Nvidia vor dem 26. August: Wird die Nachfrage die Bilanz tragen?
Nvidia-Aktie erholt sich vor Q2-Zahlen am 26. August. Analysten streiten über Nachfragequalität, während Short-Seller Michael Burry auf fallende Kurse setzt.
Kurz zusammengefasst
- Kurserholung vor Quartalsbericht
- Burry wettet gegen Nvidia
- Partnerschaften stärken Wachstumsstory
- China-Geschäft bleibt Risikofaktor
Ausgangslage: Rally vor der Bilanz
Nvidia-Aktien haben sich zuletzt kräftig erholt. Am Donnerstag schloss das Papier bei 189,82 Euro, binnen sieben Handelstagen ging es um 9,02 Prozent nach oben. Zum 52-Wochen-Hoch aus dem Mai fehlen dennoch noch 6,26 Prozent. Der Grund für die Bewegung: Anleger positionieren sich vor dem 26. August, wenn Nvidia nach US-Börsenschluss die Zahlen zum zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vorlegt – für den am 26. Juli 2026 abgeschlossenen Berichtszeitraum. Die Erwartungen sind hoch. Im ersten Quartal hatte der Chipkonzern einen Rekordumsatz von 81,6 Milliarden US-Dollar gemeldet, getrieben von einem Wachstum des Rechenzentrumsgeschäfts um 92 Prozent, das damit inzwischen 92 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Für das zweite Quartal wird ein Umsatz von rund 91 Milliarden Dollar erwartet. Genau diese Fortsetzung des Wachstumstempos steht nun auf dem Prüfstand.
Die entscheidende Frage
Im Kern dreht sich die Debatte um eine einzige Frage: Speist sich Nvidias KI-Nachfrage überwiegend aus echten Endkunden – oder zu einem erheblichen Teil aus Finanzierungskonstrukten, die außerhalb der Bilanzen liegen? Investor Michael Burry von Scion Asset Management hat genau diesen Punkt zur Grundlage seiner Short-Wette gemacht. Er argumentiert, ein sehr erheblicher Teil der aktuellen und künftigen Nachfrage nach Nvidia-Chips werde nicht von echten Endkunden getragen, sondern über zirkuläre Finanzierungsarrangements abgesichert, die außerbilanziell blieben – unter Berufung auf den Jahresbericht 2026 der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Bestätigt oder widerlegt wird diese These letztlich durch die Auftragsqualität, die sich in der Guidance zum 26. August zeigen muss.
Bullisches Szenario
Für die Bullen sprechen mehrere frische Datenpunkte. Ende Juli verkündeten Nvidia und Ilya Sutskevers Startup Safe Superintelligence eine langfristige strategische Partnerschaft, in deren Rahmen Nvidia zusätzlich in SSI investiert – Bloomberg bezifferte die Summe auf 5 Milliarden Dollar, offiziell hat Nvidia den Betrag nicht bestätigt. Das Investment soll SSI über den Zugang zur kommenden Vera-Rubin-Plattform eine um eine Größenordnung höhere Rechenleistung ermöglichen. Parallel dazu weitete Nvidia seine Präsenz in Südkorea aus: Mit SK Group vereinbarte der Konzern eine strategische Kooperation rund um KI-Fabriken und Speichertechnologie der nächsten Generation, mit Naver und Brookfield eine ähnliche Initiative zum Ausbau der nationalen KI-Infrastruktur. Zusätzlich unterzeichnete Corvex einem Bericht zufolge eine mehrjährige Liefervereinbarung für Nvidias Blackwell-GPUs. Auch bei institutionellen Investoren gibt es positive Signale: Ark-Invest-Chefin Cathie Wood soll ihre Nvidia-Position ausgebaut haben, während Fisher Asset Management seinen Bestand ebenfalls aufstockte. Diese Bewegungen deuten darauf hin, dass ein Teil der Anlegerschaft die Wachstumsstory trotz der Kritik weiter für intakt hält.
Bärisches Szenario
Die Risikoseite ist ebenso konkret. Burry hält an seiner Short-Position fest und hat sie zuletzt sogar ausgebaut – über den Kauf von Put-Optionen mit Laufzeit Januar 2027 und einem Basispreis von 115 Dollar, erworben für 3,30 Dollar je Kontrakt. Bemerkenswert: Von sieben Short-Wetten gegen vermeintliche KI-Gewinner ist laut Burry ausgerechnet jene gegen Nvidia diejenige, die bislang nicht aufgeht – ein Hinweis darauf, dass der Markt seiner These aktuell nicht folgt. Dennoch bleibt das China-Geschäft ein wunder Punkt: Berichten zufolge stehen dort weiterhin bis zu 5 Milliarden Dollar an Umsatz auf dem Spiel, die eine einzelne politische Kursänderung auslöschen könnte. Erst nach direktem Engagement von Nvidia-CEO Jensen Huang mit Präsident Trump hatte das US-Handelsministerium H200-Verkäufe nach China unter bestimmten Bedingungen und mit einem Zoll von 25 Prozent erlaubt – ein fragiler Kompromiss, kein dauerhaft gesicherter Zustand. Hinzu kommt, dass Insider Berichten zufolge in den vergangenen drei Monaten Aktien im Wert von rund 410 Millionen Dollar verkauft haben, während der Kurs anzog. Auch die 13F-Meldungen zeichnen ein gemischtes Bild: Suncoast Equity und Progressive Investment Management bauten ihre Nvidia-Positionen ab. Langfristig kommt ein strukturelles Risiko hinzu: Reuters berichtete, Anthropic baue ein eigenes Chipdesign-Team für seine Claude-Modelle auf – ein mögliches Signal, dass selbst enge Partner künftig auf eigene Hardware setzen könnten.
Ausblick
Solange das Rechenzentrumsgeschäft sein Tempo hält und die für den 26. August erwartete Umsatzmarke von rund 91 Milliarden Dollar erreicht oder übertroffen wird, dürfte die Aktie ihren Erholungskurs fortsetzen und sich weiter an das Mai-Hoch herantasten. Verfehlt die Guidance die Erwartungen, verschärft sich die China-Unsicherheit erneut, oder mehren sich Belege für Burrys These der zirkulären Finanzierung, würde das der bärischen Lesart neues Gewicht verleihen. Der nächste konkrete Prüfstein ist unausweichlich: der Quartalsbericht am 26. August, wenn Nvidia um 14 Uhr Pacific Time seine Zahlen zum zweiten Geschäftsquartal 2027 vorlegt und damit die Antwort auf die entscheidende Frage liefern muss.
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