Nvidia, Anleihen, Samsung: Märkte am Limit

Steigende Anleiherenditen, ein drohender Samsung-Streik und Nvidias Quartalszahlen setzen die globalen Märkte massiv unter Druck.

Felix Baarz ·
Nvidia, Anleihen, Samsung: Märkte am Limit

Kurz zusammengefasst

  • US-Anleiherenditen auf Mehrjahreshochs
  • Nvidia-Quartal mit Spannung erwartet
  • Samsung-Streik bedroht Chipversorgung
  • Geopolitische Spannungen belasten Märkte

Selten standen Märkte unter so vielen simultanen Druckpunkten wie an diesem Mittwoch. Steigende Anleiherenditen auf Mehrjahreshöchstständen, ein drohender Samsung-Streik mit globalen Folgen für die Chipversorgung – und mittendrin Nvidia, dessen Quartalsergebnisse die Märkte in die eine oder andere Richtung reißen könnten.

Anleiherenditen als Spielverderber

Das eigentliche Nervenzentrum des Tages ist der Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte auf 4,687 Prozent – ein 16-Monats-Hoch. Noch besorgniserregender: Die 30-jährige Rendite stieg auf 5,198 Prozent, ein Niveau zuletzt gesehen im Jahr 2007. Auch in Europa und Japan verkauften Investoren länger laufende Staatsanleihen; die deutsche Bundesanleihe mit zehn Jahren Laufzeit erreichte kurzzeitig ein 15-Jahres-Hoch.

Treiber dieser Bewegung ist die Sorge vor einem anhaltenden Inflationsschub durch den Iran-Krieg. Die faktische Schließung der Straße von Hormus hält die Ölpreise auf erhöhtem Niveau – Brent-Rohöl notiert trotz eines leichten Tagesrückgangs von zwei Prozent noch immer über 111 Dollar je Barrel. Mohit Kumar, Chefökonom für Europa bei Jefferies, rät Kunden bereits, längerlaufende Anleihen zu meiden: „Selbst wenn wir in einem dauerhaften ‚Weder Krieg noch Frieden‘-Szenario verbleiben, wären die negativen Auswirkungen auf Ölpreise und Inflation erheblich.“

Für Aktien bedeutet das wachsenden Gegenwind. Steigende Renditen verteuern Kredite und erhöhen den Abzinsungsfaktor für künftige Unternehmensgewinne – eine Formel, die zyklische Wachstumswerte besonders hart trifft.

Der Nvidia-Moment

Genau in diesem Umfeld präsentiert Nvidia seine Ergebnisse für das erste Quartal. Die Erwartungen sind schwindelerregend: Analysten rechnen im Median mit einem Umsatzsprung von knapp 80 Prozent auf rund 79 Milliarden Dollar. Optionsmärkte preisen eine Kursbewegung von bis zu 350 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung in beide Richtungen ein – ein Hinweis darauf, wie viel an diesem einen Abend auf dem Spiel steht.

Die strategische Frage dahinter ist nicht trivial: Kann Nvidia seine Dominanz halten, während sich die Halbleiterbranche von der Trainingsphase von KI-Systemen zur sogenannten Inferenz verschiebt? Konkurrenten wie Intel, AMD und Alphabets Google bauen ihre Kapazitäten in diesem Segment gezielt aus. IG-Analyst Tony Sycamore bremst die Euphorie: „Nvidia könnte die Erwartungen übertreffen – aber ich glaube nicht, dass es noch in der Lage ist, alle schocklos zu überrumpeln wie früher.“

Hedgefonds scheinen zumindest teilweise in diese Richtung zu denken. Laut dem Datendienst Hazeltree ging der Anteil der Fonds mit Nvidia-Longpositionen im April um 4,5 Prozent zurück. Der Chip-Titel bleibt dennoch das meistgehaltene Long in der Halbleiterbranche, gefolgt von Broadcom und Lam Research. Nvidia ist weiterhin Pflichtbestandteil vieler Portfolios – aber das blinde Vertrauen der vergangenen Jahre scheint leiser zu werden.

Samsung als Risikofaktor für globale Chipversorgung

Was den Druck auf den Halbleitersektor verstärkt: Rund 48.000 Samsung-Mitarbeiter wollen ab Donnerstag für 18 Tage in den Streik treten. Samsung ist der weltgrößte Hersteller von Speicherchips – und der Zeitpunkt könnte kaum ungünstiger sein. Der KI-Boom hat ohnehin Engpässe in der Chip-Lieferkette erzeugt.

Südkoreas Regierung erwägt einen Notfall-Schlichtungsbefehl, der in der modernen Geschichte des Landes erst viermal eingesetzt wurde. Ein solcher Befehl würde den Streik für 30 Tage aussetzen und beide Seiten an den Verhandlungstisch zwingen. Kommt er nicht, drohen Samsung Tagesverluste von bis zu einer Billion Won – umgerechnet rund 665 Millionen Dollar. Im schlimmsten Szenario könnten 0,5 Prozentpunkte vom prognostizierten Wirtschaftswachstum Südkoreas abgehen. Samsung-Aktien gaben zeitweise um 4,4 Prozent nach, schlossen aber nahezu unverändert.

Geopolitik als Querschläger

Über allem schwebt die geopolitische Lage. Trump signalisierte zwar, einen Angriff auf Iran vorerst zurückgestellt zu haben – ließ aber offen, ob ein erneuter Schlag folgen würde. Zwei chinesische Öltanker durchquerten am Mittwoch die Straße von Hormus, was als vorsichtiges Zeichen der Entspannung gewertet wurde, auch wenn Brent-Futures um zwei Prozent nachgaben. Solche Hoffnungen hatten sich in der Vergangenheit jedoch wiederholt als trügerisch erwiesen.

In Peking empfing Xi Jinping währenddessen Wladimir Putin – wenige Tage nach Trumps Besuch in China. Und in Tokio stärkte US-Finanzminister Scott Bessent indirekt der Bank of Japan den Rücken, die an ihrem Juni-Meeting über eine Zinserhöhung auf ein Prozent nachdenkt. Marktpreise sehen eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent für diesen Schritt – ein Signal, das den Yen stützen, aber gleichzeitig die ohnehin angespannten globalen Anleihemärkte weiter belasten könnte.

Zwischen Erholung und Eskalation

Europäische Aktien zeigten sich im Tagesverlauf leicht erholt. Der leichte Rückgang der deutschen Zehnjahresrendite auf 3,17 Prozent sorgte für etwas Entlastung. Asiatische Märkte hingegen verbuchen den vierten Verlustag in Folge: Der Nikkei fiel um 1,6 Prozent, der südkoreanische Kospi um zwei Prozent.

Gold notierte auf einem Sechswochentief bei rund 4.463 Dollar je Unze. Der Dollar behauptete sich nahe einem Sechswochenhoch gegenüber einem Währungskorb – was zeigt, wohin Kapital in unsicheren Zeiten fließt.

Die Nvidia-Zahlen werden der erste echte Test sein, ob starke Unternehmensgewinne ausreichen, um die Märkte über gestiegene Zinsen hinwegzutragen. Die Antwort könnte die Richtung für den gesamten Tech-Sektor in den kommenden Wochen vorgeben.

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