Nvidia Aktie: Zirkel-Vorwurf bei MediaTek-Deal
Nvidia finanziert MediaTek über Wandelanleihen und erweitert sein KI-Netzwerk. Derweil beantragt SB Energy den Börsengang.

Kurz zusammengefasst
- Nvidia zeichnet MediaTek-Wandelanleihen
- Kritik an möglicher Zirkularfinanzierung
- MediaTek plant ASIC-Massenproduktion 2026
- SB Energy beantragt Börsengang
Nvidia hat den größten Scheck außerhalb der USA in seiner Geschichte ausgestellt. 3,5 Milliarden Dollar fließen in Wandelanleihen von MediaTek — und die Kritik am Konstrukt lässt nicht lange auf sich warten.
Der Deal deckt rund 90 Prozent einer Offshore-Anleihe ab, die MediaTek als größte ihrer Art in der taiwanischen Kapitalmarktgeschichte bezeichnet. Auch Google-Mutter Alphabet beteiligte sich, ohne die Summe zu nennen. Nvidia kauft dabei Nullkupon-Anleihen: MediaTek zahlt keine Zinsen, solange niemand zu einem festen Kurs wandelt — steigt die MediaTek-Aktie, profitiert Nvidia von der Kursentwicklung, ganz ohne Übernahme.
Der Zirkularitäts-Vorwurf
Genau hier setzt die Kritik an. Nvidia verkauft Chips, finanziert den Käufer und profitiert erneut, wenn dessen Aktie steigt — weil der Käufer mehr Chips kauft. CEO Jensen Huang wies den Vorwurf der Zirkularfinanzierung gegenüber Bloomberg TV zurück und verwies auf getrennte Geschäftsmodelle. Die 3,5 Milliarden Dollar entsprechen etwa 3,6 Prozent des Quartalsumsatzes von 96,2 Milliarden Dollar, den Nvidia für den Zeitraum bis Ende Juli auswies.
Strategisch ergibt der Schritt trotzdem Sinn. MediaTek treibt ein eigenes Geschäft mit anwendungsspezifischen KI-Beschleunigern (ASICs) voran und erwartet daraus in diesem Jahr über zwei Milliarden Dollar Umsatz. Der adressierbare Markt soll bis 2027 auf 80 Milliarden Dollar wachsen — MediaTek zielt inzwischen auf 15 bis 20 Prozent Marktanteil, mehr als noch vor kurzem angepeilt.
Mit der Investition sichert sich Nvidia Zugang zu einem zweiten großen ASIC-Anbieter, während Kunden wie Google und OpenAI zunehmend auf Broadcom-Chips als Alternative zu Nvidias GPUs setzen. MediaTeks erster ASIC soll im vierten Quartal 2026 in die Massenproduktion gehen.
CUDA statt Patente
Ein aktueller Patentbericht zur Halbleiterbranche liefert dazu einen bemerkenswerten Kontrapunkt. Trotz seiner Marktdominanz hält Nvidia nur 49 Halbleiterpatente mit „GPU“ im Titel — Platz sieben im Branchenvergleich.
Bei Inferenzchips landet der Konzern sogar nur auf Rang 15, weit hinter IBM, Samsung oder Intel. Der eigentliche Wettbewerbsvorteil liegt laut Bericht nicht in der Hardware, sondern im CUDA-Softwareökosystem, das Nvidia bereits 2006 eingeführt hat.
Parallel wächst das Engagement in der KI-Infrastruktur auch über Kapitalbeteiligungen. SB Energy, das Rechenzentren für OpenAI baut und von Nvidia, Softbank und OpenAI unterstützt wird, hat einen Börsengang beantragt.
Nvidia hatte im August eine Finanzierungszusage über 105 Milliarden Dollar für ein OpenAI-Rechenzentrum in Ohio gegeben, das SB Energy errichten soll. Für die erste Jahreshälfte 2026 wies SB Energy einen Nettoverlust von rund 3,2 Milliarden Dollar aus — bei operativen Erlösen von lediglich 139 Millionen Dollar, überwiegend aus dem klassischen Energiegeschäft.
Die MediaTek-Beteiligung und das SB-Energy-Engagement zeigen ein Muster: Nvidia sichert sich über Kapital nicht nur Absatzkanäle, sondern auch Zugriff auf Wachstumsfelder jenseits des eigenen Chipgeschäfts.
Wie belastbar dieses Geflecht aus Lieferant, Investor und Kunde in der nächsten Bewertungsrunde bleibt, dürfte sich spätestens beim geplanten SB-Energy-Börsengang zeigen, für den laut Berichten ein Emissionsvolumen zwischen fünf und sieben Milliarden Dollar im Raum steht.
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