Nvidia vor Quartalszahlen, Marvell auf Rekordhoch — fünf Chipwerte im Realitätscheck

Fünf Halbleiteraktien nahe ihrer Jahreshöchststände. KI-Investitionen treiben die Rally, während geopolitische Risiken den Sektor spalten.

Felix Baarz ·

Kurz zusammengefasst

  • Nvidia vor Quartalszahlen am 20. Mai
  • Infineon stärkster DAX-Wert 2026
  • SK Hynix vor Billionen-Dollar-Bewertung
  • Marvell auf Allzeithoch dank Google-Gerüchten

Fünf Halbleiter-Aktien notieren nahe ihrer Jahreshöchststände, drei davon haben sich seit Jahresbeginn verdoppelt. Hinter der Rally stecken milliardenschwere KI-Investitionen der Hyperscaler — aber auch wachsende geopolitische Risiken, die den Sektor in Gewinner und Verwundbare spalten.

Nvidia: 78 Milliarden Dollar Umsatz als nächste Hürde

Am kommenden Mittwoch, dem 20. Mai, legt Nvidia seine Quartalszahlen für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor. Die Erwartungen der Wall Street sind enorm: Analysten rechnen mit einem Umsatz von rund 78,8 Milliarden Dollar und einem Gewinn je Aktie von 1,76 Dollar. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal lag der Umsatz noch bei 44 Milliarden Dollar.

Die Aktie notiert bei 200,05 Euro — ein Rückgang von 0,50 % zum Vortag, aber knapp 24 % über dem Jahresstart. Nvidias Börsenwert bewegt sich inzwischen bei 5,5 Billionen Dollar. Damit ist der Chipkonzern das zweitwertvollste Unternehmen der Welt.

Neben den reinen Zahlen dürfte vor allem der Ausblick auf die Vera-Rubin-Plattform den Kurs bewegen. CEO Jensen Huang bezifferte die Bestellungen für Blackwell und Vera Rubin auf GTC 2026 auf „mindestens eine Billion Dollar bis 2027″ — das Doppelte der Vorjahresschätzung. Jedes Signal zum Zeitplan des Generationswechsels von Blackwell zu Rubin wird genau seziert werden.

Ein weiterer Katalysator: die mögliche Wiederöffnung des chinesischen Marktes. Die US-Regierung hat offenbar den Verkauf von Nvidias H200-Chips an zehn chinesische Technologieunternehmen genehmigt. Huang befand sich zuletzt als Teil einer US-Handelsdelegation in Peking. Sollte der Zugang zum chinesischen Markt tatsächlich wieder breiter werden, könnte das den Jahresumsatz um geschätzt 23 % steigern.

BofA-Analyst Vivek Arya hob sein Kursziel auf 320 Dollar an und verwies auf die Quartalszahlen, die Computex-Messe im Juni und den Rubin-Start als dreifachen Katalysator. Susquehanna zog auf 275 Dollar nach. Insgesamt stufen 40 von 42 Analysten die Aktie als Kauf ein.

Infineon: Stärkster DAX-Wert des Jahres mit Schönheitsfehler

Kein DAX-Titel hat 2026 eine vergleichbare Rally hingelegt. Infineon notiert bei 64,48 Euro, ein Plus von knapp 68 % seit Jahresanfang. Allein im letzten Monat legte die Aktie rund 45 % zu. Am Freitag gab der Kurs allerdings 4,69 % nach — eine spürbare Korrektur nach einer Phase extremer Stärke. Der RSI von 70,7 signalisiert, dass die Aktie am oberen Rand des technisch überhitzten Bereichs angekommen ist.

Die Quartalszahlen für das zweite Geschäftsquartal fielen gemischt aus: Der Umsatz wuchs um 6 % gegenüber dem Vorjahr, der Gewinn je Aktie von 0,34 Euro verfehlte die Erwartungen von 0,38 Euro jedoch deutlich. Trotzdem überwiegt bei Analysten der Optimismus. Goldman Sachs sieht ein Kursziel von 75 Euro, JPMorgan hob kürzlich auf 74 Euro an — von zuvor 48 Euro. Von 24 befragten Analysten empfehlen 20 den Kauf.

Der Treiber hinter Infineons Höhenflug ist weniger eine einzelne Produktneuheit als die strukturelle Positionierung. Das Unternehmen ist führend bei Siliziumkarbid- und Galliumnitrid-Technologien, die sowohl für Elektromobilität als auch für KI-Rechenzentren zunehmend gebraucht werden. Eine neu lancierte Startup-Challenge im Bereich humanoider Robotik unterstreicht den Innovationsanspruch.

SK Hynix: Der Weg zur Billionen-Dollar-Bewertung

SK Hynix steht unmittelbar vor einem historischen Meilenstein. Die Marktkapitalisierung lag zuletzt bei rund 948 Milliarden Dollar — die Billionen-Grenze rückt greifbar nah. Die Aktie hat sich seit Jahresanfang nahezu verdreifacht mit einem Plus von knapp 169 %. Am Freitag korrigierte der Kurs um 7,66 % auf 1.819.000 Won.

Die Dominanz im Bereich High Bandwidth Memory (HBM) ist der zentrale Wertfaktor. SK Hynix kontrolliert geschätzt 50 bis 62 % des globalen HBM-Marktes. Rund 90 % der HBM-Produktion fließen direkt an Nvidia. Die Geschäftszahlen des ersten Quartals spiegeln diese Marktmacht wider: 35,5 Milliarden Dollar Umsatz, ein Anstieg von 198 % zum Vorjahr, bei einer operativen Marge von 72 %.

Bemerkenswert ist die Verschiebung im koreanischen Halbleiterduell: Erstmals hat SK Hynix den Konkurrenten Samsung Electronics beim vorwärtsgerichteten Kurs-Gewinn-Verhältnis überholt. Samsung steht zudem unter Druck durch eine angekündigte 18-tägige Gewerkschaftsstreik ab dem 21. Mai, sollte keine Einigung bei den Bonuszahlungen erzielt werden. Analysten sehen SK Hynix als möglichen Profiteur von Nachfrageverlagerungen im Streikfall.

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Goldman Sachs hat die Prognose für die DRAM-Angebotslücke auf 4,9 % angehoben und spricht vom engsten Markt seit 15 Jahren. UBS reagierte mit einer Kurszielerhöhung auf 1,7 Millionen Won. Der CEO von SK Hynix warnt, dass die HBM-Knappheit bis 2027 andauern könnte — manche Analysten rechnen sogar mit 2030, da neue Fertigungskapazitäten vier bis fünf Jahre Vorlauf benötigen.

ASML: Rekordzahlen unter geopolitischem Gegenwind

ASML lieferte im ersten Quartal ein Ergebnis, das auf den ersten Blick kaum Wünsche offenlässt: 8,8 Milliarden Euro Umsatz, 2,8 Milliarden Euro Nettogewinn und eine Bruttomarge von 53 %. Die Jahresprognose wurde auf 36 bis 40 Milliarden Euro angehoben. Starke Nachfrage aus den USA und Europa — getrieben vom KI-Infrastrukturausbau — kompensiert den Rückgang in China.

Und genau dort liegt das Problem. Chinas Anteil am ASML-Umsatz brach innerhalb eines Quartals von 36 % auf 19 % ein. Ursache ist nicht nachlassende Nachfrage, sondern die Verschärfung der Exportkontrollen. Der MATCH Act, ein neues US-Gesetz, zielt darauf ab, auch ältere DUV-Lithografiesysteme für China zu sperren. JPMorgan schätzt, dass eine vollständige Umsetzung den Gewinn je Aktie um bis zu 10 % drücken könnte.

Die Aktie notiert bei 1.315,20 Euro, ein Minus von 3,55 % am Freitag. Seit Jahresanfang steht dennoch ein Plus von 33 % zu Buche. Intern treibt ASML parallel einen Umbau voran: Rund 1.700 Stellen im mittleren Management werden abgebaut, dafür entstehen etwa 1.400 neue Ingenieurspositionen. Das Ziel: flachere Hierarchien und schnellere Entscheidungswege.

Die Analystenlandschaft ist gespalten. Ein namhaftes Institut stufte die Aktie Anfang Mai von Kauf auf Halten herab. Goldman Sachs, Bernstein und Berenberg halten dagegen an ihren Kaufempfehlungen fest. Die Kurszielspanne reicht von 980 bis 1.710 Euro — ein Ausdruck der Unsicherheit, wie stark die Exportpolitik letztlich ins Geschäft eingreift.

Marvell Technology: Allzeithoch dank Google-Gerüchten

Marvell Technology erreichte am Donnerstag ein Allzeithoch bei 192,15 Dollar. Auslöser waren Berichte über eine mögliche Partnerschaft mit Alphabet zur Entwicklung maßgeschneiderter KI-Chips, darunter ein für Inferenz optimierter Tensor-Chip und eine Memory Processing Unit. Eine offizielle Bestätigung steht aus — die Kursreaktion mit einem Tagesplus von knapp 6 % zeigt, wie hoch der Markt das Potenzial einschätzt.

Die Aktie notiert in Euro bei 152,76 und hat sich seit Jahresanfang verdoppelt. Im Rechenzentrumsgeschäft, das 73 % des Gesamtumsatzes ausmacht, wuchs der Umsatz im letzten Quartal um 38 % auf 1,52 Milliarden Dollar.

AMD hat unterdessen seine Beteiligung an Marvell aufgestockt — ein Signal, das in der Branche als strategisches Vertrauensvotum gewertet wird. BofA-Analyst Arya hob das Kursziel auf 200 Dollar an. Goldman Sachs bleibt bei einer neutralen Einstufung, erhöhte aber ebenfalls auf 125 Dollar und sieht Aufwärtspotenzial im Rechenzentrumsgeschäft sowie im optischen Netzwerkbereich.

Am 27. Mai legt Marvell seine Quartalszahlen vor. Investoren werden vor allem nach einer Bestätigung der Alphabet-Kooperation und einem Update zur Investitionsdynamik suchen. 86 % der 50 von Bloomberg erfassten Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf.

KI-Superzyklus trifft auf Exportpolitik — die Bruchlinien im Chipsektor

Fünf Aktien, ein gemeinsamer Nenner: Die vier größten Cloud-Konzerne planen für 2026 Investitionsausgaben von zusammen rund 700 Milliarden Dollar, der Großteil davon für KI-Infrastruktur. Dieses Geld fließt direkt durch die Halbleiter-Wertschöpfungskette.

Die Dynamik im Sektor lässt sich auf drei Kernpunkte verdichten:

  • Nachfrage übersteigt Angebot: HBM-Knappheit bei SK Hynix, ausverkaufte Blackwell-Systeme bei Nvidia, volle Auftragsbücher bei ASML
  • Bewertungen auf Rekordniveau: Nvidia bei 5,5 Billionen Dollar, SK Hynix knapp unter einer Billion, Marvell auf Allzeithoch
  • Geopolitik als größtes Risiko: Der MATCH Act bedroht ASMLs China-Geschäft, während Nvidia gleichzeitig auf eine Marktöffnung in China hofft

Die Halbleiterindustrie steuert auf ein Umsatzvolumen von über 1,3 Billionen Dollar zu — das dritte Jahr in Folge mit zweistelligem Wachstum. Die strukturelle Wachstumsthese bleibt intakt. Aber zwischen den reinen KI-Profiteuren wie Nvidia, SK Hynix und Marvell einerseits und den stärker geopolitisch exponierten Infrastrukturlieferanten wie ASML und Infineon andererseits öffnet sich eine Schere. In den kommenden Wochen werden Nvidias Quartalszahlen und Marvells Ergebnisbericht zeigen, ob die aktuelle Bewertungseuphorie durch Substanz gedeckt ist — oder ob der Sektor eine Atempause braucht.

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Nvidia Aktie

201,80 EUR

+ 8,56 EUR +4,43 %
KGV 46,09
Sektor Technologie
Div.-Rendite 0,02 %
Marktkapitalisierung 5,47 Bio. EUR
ISIN: US67066G1040 WKN: 918422

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