Nvidia Aktie: Nachfrage übersteigt Angebot zwölffach
Nvidia verzeichnet immense KI-Chip-Nachfrage und volle Auftragsbücher, dennoch notiert die Aktie 14% unter ihrem Höchststand. Analysten sehen deutliches Kurspotenzial.

Kurz zusammengefasst
- KI-Chip-Nachfrage übersteigt Angebot um ein Vielfaches
- Kurs liegt 14% unter 52-Wochen-Hoch
- Analysten sehen Kurspotenzial von über 50%
- Technische Indikatoren signalisieren neutrale Lage
Ein Auftragsbuch, das bis 2026 reicht. Eine Nachfrage, die das Angebot zwölffach übersteigt. Und trotzdem verliert die Aktie fast 14 Prozent gegenüber ihrem Hoch. Wer diese Diskrepanz verstehen will, muss zwischen echter Sorge und Bubble-Angst unterscheiden – und meine Lesart ist klar: Die Angst überwiegt die Fakten.
Nvidia schloss am Freitag mit einem Plus von 2,98 Prozent bei 174,36 Euro. Der Kurs bleibt trotzdem 13,90 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro. Genau in dieser Lücke steckt für mich die eigentliche Story.
Echte Nachfrage, keine Spekulation
Der Treiber bleibt simpel: Die Bestellungen für Nvidias Blackwell-Chips sind gewaltig. CEO Jensen Huang nannte die Aktie kürzlich „unterbewertet“ – eine Einschätzung, die durch den prall gefüllten Orderbestand gedeckt wird. Amazon, Alphabet und Meta haben ihre Investitionspläne für Rechenzentren deutlich nach oben korrigiert, um sich Kapazitäten für die nächste KI-Generation zu sichern.
Auch die Lieferkette bestätigt das Bild. TSMC steckt massiv Kapital in neue Packaging-Anlagen in Arizona. Das Nadelöhr liegt beim Angebot, nicht bei der Nachfrage. Analysten schätzen, dass die Nachfrage nach Nvidias GPUs das Angebot um das Zwölffache übersteigt – ein Polster, das die Bewertung stützt, selbst wenn der Gesamtmarkt nervös bleibt.
Der Vorwurf der Zirkelfinanzierung
Kritiker sprechen zunehmend von „Zirkelfinanzierung“ in der KI-Branche. Die These: Große Cloud-Anbieter finanzieren im Grunde ihre eigenen Umsätze, indem sie in KI-Startups investieren, die das Geld wiederum für Cloud-Dienste ausgeben – angetrieben von Nvidia-Chips. Berichte, wonach Nvidia umfangreiche Kreditgarantien für OpenAIs Rechenzentrumsprojekte in Ohio stellen könnte, haben diese Debatte zusätzlich angeheizt.
Ich sehe die Wahrscheinlichkeiten trotzdem auf Seiten der Optimisten. Anders als beim Dotcom-Crash treiben hier einige der kapitalstärksten Unternehmen der Geschichte den Ausbau voran. Alphabets freier Cashflow ist zwar wegen massiver Investitionen zuletzt ins Minus gerutscht. Die strategische Notwendigkeit, bei KI vorn dabei zu sein, verhindert aber einen plötzlichen Rückzug von Kapital.
Für Nvidia zählt am Ende, was daraus wird: reale Umsätze und ein Marktanteil von 86 Prozent bei Rechenzentrums-GPUs. Das ist kein Kartenhaus, das ist Marktmacht.
Technisches Bild: Show-me-Phase
Charttechnisch befindet sich Nvidia in einer Phase, in der der Markt Beweise sehen will. Der Kurs liegt 2,59 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 178,99 Euro – ein Zeichen für kurzfristigen Druck. Der langfristige Aufwärtstrend bleibt aber intakt: Gegenüber dem 200-Tage-Durchschnitt von 166,37 Euro liegt die Aktie 4,80 Prozent im Plus.
Der RSI steht bei 47,2 – neutral, weder überkauft noch überverkauft. Diese Ruhe im Sentiment lässt Raum für eine klare Reaktion auf den nächsten Katalysator. Das Kursziel der Analysten liegt im Konsens bei 262,49 Euro. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von gut der Hälfte gegenüber dem aktuellen Niveau.
Makrorisiken und Exportkontrollen bleiben real. Aber die Kombination aus vollen Auftragsbüchern und deutlichem Abstand zum Hoch macht für mich den Fall Nvidia gerade jetzt interessant. Die aktuelle Korrektur wirkt wie eine Verschnaufpause in einer mehrjährigen Wachstumsgeschichte – kein Bruch. Der „Rabatt“, von dem Huang spricht, scheint mir fundamental begründet.
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