Nvidia Aktie: Lizenz ja, Umsatz nein

Trotz erteilter Exportgenehmigungen bleibt das China-Geschäft von Nvidia bislang marginal. Die Aktie sucht zwischen Cloud-Nachfrage und Lieferstau ihre Richtung.

Eduard Altmann ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • China-Lieferungen bleiben bislang unbedeutend
  • Cloud-Ausgaben entscheiden über Kursentwicklung
  • Analysten sehen deutliches Kurspotenzial
  • Quartalszahlen Ende August im Fokus

Nvidia-Aktien versuchen sich nach einer schwierigen Phase zu stabilisieren. Der Kurs steht bei 172,42 Euro, ein Plus von 1,84 Prozent am Tag. Anleger wägen gerade zwei gegensätzliche Signale gegeneinander ab: eine zaghafte Öffnung des chinesischen Chipmarkts und wachsende Zweifel an der Ausgabefreude der großen Cloud-Konzerne.

Lizenz vorhanden, Lieferungen bleiben ein Rinnsal

Der regulatorische Weg für Nvidias H200-Chip nach China ist nur halb frei, nicht vollständig offen. Die US-Behörde BIS prüft Exportlizenzen für den H200 inzwischen einzeln, nachdem Präsident Trump im Dezember 2025 grünes Licht für Lieferungen an zugelassene chinesische Kunden gegeben hatte. Die tatsächliche Umsetzung hinkt der politischen Kehrtwende aber deutlich hinterher.

Ein US-Beamter, der die Exportkontrollen überwacht, bezeichnete das bisherige Volumen der ausgelieferten H200-Chips als „trivial“. Nur eine Handvoll Chips habe China nach der Genehmigung tatsächlich erreicht. Die Verzögerung liegt nicht allein bei den USA: China selbst will heimischen KI-Firmen offenbar nur einen Bruchteil der georderten Mengen genehmigen – weniger als die Hälfte der angefragten Stückzahlen, wie es heißt. Der Flaschenhals sitzt also auf beiden Seiten des Pazifiks.

Vor diesem Hintergrund notiert die Aktie rund 15 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro. Der Rückstand zeigt, wie sehr der Markt die China-Frage bereits eingepreist hat, ohne dass ein klares Ergebnis vorliegt.

Die entscheidende Frage

Was den nächsten Kursverlauf am stärksten prägen dürfte, ist nicht China. Es ist die Frage, ob die Investitionspläne der großen Cloud-Anbieter – Microsoft, Meta, Amazon und Alphabet – im bisherigen Tempo weiterlaufen. Erste Anzeichen für eine Abkühlung könnten die ohnehin fragile Kursdynamik vor den nächsten Quartalszahlen zusätzlich belasten.

Der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 178,95 Euro und damit über dem aktuellen Kurs. Der RSI steht bei neutralen 45,2 Punkten. Die Aktie hat aktuell keine klare technische Richtung – die fundamentalen Nachrichten müssen die Entscheidung bringen.

Das bullische Szenario

Das strukturelle Argument für Nvidia stützt sich auf die breite Nachfrage nach KI-Infrastruktur bei den Cloud-Riesen. Diese bleibt der wichtigste Wachstumsmotor des Unternehmens, unabhängig von der China-Frage. Microsoft, Amazon, Meta, Alphabet und Oracle stecken zusammen hunderte Milliarden in KI-Rechenzentren.

Anders als Softwarefirmen, die ihre KI-Investitionen erst noch monetarisieren müssen, spürt Nvidia die Nachfrage nach seinen GPUs und Netzwerkkomponenten sofort. Hält dieses Ausgabetempo, könnte es den bislang marginalen China-Beitrag locker ausgleichen. Der Kursrückgang hat die Bewertung der Aktie auf ein Niveau gedrückt, das einige Analysten als attraktiv einstufen – vorausgesetzt, das Wachstum erweist sich als tragfähig.

Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 263,90 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von über 53 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Eine Rückkehr über den 50-Tage-Durchschnitt nahe 179 Euro und später über den 100-Tage-Durchschnitt bei rund 174 Euro würde das positive Szenario technisch untermauern.

Das bärische Szenario

Das Gegenargument setzt genau an der Lücke zwischen politischer Lockerung und tatsächlichem Geschäft an. Trotz vorliegender Lizenzen hat Nvidia bislang praktisch keinen nennenswerten Umsatz mit H200-Verkäufen nach China erzielt. Das „triviale“ Liefervolumen, das US-Beamte selbst einräumen, spricht dafür, dass China kurzfristig kein Umsatztreiber wird.

Hinzu kommt: Chinas eigene restriktive Genehmigungspraxis deutet darauf hin, dass Peking heimische Alternativen bevorzugen könnte. Das würde das Aufwärtspotenzial selbst bei weiterer US-Lockerung begrenzen. Jenseits von China wächst zudem die Sorge, dass Nvidia unter Investoren nicht mehr die unangefochten beliebteste KI-Aktie ist. Beobachter äußern generell Zweifel an der Nachhaltigkeit mancher KI-bezogener Liefervereinbarungen in der Branche.

Die Stimmung im gesamten Halbleitersektor bleibt fragil. Nvidias schwächere Performance gegenüber Chip-Konkurrenten in diesem Jahr spiegelt eine Skepsis wider, die der Markt bislang nicht aufgelöst hat. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 37,43 Prozent zeigt, wie schnell die Stimmung in beide Richtungen kippen kann.

Ausblick

Solange die Investitionspläne der Cloud-Konzerne robust bleiben und die China-Lieferungen allmählich über symbolische Mengen hinauswachsen, bleibt der Weg zurück Richtung 50- und 100-Tage-Durchschnitt und langfristig zum 52-Wochen-Hoch intakt. Signalisieren die Hyperscaler dagegen eine Abkühlung ihrer Ausgaben oder bremst Chinas Genehmigungspraxis die Volumina weiter aus, droht ein Rücksetzer in Richtung des 200-Tage-Durchschnitts von 166,36 Euro.

Der nächste wichtige Termin steht bereits fest: Nvidia meldet die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 voraussichtlich Ende August 2026. Diese Zahlen liefern die bislang klarste Antwort darauf, ob die KI-Infrastrukturnachfrage – und ein möglicher China-Beitrag – sich tatsächlich in beschleunigtem Umsatzwachstum niederschlägt.

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Nvidia Aktie

170,42 EUR

+ 2,32 EUR +1,38 %
KGV 30,21
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,02 %
Marktkapitalisierung 4,60 Bio. EUR
ISIN: US67066G1040 WKN: 918422

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