Nvidia Aktie: Melius-Kehrtwende?
Melius verweist auf Finanzierungsrisiken im KI-Ausbau und bewertet Nvidia niedriger, während die Kaufempfehlung bestehen bleibt.

Kurz zusammengefasst
- Kursziel von 420 auf 315 Dollar reduziert
- Kaufempfehlung für Nvidia bleibt bestehen
- Finanzierung des KI-Ausbaus als Hauptrisiko
- Quartalszahlen für 17. November erwartet
Melius Research hat heute das Kursziel für Nvidia von 420 auf 315 US-Dollar gesenkt. Die Kürzung um 25% geht allerdings nicht mit einer Abkehr von der Aktie einher: Die Kaufempfehlung bleibt bestehen. Im Mittelpunkt der vorsichtigeren Einschätzung stehen Finanzierungsrisiken des KI-Ausbaus und der Druck auf die Bewertungen.
Damit unterscheidet Melius zwischen den Geschäftsaussichten und dem Preis, den Anleger dafür bezahlen sollten. Die Analysten sehen weiterhin eine Kaufgelegenheit, setzen den Bewertungsmaßstab aber deutlich niedriger an.
Finanzierung wird zum Bewertungsrisiko
CNBC-Moderator Carl Quintanilla zitierte Melius auf X mit einer Warnung vor einem großen Angebot neuer Wertpapiere. Mindestens fünf Unternehmen mit jeweils mehr als einer Billion US-Dollar Börsenwert müssten demnach Hunderte Milliarden US-Dollar aufnehmen. Dieses Angebot bezeichnete Melius als Hauptrisiko.
Die Sorge reicht damit über einzelne Quartalsberichte hinaus. Für Nvidia ist entscheidend, ob die großen Betreiber von KI-Infrastruktur ihren Ausbau finanzieren und die geplanten Investitionen fortsetzen können. Eine Kaufempfehlung für die Aktie schließt solche Risiken nicht aus.
Die Kurszielsenkung betrifft zudem nicht allein Nvidia. Melius nahm auch die Ziele für mehrere andere Chip- und Infrastrukturunternehmen zurück. Das spricht für eine breitere Neubewertung des KI-Investitionszyklus und nicht ausschließlich für unternehmensspezifische Bedenken.
Hohe Ausgaben bleiben ein zweischneidiger Faktor
Nach einem Rückgang von -11% binnen 30 Tagen steht die Nvidia-Aktie bereits unter dem Eindruck der skeptischeren Markteinschätzung. Sinkende freie Mittelzuflüsse bei großen Technologiekonzernen haben die Frage verschärft, wie lange diese ihren kostspieligen Ausbau fortsetzen können.
Für Nvidia liegt darin ein unmittelbares Geschäftsrisiko: Mögliche Investitionskürzungen der großen Cloudanbieter könnten die Chipbestellungen belasten. Hohe Ausgaben stützen die Nachfrage, erhöhen bei den Kunden zugleich aber den Finanzierungsbedarf.
Eine zwangsläufige Abkühlung erwartet nicht jedes Analysehaus. UBS sieht die KI-Investitionen auch im kommenden Jahr weiter als positiven Treiber der globalen Aktienrenditen. Gleichzeitig rechnet die Bank mit anhaltend hoher Volatilität. Dem vorsichtigeren Bewertungsansatz von Melius steht somit weiterhin Vertrauen in den Investitionszyklus gegenüber.
Quartalszahlen müssen Erwartungen untermauern
Der nächste konkrete Prüfstein ist die für den 17. November nach Börsenschluss erwartete Ergebnisvorlage. Nvidia prognostiziert für das dritte Quartal einen Umsatz von 108 Milliarden US-Dollar mit einer Schwankungsbreite von ±2%.
Dabei wird nicht nur die Erfüllung der eigenen Prognose zählen. Angesichts der Finanzierungssorgen dürfte auch der Ausblick daraufhin geprüft werden, ob sich die hohen Wachstumserwartungen weiterhin rechtfertigen lassen.
Laut einem Bericht von Yahoo Finance erwarten Analysten für das Berichtsquartal rund 109 Milliarden US-Dollar Umsatz. Für das anschließende Januarquartal liegt die Erwartung bei rund 124 Milliarden US-Dollar.
Die Hürde bleibt damit hoch. Melius hält an der Kaufempfehlung fest, verlangt mit dem niedrigeren Kursziel aber mehr Vorsicht bei der Bewertung. Für Anleger rückt deshalb die Frage in den Vordergrund, ob Nvidia das erwartete Wachstum trotz der Finanzierungsrisiken seiner Kunden bestätigen kann.
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