liaw. Ihnen wird vorgeworfen, mit gefälschten Zolldokumenten Nvidia-bestückte Server nach China, Hongkong und Macau exportiert zu haben.
Um die eigene Compliance-Abteilung und einen US-Exportkontrolleur zu täuschen, sollen die Beschuldigten ein Lager mit tausenden Attrappen-Servern gefüllt haben. Mit Haartrocknern lösten sie Versandetiketten von Paketen, um neue, gefälschte Lieferungen zusammenzustellen.
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Parallel läuft in den USA ein Bundesverfahren gegen Liaw und zwei weitere Personen. Die Anklage wirft ihnen den Schmuggel von Nvidia-Servern im Wert von rund 2,5 Milliarden Dollar vor. Super-Micro-CEO Charles Liang betonte im jüngsten Earnings Call, das Unternehmen selbst sei weder Angeklagter noch Ziel der Grand Jury. Alle drei Beschuldigten seien entlassen worden.
Rekordzahlen trotz Eskalation
Die Compliance-Probleme überschatten eine außergewöhnlich starke Geschäftsentwicklung. Nvidia erzielte im ersten Quartal 2026 einen Umsatz von 81,6 Milliarden Dollar – ein Plus von 85 Prozent zum Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie sprang auf 1,87 Dollar, die Analystenerwartungen von 1,76 Dollar wurden klar übertroffen.
Das Data-Center-Geschäft trug mit 75,2 Milliarden Dollar 92 Prozent zum Gesamtumsatz bei. Für das zweite Quartal stellt Nvidia rund 91 Milliarden Dollar in Aussicht – ein weiteres Plus von 95 Prozent.
Huang reiste nicht zufällig nach Taipeh. Am 1. Juni hält er auf der Computex seine Keynote, im Zentrum steht die Plattform Vera Rubin. Huang nennt sie „den größten Produktstart in der Geschichte Taiwans“. Jedes NVL72-System bestehe aus fast zwei Millionen Einzelteilen und involviere rund 150 Partner aus dem taiwanesischen Ökosystem.
Exportkontrolle als Geschäftsrisiko
Die parallelen Ermittlungen in Taiwan und den USA zeigen: Die Lücke im Transshipment, die den größten Exportkontrollfall der US-Geschichte ermöglichte, wird von beiden Seiten des Pazifiks geschlossen. Keine der beschlagnahmten Sendungen ist bislang wieder freigegeben worden.
Für Nvidia bedeutet die Lage: Export-Compliance ist kein Randthema mehr, sondern ein operatives Risiko erster Ordnung. Die außergewöhnliche Nachfrage nach KI-Beschleunigern macht das Unternehmen zur Drehscheibe – und zur Zielscheibe. Der Fall Super Micro wird zeigen, ob Huang seine Partner künftig noch enger führen muss.
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