Nvidia Aktie: Huang verspricht Verdopplung – und mahnt zur Vorsicht
Nvidia-Chef Jensen Huang erwartet für das kommende Jahr doppelte Chipverkäufe, verweist aber auf Fertigungsengpässe und Sicherheitsanforderungen.

Kurz zusammengefasst
- Huang erwartet doppelte Chipverkäufe
- Vera Rubin erreicht höheren Inferenzdurchsatz
- Speicherknappheit belastet die Lieferkette
- Nvidia-Aktie steigt um 2,54 Prozent
Jensen Huang hat auf einem KI-Gipfel in Schottland eine Zahl in den Raum gestellt, die selbst für Nvidia-Verhältnisse ungewöhnlich ist: Der Chipabsatz soll sich im kommenden Jahr verdoppeln. Gleichzeitig warnt der Nvidia-Chef vor blindem Tempo in der Branche – ein Balanceakt zwischen Wachstumseuphorie und Sicherheitsappell.
Bei dem von König Charles III. einberufenen Treffen in Dumfries House erklärte Huang, Nvidia werde im nächsten Jahr doppelt so viele Chips verkaufen wie im laufenden. Als Treiber nennt er staatliche Investitionen in KI-Infrastruktur, die in nahezu jedem Land spürbar seien, in dem der Konzern aktiv ist.
Die Ansage übertrifft die offizielle Prognose vom Zahlenausweis Ende August deutlich, als Nvidia für das Geschäftsjahr 2028 ein Umsatzwachstum von rund 70 Prozent auf etwa 673 Milliarden US-Dollar in Aussicht gestellt hatte.
Vera Rubin soll die Lieferkette tragen
Untermauert wird die Ansage durch neue Benchmarkdaten: Die kommende Vera-Rubin-NVL72-Plattform erreicht im Qwen3-VL-Test bis zum 3,7-fachen Inferenz-Durchsatz des Vorgängersystems GB300. Die Serienfertigung hat begonnen, erste Auslieferungen werden für den Herbst erwartet.
Ob die Verdopplung tatsächlich gelingt, hängt jedoch stark davon ab, wie schnell Fertigungspartner wie TSMC ihre Kapazitäten hochfahren können. Eine sich verschärfende Speicherknappheit gilt als zentrales Risiko für die gesamte Chipbranche.
Am Kapitalmarkt kam die Ansage gut an. Die Nvidia-Aktie schloss nach Huangs Auftritt 2,54 Prozent höher bei 219,34 US-Dollar, das Kursplus seit Jahresbeginn liegt bei rund 20 Prozent. Der Analystenkonsens bleibt eindeutig bullisch, mit einem mittleren Kursziel von 324,30 US-Dollar.
Sicherheit als Nebenbedingung
Beim selben Gipfel positionierte sich Huang auch zur Debatte um KI-Sicherheit, an der Vertreter von Google DeepMind, OpenAI und Anthropic teilnahmen. Seine Botschaft: Innovation und Sicherheit schließen sich nicht aus, neue Regulierung brauche es dafür nicht.
Produkte ohne ausreichende Sicherheit sollten aber zurückgehalten werden, bis sie ausgereift sind – ein Vergleich, den Huang mit einer neuen Flugzeugturbine zog, die strengen Tests unterzogen werden müsse.
Parallel wächst die Nachfrage nach Compute-Kapazität abseits der Großprojekte. Anthropic und OpenAI suchen zunehmend nach kleineren Rechenzentrums-Deals im Bereich von 20 bis 30 Megawatt, etwa in Großbritannien und den nordischen Ländern – ein Hinweis darauf, dass sich der Schwerpunkt der Branche zunehmend von reinem Training hin zu Inferenz-Betrieb verschiebt, wo Nvidias Chips ebenfalls zum Einsatz kommen.
Ob sich Huangs Verdopplungs-Versprechen als tragfähig erweist, wird sich erst zeigen, wenn Nvidia im weiteren Jahresverlauf konkrete Zahlen zur Auslastung der Vera-Rubin-Fertigung und zur Entwicklung der Speicherkosten vorlegt. Bis dahin bleibt die hohe Bewertung der Aktie ein Faktor, den Anleger im Blick behalten dürften.
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