Nvidia Aktie: Machtwechsel an der Börsenspitze

Apple verdrängt Nvidia als wertvollstes Unternehmen. Analysten diskutieren über die Zukunft des KI-Chip-Booms und mögliche Wachstumsbremsen.

Dieter Jaworski ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Apple überholt Nvidia an der Börse
  • Wachstumsprognose für Nvidia sinkt deutlich
  • Neue Vera-Rubin-Plattform als Hoffnungsträger
  • Analysten sehen 47 Prozent Kurspotenzial

Nvidia ist nicht mehr die wertvollste Firma der Welt. Apple hat den Chip-Konzern am Freitag überholt. Die Aktie notiert bei 178,78 Euro, ein Minus von 1,34 Prozent zum Vortag und 3,26 Prozent auf Wochensicht.

Der Wechsel an der Spitze ist mehr als Symbolik. Er markiert eine Kapitalrotation weg von Infrastruktur-Anbietern für Künstliche Intelligenz, hin zu Firmen mit stabilen Erträgen und etablierten Ökosystemen. Mit einer Marktkapitalisierung von 4.479,52 Milliarden Euro bleibt Nvidia ein Schwergewicht. Trotzdem kühlt die Stimmung im gesamten Halbleitersektor merklich ab, der Philadelphia Semiconductor Index liegt rund 19 Prozent unter seinem Juni-Hoch.

Die entscheidende Frage: Bremst der Boom oder pausiert er nur?

Im Zentrum steht eine Wachstumszahl. Das Quartalsumsatzwachstum fiel von 19,8 Prozent im ersten Quartal auf eine Prognose von 11,5 Prozent für das zweite. Ist das der Beginn einer strukturellen Verlangsamung bei der Hardware-Nachfrage? Oder nur eine Verschnaufpause vor dem nächsten großen Umrüstungszyklus, der mit der Vera-Rubin-Architektur später im Jahr startet?

Bullen-Szenario: Physische KI und die nächste Chip-Generation

Für eine neue Rally spricht die kommende Vera-Rubin-Plattform. Sie soll ab der zweiten Jahreshälfte 2026 ausgeliefert werden und bis zu zehnmal mehr Leistung bieten als die aktuellen Blackwell-Chips. Das könnte Cloud-Konzerne zu einer neuen Investitionswelle zwingen.

Nvidia setzt zudem auf „physische KI“ und nationale Infrastrukturprojekte. Am 16. Juli verkündete Firmenchef Jensen Huang eine Allianz in Japan. Partner sind Fujitsu, Fanuc und das Noetra-Konsortium, hinter dem SoftBank, Sony und Honda stehen. Die japanische Regierung will das Projekt über fünf Jahre mit umgerechnet einer Billion Yen fördern. Konkret geht es um die Beschaffung von 27.500 Rubin-GPUs von Nvidia.

Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 263,77 Euro. Das entspräche einem Kurspotenzial von 47,5 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Viele Analysten argumentieren, allein der Umfang der geplanten Projekte zwischen 2026 und 2028 rechtfertige die aktuelle Bewertung. Auch TSMC liefert ein Signal: Der Auftragsfertiger hat sein Investitionsbudget für 2026 auf 60 bis 64 Milliarden Dollar angehoben, ein Indiz für anhaltend hohe Nachfrage nach fortschrittlicher Chip-Verpackung.

Bären-Szenario: Wachstum normalisiert sich, Makro-Risiken wachsen

Das Risiko: Der Handel mit KI-Infrastruktur könnte in eine Phase abnehmender Grenzerträge eintreten. Zwar steht Nvidia auf Zwölfmonatssicht mit 19,79 Prozent im Plus. Zum 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro fehlen der Aktie aber 11,71 Prozent.

Der Übergang vom Training von KI-Modellen zum laufenden Betrieb – der sogenannten Inferenz – könnte günstigere Spezialchips oder Software-Optimierungen begünstigen. Das würde die Abhängigkeit von Nvidias Premium-Hardware verringern.

Hinzu kommen makroökonomische Gegenwinde. Steigende Ölpreise durch den andauernden Konflikt mit dem Iran lenken Kapital in Energie- und defensive Werte. Der Nasdaq verlor am Freitag 1,7 Prozent. Investoren bevorzugen zunehmend Apples Modell mit einem freien Cashflow von 98,8 Milliarden Dollar im Geschäftsjahr 2025 gegenüber dem investitionsintensiven Chip-Sektor.

Manche Analysten erwarten, dass die Investitionsausgaben der Cloud-Konzerne von 76 Prozent Wachstum 2026 auf 25 Prozent im Jahr 2027 zurückgehen. Setzt sich diese Normalisierung fort, dürfte Nvidias Kurs-Gewinn-Verhältnis von aktuell 55,5 schwer zu halten sein.

Ausblick: Die zweite Jahreshälfte als Prüfstein

Solange Vera Rubin den Zeitplan für die zweite Jahreshälfte 2026 einhält, dürfte Nvidia seine dominante Marktposition im Rechenzentrumsgeschäft verteidigen. Technisch sieht es kurzfristig aber angespannt aus. Die Aktie liegt 1,69 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt von 181,85 Euro. Der RSI von 50,2 Punkten deutet auf eine neutrale Marktlage hin – die Aktie könnte vorerst seitwärts laufen.

Der nächste konkrete Prüfstein für den Sektor kommt vom Konkurrenten AMD, der am 4. August seine Quartalszahlen vorlegt. Sie werden zeigen, ob sich die Nachfrage nach KI-Chips verbreitert oder auf wenige Anbieter konzentriert. Für Nvidia selbst gilt eine technische Marke als wichtig: der 200-Tage-Durchschnitt bei 165,35 Euro, aktuell 8,12 Prozent unter dem Kurs. Bleibt die Aktie darüber, gilt der langfristige Aufwärtstrend als intakt.

Die eigentliche Weichenstellung dürfte aber Ende August fallen, wenn Nvidia seine Quartalszahlen vorlegt. Bestätigt sich dort die avisierte Wachstumsbremse auf 11,5 Prozent ohne deutlich optimistischeren Ausblick, könnte die Rotation hin zu Apple und anderen Unternehmen mit verlässlichen Gewinnen an Fahrt gewinnen.

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Nvidia Aktie

178,30 EUR

– 2,90 EUR -1,60 %
KGV 31,64
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,02 %
Marktkapitalisierung 5,00 Bio. EUR
ISIN: US67066G1040 WKN: 918422

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