Nvidia nach dem Rekordquartal: Hält die Rally, wenn der Speicher-Engpass zuschlägt?

Nvidia übertrifft die Prognosen und stellt 108 Milliarden Dollar Umsatz im dritten Quartal in Aussicht, während Speicherknappheit Risiken schafft.

Dieter Jaworski ·
Abstrakte Darstellung einer modernen Halbleiterfertigung mit Fokus auf Technologie und industrielles Wachstum. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Rechenzentrumsgeschäft wächst um 117 Prozent
  • Drittes Quartal mit 108 Milliarden Dollar
  • Speicherknappheit begrenzt den Kapazitätsausbau
  • AWS erhält zwei Millionen zusätzliche GPUs

Ausgangslage

Nvidia hat mit den Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2026 die Erwartungen übertroffen: Die Rechenzentrumssparte legte um 117 Prozent auf 89 Milliarden Dollar zu. Für das dritte Quartal stellte das Unternehmen einen Umsatz von 108 Milliarden Dollar plus/minus 2 Prozent in Aussicht – deutlich über der zuvor von Analysten erwarteten Marke von 104,19 Milliarden Dollar.

Das Management sprach zudem von einem erwarteten Umsatzwachstum von rund 70 Prozent im Geschäftsjahr 2028 und untermauerte damit die These eines anhaltenden KI-Superzyklus. Reuters berichtete, dass die Aktie nach der Vorlage kräftig zulegte, weil die Zahlen und der Ausblick Anleger in ihrer Erwartung an die KI-Nachfrage bestätigten.

Zugleich mehren sich Signale, dass die Lieferkette an ihre Grenzen stößt. Nvidia räumte ein, dass Engpässe bei Speicherkomponenten das Tempo begrenzen, mit dem das Unternehmen seine Kapazitäten ausweiten kann. Medienberichten zufolge verteuern sich dadurch bereits Serversysteme mit Nvidia-Chips um mehr als 15 Prozent, wirksam für Systeme, die Anfang kommenden Jahres ausgeliefert werden.

Diese Gemengelage aus Rekordnachfrage und materiellen Produktionsgrenzen bestimmt, wie belastbar die aktuelle Kursverfassung ist: Der Titel schloss am Freitag bei 187,78 Euro, ein Minus von 4,1 Prozent auf Tagesbasis – ein Dämpfer trotz starker Fundamentaldaten, der zeigt, wie nervös der Markt auf jede Unsicherheit reagiert.

Die entscheidende Frage

Im Zentrum steht die Frage, ob Nvidia die Speicher-Engpässe schnell genug lösen kann, um die für 2028 in Aussicht gestellte Wachstumsrate von 70 Prozent tatsächlich zu liefern. Jede Verzögerung bei Komponenten verzögert Auslieferungen, verteuert Systeme und könnte Kunden zwingen, Bestellungen zu strecken.

Gleichzeitig hat Nvidia mit der Ausweitung der Partnerschaft mit Amazon Web Services – zwei Millionen zusätzliche GPUs sollen 2027 und 2028 in der globalen AWS-Infrastruktur verbaut werden – gezeigt, dass die Nachfrageseite intakt bleibt. Die kritische Variable ist also nicht die Nachfrage, sondern die Fähigkeit, sie physisch zu bedienen.

Bullisches Szenario

Setzt sich die Nachfrage aus Cloud-Anbietern und Großkunden wie AWS fort, dürfte Nvidia die Produktionsengpässe über Zeit durch Kapazitätsausbau bei Zulieferern kompensieren.

Die Prognose von 108 Milliarden Dollar für das dritte Quartal, verglichen mit dem vorab erwarteten Konsens von 104,20 Milliarden Dollar, deutet darauf hin, dass das Unternehmen selbst unter aktuellen Engpässen noch Wachstumsspielraum sieht.

Sollte sich die Preissetzungsmacht bei Serverherstellern als Signal für ungebrochene Nachfrage bestätigen statt als Belastung, könnte der Markt die aktuelle Kursschwäche als Kaufgelegenheit interpretieren.

Auch die milliardenschwere Finanzierungszusage für OpenAI – Nvidia garantiert laut Reuters bis zu 105 Milliarden Dollar für ein Rechenzentrums-Leasing in Ohio – signalisiert, dass Nvidia bereit ist, mit eigener Bilanz künftige Nachfrage abzusichern.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt in der Kombination aus Lieferkettenproblemen und einem sich verändernden Finanzierungsmodell. Nvidia hat einige Deals im Rahmen seiner neuen Finanzierungsinitiative pausiert, mit der das Unternehmen KI-Cloud-Anbietern gegen einen Anteil am Umsatz Kreditunterstützung anbietet.

Das Geschäftsmodell bleibe zwar grundsätzlich bestehen, so das Unternehmen, doch die Pause wirft Fragen auf, wie tragfähig diese Finanzierungsarchitektur ist, wenn Kapazitätsengpässe die operative Umsetzung erschweren.

Verschärfen sich die Speicherengpässe weiter, drohen höhere Serverpreise die Nachfrage bei preissensiblen Kunden zu dämpfen – ein Szenario, das die für 2028 in Aussicht gestellte Wachstumsrate von 70 Prozent infrage stellen könnte.

Optionsmärkte hatten laut Reuters vor der Zahlenvorlage eine Kursbewegung von 5,4 Prozent eingepreist, ein Hinweis auf das strukturell hohe Ereignisrisiko rund um jede Nvidia-Meldung.

Ausblick

Solange Nvidia die Speicherengpässe als temporäres Produktionsproblem darstellen kann, ohne dass Kunden Bestellungen stornieren, bleibt das bullische Szenario intakt – gestützt durch die Ausweitung der AWS-Partnerschaft und die optimistische Umsatzprognose fürs dritte Quartal.

Kippt die Situation jedoch, etwa weil sich Serverpreissteigerungen von mehr als 15 Prozent auf die Bestellmengen niederschlagen oder weitere Finanzierungsdeals ausgesetzt werden müssen, dürfte der Markt die Wachstumsstory neu bewerten.

Der nächste konkrete Prüfstein ist die Umsatzentwicklung im dritten Quartal, für die Nvidia die Marke von 108 Milliarden Dollar in Aussicht gestellt hat – ein Wert, an dem sich zeigen wird, ob die Engpässe eingepreist waren oder unterschätzt wurden.

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