Nvidia verhandelt über Hugging-Face-Kauf

Nvidia soll Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar übernehmen wollen. Eine Unterzeichnung steht noch aus, während die Aktie nachgibt.

Andreas Sommer ·
Abstrakte Darstellung einer modernen Server-Infrastruktur und künstlicher Intelligenz in einem Rechenzentrum. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Größter Nvidia-Zukauf bislang möglich
  • Vereinbarung mit Hugging Face unbesiegelt
  • Sechs Milliarden Dollar für Poolside-Software
  • Aktie verliert 4,1 Prozent

Nvidia arbeitet Medienberichten zufolge an der bislang größten Übernahme seiner Firmengeschichte. Der Chip-Konzern soll sich mit Hugging Face auf einen Kauf für 12,9 Milliarden Dollar geeinigt haben, wie das Fachmedium The Information berichtete. Eine unterschriebene Vereinbarung liegt demnach noch nicht vor, der Deal könnte noch platzen.

Hugging Face betreibt eine offene Plattform, auf der Entwickler KI-Modelle bauen, testen und verbreiten. Ein Zukauf würde Nvidias Geschäft über die reine Chip-Fertigung hinaus in Richtung Software- und Modell-Ökosystem ausweiten. Sollte die Transaktion zustande kommen, würde sie fast doppelt so viel kosten wie die Mellanox-Übernahme aus dem Jahr 2020 und wäre damit der größte Zukauf in Nvidias Geschichte.

Zweite Milliardenwette binnen weniger Tage

Die mögliche Hugging-Face-Übernahme reiht sich in eine Serie von Investitionen ein, mit denen Nvidia sein Software- und Modell-Geschäft stärkt. Erst am 21. August hatte das Unternehmen bekanntgegeben, für 6 Milliarden Dollar die KI-Entwicklungssoftware Model Factory von Poolside zu lizenzieren.

Zusätzlich fließt eine Milliarde Dollar als Investment in Poolside, bewertet mit 12 Milliarden Dollar vor der Kapitalzufuhr. Nvidia macht zudem 109 Poolside-Mitarbeitern ein Jobangebot. Auch diese Vereinbarung bestätigte Bloomberg im August.

Beide Deals zusammen zeigen, wie aggressiv Nvidia derzeit in vor- und nachgelagerte Bereiche der KI-Wertschöpfungskette investiert – vom Software-Ökosystem bis zur Modellentwicklung. Für Anleger bedeutet das: Der Konzern verlässt sich nicht mehr allein auf Hardware-Umsätze, sondern baut parallel Abhängigkeiten und Kontrolle über die Softwareschicht auf, die auf seinen Chips läuft.

Kursreaktion folgt auf starkes Quartal

Die Nachrichtenlage trifft auf einen Markt, der gerade erst ein Rekordquartal verdaut hat. Am Freitag gab die Aktie um 4,1 Prozent nach und schloss bei 187,78 Euro. Auf Wochensicht steht dennoch ein Plus von 5,1 Prozent zu Buche, binnen 30 Tagen sind es 7,7 Prozent.

Der Kurs notiert damit weiterhin 7,3 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, gleichzeitig aber deutlich über dem 200-Tage-Durchschnitt von 168,76 Euro.

Der jüngste Rücksetzer lässt sich als Gewinnmitnahme nach einer kräftigen Rally einordnen: Ein starker Handelstag zuvor hatte rechnerisch rund 441,5 Milliarden Dollar an Marktwert geschaffen, der Rückgang am Freitag löschte davon knapp 41 Prozent wieder aus. Die unbestätigte Hugging-Face-Meldung dürfte diese Konsolidierung zusätzlich befeuert haben, da Anleger Klarheit über Preis und Struktur einer möglichen Mega-Übernahme abwarten.

Kapitalrückflüsse trotz Investitionsoffensive

Trotz der milliardenschweren Zukäufe hält Nvidia an seiner Ausschüttungspolitik fest. Im vergangenen Quartal flossen 26 Milliarden Dollar in Aktienrückkäufe und Dividenden, nachdem das Unternehmen im Mai ein zusätzliches Rückkaufprogramm über 80 Milliarden Dollar autorisiert hatte. Zudem zahlt Nvidia eine Quartalsdividende von 25 Cent je Aktie.

Die Kombination aus aggressiver Zukaufsstrategie und fortgesetzten Kapitalrückflüssen unterstreicht, wie viel freien Cashflow der Konzern derzeit generiert – und wie sehr Anleger die Bilanzstärke als Rückendeckung für die geplanten Übernahmen werten dürften, sollte sich die Hugging-Face-Meldung bestätigen.

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