Nvidia vor den Zahlen: Entscheidet die Kombination aus Rekordumsatz und Milliarden-Finanzierungen über die nächste Kursphase?

Nvidia präsentiert Q2-Zahlen mit Umsatzerwartung von 92 Mrd. USD. Analysten prüfen Tragfähigkeit der 500-Mrd.-Infrastrukturpartnerschaften und Restwertgarantien.

Felix Baarz ·
Nvidia Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Umsatzprognose: 91,96 Mrd. USD
  • 500 Mrd. USD KI-Infrastruktur-Partnerschaften
  • Restwertgarantie bis 105 Mrd. USD
  • Aktie 8% unter Jahreshoch

Ausgangslage

Nvidia legt am heutigen Freitag nach Handelsschluss die Quartalszahlen für das zweite Fiskalquartal 2027 vor. Der Konsens erwartet einen Gewinn von 2,09 US-Dollar je Aktie bei einem Umsatz von rund 91,96 Milliarden US-Dollar.

Diese Zahlen fallen in eine Phase, in der Nvidia sein Geschäftsmodell über den reinen Chipverkauf hinaus erweitert: Erst vor gut zwei Wochen kündigte das Unternehmen gemeinsam mit Apollo, BlackRock, Blackstone, Brookfield, Goldman Sachs und KKR Partnerschaften an, die mehr als 500 Milliarden US-Dollar an Drittkapital für KI-Infrastruktur mobilisieren sollen.

Kurz darauf folgte eine weitere Vereinbarung mit SB Energy, einer Tochter von SoftBank, für den Ausbau des PORTS-Pike-Technologiecampus in Ohio, bei dem Nvidia als exklusiver Compute-Anbieter auftritt und OpenAI als Hauptmieter über einen 20-jährigen Vertrag vorgesehen ist.

Die Aktie notiert aktuell bei 186,32 Euro und liegt damit rund 8,0 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 202,50 Euro, das Nvidia im Mai erreicht hatte. Der Zeitpunkt der Zahlen fällt somit in eine Konsolidierungsphase, in der der Markt die Substanz hinter den milliardenschweren Finanzierungsankündigungen überprüfen dürfte.

Die entscheidende Frage

Im Zentrum steht, ob Nvidia nicht nur die Umsatzerwartung von knapp 92 Milliarden US-Dollar erfüllt, sondern auch glaubhaft macht, dass die neuen Finanzierungskonstrukte tragfähig sind, ohne die eigene Bilanz übermäßig zu belasten.

Nvidia hat sich im Rahmen der Ohio-Partnerschaft zu einer Investition von 1,5 Milliarden US-Dollar in SB Energy verpflichtet und stellt zusätzlich eine Kreditabsicherung in Form einer Restwertgarantie bereit, die auf 105 Milliarden US-Dollar gedeckelt ist.

Solche Garantien binden künftiges Kapital und Risiko an die Bilanz, auch wenn sie zunächst nur im Bedarfsfall greifen. S&P Global Ratings bestätigte am 18. August das „AA“-Emittentenrating mit stabilem Ausblick und bewertete die Auswirkung dieser neuen Restwertgarantien auf die Kreditkennzahlen als moderat.

Ob diese Einschätzung nach den Quartalszahlen und angesichts der wachsenden Zahl solcher Verpflichtungen Bestand hat, dürfte für die mittelfristige Bewertung der Aktie mindestens so wichtig sein wie die reine Umsatzzahl.

Bullisches Szenario

Übertrifft Nvidia die Umsatzerwartung von rund 92 Milliarden US-Dollar und liefert eine Guidance, die den Hochlauf der Blackwell-Ultra-Chips sowie das CPU-Geschäft bestätigt, dürfte dies als Beleg gewertet werden, dass die milliardenschweren Infrastrukturwetten auf realer Nachfrage fußen statt auf reiner Kapitalzirkulation.

Die Kombination aus Rekorderlösen und einem funktionierenden Finanzierungsnetzwerk mit Partnern wie BlackRock oder Blackstone würde das Argument stärken, dass Nvidia branchenweite KI-Investitionen strukturell absichert, statt sie nur zu beliefern. In diesem Fall könnte die Aktie den Abstand zum bisherigen Jahreshoch verkürzen, das sie 8,0 Prozent über dem aktuellen Kurs markiert hatte.

Auch die Bestätigung des „Aa1“-Ratings mit positivem Ausblick durch Moody’s im Zuge der Finanzierungsankündigungen liefert ein Argument dafür, dass Ratingagenturen die zusätzlichen Verpflichtungen bislang nicht als Risiko für die Bonität einstufen.

Bärisches Szenario

Das Risiko liegt weniger im Umsatz selbst als in der wachsenden Komplexität der Bilanzverpflichtungen. Die auf 105 Milliarden US-Dollar gedeckelte Restwertgarantie für den Ohio-Campus sowie ähnliche Konstrukte binden Nvidia langfristig an den wirtschaftlichen Erfolg von Rechenzentren, deren Auslastung von der KI-Nachfrage Dritter abhängt.

Sollte diese Nachfrage hinter den Erwartungen zurückbleiben, träfe das Risiko nicht nur die Partner, sondern auch Nvidia selbst. Hinzu kommt juristischer Gegenwind: Mitte August wurde eine Aktionärsklage gegen den Nvidia-Verwaltungsrat eingereicht, die den Vorwurf erhebt, das Gremium habe wissentlich zugelassen, dass KI-Modelle mit raubkopiertem Material und biometrischen Daten ohne Zustimmung trainiert wurden.

Der Ausgang dieses Verfahrens ist offen, es handelt sich um eine Klage, kein Urteil. Zusätzlich belastete zuletzt der Fall von Super Micro Computer das Sentiment rund um Lieferketten für Nvidia-Chips nach China, auch wenn eine interne Untersuchung dort das aktuelle Management entlastete. Die Volatilität der Aktie von 36 Prozent auf Jahresbasis spiegelt diese Unsicherheit wider.

Ausblick

Solange Nvidia die Wachstumserwartungen bei Umsatz und Guidance erfüllt und die Ratingagenturen die neuen Finanzierungskonstrukte als bilanziell verkraftbar einstufen, dürfte die Aktie ihren mittelfristigen Aufwärtstrend fortsetzen können, den sie seit dem Jahrestief im September bereits mit einem Plus von 33 Prozent belegt hat.

Kippt hingegen die Wahrnehmung der Restwertgarantien von einer moderaten zu einer relevanten Bilanzbelastung, oder belastet die Aktionärsklage das Vertrauen in die Unternehmensführung stärker als bislang erwartet, droht eine Neubewertung der Risikoprämie.

Der nächste konkrete Prüfstein ist der heutige Zahlenausweis selbst, gefolgt von der Reaktion der Ratingagenturen und Marktbeobachter auf die tatsächliche bilanzielle Tragweite der milliardenschweren Infrastrukturzusagen.

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