Nvidia Aktie: Rechenzentrum wächst um 117 Prozent
Nvidia steigert den Quartalsumsatz um 106 Prozent, finanziert KI-Kunden mit und erhöht wegen knapper Speicherchips die Serverpreise ab 2027.

Kurz zusammengefasst
- Umsatz wächst auf 96,2 Milliarden Dollar
- KI-native Kunden legen deutlich stärker zu
- Serverpreise steigen ab Lieferjahr 2027
- Aktie schließt 4,1 Prozent schwächer
Manche Quartalszahlen liest man zweimal, weil man dem ersten Eindruck nicht traut. Nvidia hat am Donnerstag für sein zweites Fiskalquartal 2027 einen Umsatz von 96,2 Milliarden Dollar gemeldet, ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Das Rechenzentrumsgeschäft allein wuchs um 117 Prozent auf 89 Milliarden Dollar. Zahlen dieser Größenordnung sind längst keine Ausnahme mehr bei Nvidia – sie sind das neue Normal. Und genau darin liegt die eigentliche Geschichte dieses Sommers: Der KI-Boom verliert nicht an Kraft, er verändert nur, wer an ihm verdient.
Vom Fabless-Chiphersteller zum Finanzierungskonzern
Wer Nvidia noch als reinen Halbleiterproduzenten betrachtet, hat die letzten Monate verpasst. Das Unternehmen hat rund 50 Milliarden Dollar in KI-Labore investiert, die anschließend seine eigenen Chips kaufen. Finanzvorstand Colette Kress bezifferte den Anteil des für 2028 erwarteten Geschäfts, der von solchen finanzierten Kunden stammt, auf etwa 25 Prozent.
Gemeinsam mit Partnern wie Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR baut Nvidia Finanzierungsplattformen im Volumen von mehr als 500 Milliarden Dollar auf. Dazu kommt ein Engagement von bis zu 105 Milliarden Dollar an Leasingzusagen für den Ohio-Campus von OpenAI, verbunden mit einer eigenen Investition von 1,5 Milliarden Dollar in SB Energy.
Ist das noch ein Chip-Konzern, der seine Produkte verkauft – oder wird Nvidia zum Bankhaus der KI-Infrastruktur, das seine eigene Nachfrage mitfinanziert? Die Frage ist berechtigt, und sie wird an den Märkten diskutiert.
Kritiker sprechen von zirkulärer Finanzierung. Befürworter verweisen darauf, dass ohne diese Kapitalbrücken viele KI-Clouds gar nicht in der Lage wären, die Rechenkapazität zu bestellen, die sie langfristig benötigen. Beide haben einen Punkt.
Die Kundschaft verändert sich schneller als die Aktie
Bemerkenswerter als die reine Wachstumsrate ist, wer heute bei Nvidia bestellt. Neben den etablierten Hyperscalern, deren Umsatzbeitrag um 102 Prozent auf 48,7 Milliarden Dollar kletterte, wächst eine neue Käuferklasse noch schneller: KI-native Clouds, Industrieunternehmen, souveräne Staatsprojekte und spezialisierte Anbieter wie CoreWeave oder Nebius kamen zusammen auf 40,3 Milliarden Dollar, ein Plus von 138 Prozent.
Diese Diversifizierung reduziert das Klumpenrisiko, das entsteht, wenn drei oder vier Tech-Konzerne über die Zukunft eines Zulieferers entscheiden. AWS hat parallel zwei Millionen zusätzliche GPUs für die Jahre 2027 und 2028 geordert, zusätzlich zu einer früheren Zusage über mehr als eine Million Einheiten.
Doch dieses Wachstum hat seinen Preis – im wörtlichen Sinn. Wegen der Knappheit bei Speicherchips erhöht Nvidia die Preise für seine KI-Server der Vera-Rubin- und Grace-Blackwell-Generation um 15 bis 17 Prozent für Lieferungen ab 2027. Der Speicheranteil an den Kosten eines Racks ist nach Branchenschätzungen bereits auf rund ein Viertel gestiegen, während der GPU-Anteil von über 80 auf etwa 50 Prozent gesunken ist.
Neue Fab-Kapazitäten für Speicherchips werden laut Branchenanalysen erst 2029 oder 2030 verfügbar sein. Auch TSMC, Nvidias wichtigster Fertigungspartner, will die Preise über alle Prozessknoten hinweg um 10 bis 15 Prozent anheben.
Der Markt reagiert nüchterner, als die Zahlen vermuten lassen
An der Börse zeigte sich zunächst Erleichterung, dann Ernüchterung. Die Aktie legte nach den Zahlen kurzzeitig deutlich zu, gab die Gewinne aber teilweise wieder ab. Am Freitag schloss das Papier bei 187,78 Euro, ein Minus von 4,1 Prozent auf Tagessicht.
Über 30 Tage steht dennoch ein Plus von 13 Prozent zu Buche, und der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro beträgt gut sieben Prozent. Trotz der jüngsten Schwäche notiert die Aktie damit weiterhin komfortabel über ihrem 200-Tage-Durchschnitt.
Analysten bleiben mehrheitlich zuversichtlich: Truist hob das Kursziel auf 346 Dollar an, JPMorgan auf 320 Dollar, Bernstein sogar auf 400 Dollar. Der Marktdurchschnitt liegt bei etwas über 320 Dollar. Gleichzeitig verkauften Insider im laufenden Jahr Aktien im Wert von mehr als 664 Millionen Dollar, ein Großteil davon durch einen einzelnen Direktor.
Solche Verkäufe sind bei einem Unternehmen dieser Größe nicht ungewöhnlich, sie passen aber zu einem Bild, das sich durch den gesamten Sommer zieht: Nvidia wächst mit einer Geschwindigkeit, die selbst erfahrene Marktteilnehmer regelmäßig überrascht – und genau diese Geschwindigkeit erzeugt Fragen, die sich nicht mit einer einzigen Quartalszahl beantworten lassen.
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