Liebe Leserinnen und Leser,
gestern Abend stellte sich Jensen Huang in San Jose auf die Bühne und sprach eine Zahl aus, die selbst hartgesottene Wall-Street-Veteranen schlucken ließ: 1 Billion US-Dollar Umsatz bis 2027. Noch vor wenigen Monaten lautete Nvidias eigene Prognose 500 Milliarden bis 2026. Verdopplung des Ziels, Verschiebung um ein Jahr – und trotzdem applaudierte das Publikum. Willkommen in einer Welt, in der technologische Versprechen und geopolitische Bruchlinien um die Deutungshoheit über die Zukunft ringen.
Nvidias nächste Eskalationsstufe
Die GTC 2026 war mehr als eine Produktshow. Mit der „Vera Rubin“-Plattform – einem vertikal integrierten System für agentische KI-Inferenz – markiert Nvidia den Übergang von einer entscheidenden Phase in die nächste. Bisher ging es darum, gigantische Sprachmodelle zu trainieren. Jetzt geht es um deren massenhafte Anwendung im Alltag. Durch die Integration der Groq-Technologie verspricht Huang zehnfach höheren Durchsatz bei einem Zehntel der Kosten pro Token.
Das klingt nach Silicon-Valley-Poesie. Die eigentlich brisante Nachricht aber betrifft die physische Welt: Nvidia geht eine Partnerschaft mit dem Energiemanagement-Spezialisten Eaton ein, um die Bauzeit für Gigawatt-Rechenzentren von Jahren auf Monate zu drücken. Huang hat offenbar verstanden, dass die KI-Revolution nicht an fehlenden Algorithmen scheitern wird – sondern am Stromanschluss.
Die Fed zwischen Ölschock und Zinsdruck
Während San Jose in Billionen schwelgt, beginnt in Washington die wohl heikelste Fed-Sitzung seit Monaten. Morgen fällt die Zinsentscheidung. Die Ausgangslage ist toxisch: Brent-Öl notiert zuletzt bei rund 102 US-Dollar pro Barrel, getrieben vom Iran-Konflikt. Ein klassischer Angebotsschock, der die US-Inflation – im Februar noch bei 2,4 Prozent – erneut anfachen könnte.
Gestern schrieb ich Ihnen von der Frage, wie die mächtigste Notenbank der Welt den Balanceakt zwischen Energiepreis-Inflation und systemischen Risiken moderiert. Donald Trump lieferte seine Antwort am Montag lautstark: sofortige Zinssenkung. Die Märkte sehen das anders – mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit preisen sie ein Stillhalten bei 3,50 bis 3,75 Prozent ein. Senkt Powell die Zinsen, gießt er Öl ins inflationäre Feuer. Hält er still, würgt er einen Immobilienmarkt ab, in dem 30-jährige Festhypotheken bereits wieder bei 6,36 Prozent liegen. Kein guter Dienstag, um Fed-Chef zu sein.
Krypto: Short Squeeze, ETF-Zuflüsse und XRPs Comeback
Spekulatives Kapital reagiert auf solche Gemengelagen mit maximaler Nervosität. Bitcoin durchbrach zuletzt kurzzeitig den Widerstand bei 76.000 US-Dollar – nur um scharf auf 74.000 abzuverkaufen. Ein klassischer Short Squeeze mit anschließender Bereinigung: Innerhalb weniger Stunden wurden Short-Positionen im Wert von fast 500 Millionen Dollar liquidiert.
Interessanter als diese Volatilität an der Oberfläche ist das, was darunter passiert. Die Zuflüsse in US-Spot-ETFs bleiben mit knapp 1 Milliarde Dollar in den letzten sechs Tagen bemerkenswert robust. Gestern beschrieb ich Bitcoins Stresstest-Qualitäten in Krisenzeiten – die institutionelle Nachfrage bestätigt dieses Narrativ weiterhin. Und ein alter Bekannter drängt zurück ins Rampenlicht: XRP legte zuletzt über 4 Prozent auf mehr als 1,52 US-Dollar zu und überholte damit BNB. Mit rund 93,5 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung ist Ripples Token wieder die viertgrößte Kryptowährung der Welt.
Europas Bankenkampf und Tangens Weckruf
Blicken wir auf unseren Kontinent – und auf eine Geschichte, die sich seit gestern weiter zuspitzt. Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp nannte Unicredits Übernahmeangebot in einer Investorenkonferenz offen ein „taktisches Manöver“. Gestern schrieb ich, der Markt wette darauf, dass Unicredit nachlegen muss. Die Reaktion aus Frankfurt klingt nicht nach einer Bank, die sich fügt.
Passend dazu fand Nicolai Tangen, Chef des 2 Billionen Dollar schweren norwegischen Staatsfonds, auf einer Konferenz in Paris drastische Worte: Europas Kapitalmärkte stecken in einer Fragmentierungskrise. Solange 27 nationale Regulierungsregime nebeneinander existieren, wandert Kapital in die liquideren US-Märkte ab. Der Unicredit-Commerzbank-Konflikt ist das perfekte Symptom: Statt einen europäischen Champion zu schaffen, wird reflexhaft der nationale Schutzwall hochgezogen.
Rüstung: Vom Kursfeuerwerk zur Produktpräsentation
Einigkeit herrscht in Europa derzeit fast nur bei der Verteidigung. Rheinmetall und HENSOLDT verzeichneten nach der starken Rallye vom Montag leichte Gewinnmitnahmen – ein gesundes Durchatmen nach Wochen der Euphorie. Dass Rheinmetall ausgerechnet an diesem Dienstag sein neues 120-mm-Mörsersystem „Ragnarok“ präsentierte, fügt sich ins Bild einer Industrie, die nicht mehr um Aufmerksamkeit buhlen muss. Die Auftragsbücher füllen sich von allein.
Die Frage, die sich viele Anleger bei Rheinmetall und Nvidia stellen, lautet: Wer profitiert eigentlich am stärksten, wenn die Auftragsbücher der großen Namen voll sind? Ein kostenloses Webinar der „Depot-Architekten“ geht genau dieser Frage nach – und zeigt, wie spezialisierte Zulieferer in der zweiten Reihe oft deutlich stärker reagieren als die bekannten Konzerne selbst. Die Strategie kombiniert eine Value-Analyse hochspezialisierter Nischenanbieter aus den Bereichen KI-Infrastruktur und Verteidigung mit einer Hebel-Methodik, die aus normalen Marktbewegungen überproportionale Renditen erzeugen soll. Konkret werden sechs Depotwerte und drei Hebel-Trades vorgestellt, die unmittelbar nach dem Webinar zugänglich sind – die ersten 30 Tage ohne Kosten. Zum kostenlosen Webinar der Depot-Architekten
Die Quintessenz
Dieser Dienstag verdichtet die Grundspannung unserer Zeit auf wenige Stunden: In San Jose wird die digitale Zukunft in Billionen bemessen, in Washington ringt die Fed mit einem Ölpreis, den kein Algorithmus kontrolliert, und in Europa scheitert selbst eine Bankenfusion am Nationalstaatsreflex. Morgen Abend, wenn Jerome Powell vor die Kameras tritt, wird sich zeigen, ob die mächtigste Notenbank der Welt einen Ausweg aus diesem Trilemma skizzieren kann – oder ob sie, wie so oft in jüngster Zeit, auf Zeit spielt. Die EZB und die Bank of England folgen im Laufe der Woche. Es bleibt die Superwoche, die ich Ihnen angekündigt habe.
Herzlichst,
Ihr Eduard Altmann
