Nvidia Aktie: Warten auf Microsoft

Nvidia-Aktie notiert unter Rekordhoch. Entscheidende Impulse erwartet der Markt von den Quartalsberichten der großen Cloud-Kunden ab Ende Juli.

Eduard Altmann ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Kurs unter Mai-Rekordhoch von 202,50 Euro
  • Microsoft-Zahlen als wichtiger Stimmungstest
  • Cloud-Investitionen gelten als Nvidia-Indikator
  • Technisches Bild zeigt Aufwärtspotenzial

Nvidia-Aktien kosten aktuell 184,74 Euro, ein Minus von 0,73 Prozent zum Vortag. Der Kurs liegt damit 8,77 Prozent unter dem Rekordhoch von 202,50 Euro aus dem Mai. Bis zu den eigenen Quartalszahlen Ende August muss sich die Aktie an fremden Ergebnissen orientieren.

Die Ausgangslage: Fremde Zahlen als Kompass

Nvidia selbst meldet seine Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal erst Ende August. Bis dahin richtet sich die Stimmung an den großen Cloud-Kunden aus. Microsoft, Meta, Amazon und Alphabet legen Ende Juli ihre Quartalsberichte vor. Deren Investitionspläne für künstliche Intelligenz gelten als früher Indikator für neue Nvidia-Chipbestellungen.

Microsoft macht dabei den Anfang. Der Bericht zum vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 ist für den 29. Juli angesetzt. Die Zahlen liefern erste Hinweise darauf, wie sich Nvidias Geschäft in den vergangenen Monaten entwickelt hat – bestätigen aber nichts. Ein Rückschluss bleibt Spekulation, bis Nvidia selbst berichtet.

Die entscheidende Frage: Beschleunigt sich das Investitionstempo weiter?

Ein einzelner Faktor dürfte die Stimmung vor Nvidias eigenem Bericht am stärksten bewegen: Erhöhen die großen Cloud-Anbieter ihre Investitionspläne für 2026 und 2027, oder bestätigen sie diese nur? Beschleunigt sich Microsofts Cloud-Umsatzwachstum und liefert der Konzern eine starke Prognose mit robustem Auftragsbestand, wäre das ein bullisches Signal für Nvidia. Kündigt Microsoft zusätzlich deutlich höhere Ausgaben für das Geschäftsjahr 2027 an, würde das darauf hindeuten, dass die Investitionswelle in KI-Infrastruktur noch nicht ihren Höhepunkt erreicht hat.

Eine Abschwächung dieser Prognosen hätte den gegenteiligen Effekt. Sie würde Zweifel an der Dauerhaftigkeit der KI-Infrastrukturnachfrage wecken – jener Säule, auf der Nvidias gesamte Bewertung ruht.

Bull-Szenario: Das technische Bild spricht für Fortsetzung

Bei 184,74 Euro notiert Nvidia 2,02 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 181,08 Euro und 11,28 Prozent über dem 200-Tage-Durchschnitt von 166,02 Euro. Ein RSI von 55,9 lässt technisch noch Spielraum nach oben, bevor die Aktie als überkauft gilt. Analysten-Kursziele liegen deutlich über dem aktuellen Niveau, einige nahe oder über 300 US-Dollar – umgerechnet in Euro würde das spürbares Aufwärtspotenzial bedeuten, abhängig vom jeweiligen Wechselkurs.

Auf der Nachfrageseite könnten die Berichte von Microsoft, Meta, Amazon und Alphabet Ende Juli für Rückenwind sorgen. Starke KI-Investitionspläne würden direkt auf mehr Chipbestellungen bei Nvidia hindeuten. Parallel dazu vergibt Washington wieder Lizenzen für den Verkauf von Nvidias H20-Chips in China – ein Markt, den die USA zuvor blockiert hatten. Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen, aber jede weitere Lizenz wäre ein zusätzliches positives Signal.

Bär-Szenario: Vorsicht bei den eigenen Kunden

Die bärische Sichtweise dreht sich um eine Frage: Zeigen ausgerechnet die Kunden, von denen Nvidia abhängt, erste Anzeichen von Zurückhaltung? Der breitere KI-Trade hat sich abgekühlt. Reuters berichtete Ende Juni, OpenAI könnte seinen Börsengang auf 2027 verschieben, um eine Bewertung von einer Billion US-Dollar zu schützen.

Das ist ein Warnsignal. Wenn der größte Name der Branche mit dem Börsengang wartet, statt den Markt zu testen, lesen Investoren das als Hinweis auf überzogene Bewertungen – und Nvidia gilt als Gradmesser des gesamten Sektors.

Positionsdaten liefern einen weiteren Vorsichtsgrund. Institutionelle Handelsdaten zeigen eine Netto-Short-Position von rund 16,7 Millionen US-Dollar in Nvidia-Aktien, die höchste unter den großen Chipwerten. Für einen Crash reicht das kaum: Gehebelte ETF-Wetten auf Nvidia summieren sich auf etwa 5,6 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 28,8 Milliarden US-Dollar täglichem Handelsvolumen – deutlich zurückhaltender als anderswo im Markt zu beobachtende Hebel-Positionen. Trotzdem: Ein schwächeres Investitionssignal von einem der Cloud-Riesen würde die annualisierte Volatilität von 34,66 Prozent auf die Probe stellen und den Kurs schnell zurück in Richtung des 50-Tage-Durchschnitts drücken können.

Ausblick: Microsoft liefert den nächsten Impuls

Solange die Kommentare der Cloud-Anbieter zu ihren Investitionsausgaben nach oben zeigen, spricht das technische Bild für eine erneute Annäherung an das Rekordhoch bei 202,50 Euro. Die Aktie notiert schließlich über beiden gleitenden Durchschnitten, bei neutralem RSI.

Signalisiert Microsoft oder einer der anderen Cloud-Riesen Ende Juli hingegen eine Pause oder Abschwächung bei den KI-Infrastrukturausgaben, könnte die Stimmung kippen. Ein Rücksetzer Richtung 50-Tage-Durchschnitt bei rund 181 Euro oder tiefer wäre dann das wahrscheinlichere Szenario. Der nächste konkrete Prüfstein ist Microsofts Quartalsbericht am 29. Juli, gefolgt von Nvidias eigenen Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal 2027, die für Ende August angesetzt sind.

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Nvidia Aktie

182,30 EUR

– 3,80 EUR -2,04 %
KGV 31,75
Sektor Technologie
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ISIN: US67066G1040 WKN: 918422

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