Öl nähert sich 100 Dollar, die EZB tagt: Novartis und Fresenius zeigen, was das für Aktien bedeutet
Ölpreis und EZB-Kurs prägen die Märkte, während Novartis unter Druck gerät und Fresenius, Intel sowie DWS positive Signale senden.
Kurz zusammengefasst
- Brent nähert sich der 100-Dollar-Marke
- EZB-Zinsschritt für Donnerstag erwartet
- Novartis verliert nach Studienrückschlag
- Fresenius erhält UBS-Kaufempfehlung
Liebe Börsianerinnen und Börsianer,
drei Zahlen bestimmen diese Woche das Geschehen, ohne dass der Dax das bislang zeigt: 3,3 Prozent Inflation in der Eurozone, knapp 100 Dollar für ein Fass Brent-Rohöl und 4,80 Prozent Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen. Der Index selbst kämpft seit Tagen ergebnislos um die 26.000-Punkte-Marke – doch genau diese Ruhe an der Oberfläche verdeckt, dass sich bei Einzelwerten gerade entscheidet, wer die kommenden Monate als Gewinner verbringt und wer als Verlierer. Wer nur auf den Index starrt, verpasst die eigentlichen Geschichten.
EZB vor Zinsschritt: Wie lange bleibt die Bank noch synchron mit der Fed?
Der EZB-Rat tagt diese Woche in Berlin, für Donnerstag erwarten die Märkte eine Anhebung aller drei Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte – der Einlagensatz stiege damit auf 2,5 Prozent. Die Eurozone-Inflation lag im August bei 3,3 Prozent, ein Niveau, das den Schritt rechtfertigt und an den Börsen längst eingepreist ist. Bemerkenswert ist deshalb weniger der Beschluss selbst als die Warnung aus dem Bankenlager, man solle die Konjunktur nicht durch zu striktes Vorgehen abwürgen. Diese Sorge bekommt zusätzliches Gewicht durch den Blick über den Atlantik: Seit Mai prägt Kevin Warsh als neuer Fed-Vorsitzender die US-Geldpolitik, und die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte zuletzt auf 4,80 Prozent – ein Signal, dass Anleihemärkte höhere Inflation für länger einpreisen. Ob EZB und Fed künftig auseinanderlaufen, dürfte für Euro-Kurs und Anleiherenditen richtungsweisend werden.
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Der Ölmarkt sabotiert die Zinswende, bevor sie überhaupt beschlossen ist
Während die EZB noch über das richtige Tempo debattiert, liefert der Ölmarkt bereits die nächste Komplikation. Brent-Rohöl notiert nahe der 100-Dollar-Marke, dem höchsten Stand seit rund sechs Wochen. Auslöser ist die Eskalation zwischen Iran und den USA: Teheran droht mit „wirtschaftlicher Kriegsführung“ und einer maritimen Ausschlusszone im Persischen Golf, dazu kommt ein Houthi-Angriff auf Saudi-Arabien mit 73 Verletzten. Goldman Sachs hat die Jahresend-Prognose für Brent bereits von 80 auf 90 Dollar angehoben und warnt vor einem Sprung über 120 Dollar, sollte es 2027 zu Lieferausfällen von vier Millionen Barrel pro Tag kommen. In den USA liegt der Benzinpreis rund um den Labor-Day-Feiertag bereits auf Rekordniveau von 4,15 Dollar je Gallone. Mit US-Erzeugerpreisen am Donnerstag und Verbraucherpreisen am Freitag steht diese Woche der eigentliche Belastungstest an: Schlägt der Ölpreisschub bereits auf die Kerninflation durch, ziehen Notenbanken die Zügel enger – ausgerechnet in einem Moment, in dem die Konjunktur das am wenigsten gebrauchen kann.
Pharma an einem Tag: Novartis bricht ein, Fresenius wird hochgestuft
Wie unterschiedlich ein einzelner Handelstag verlaufen kann, zeigt der Gesundheitssektor. Novartis brach nach einem Studienrückschlag bei myotoner Dystrophie Typ 1 im Handelsverlauf zweistellig ein und rutschte deutlich unter die Marke von 120 Euro – auf Jahressicht bleibt der Titel damit nur noch knapp im Plus. Fresenius dagegen sprang nach einer Kaufempfehlung der UBS um rund dreieinhalb Prozent; die Bank sieht bis zu 30 Prozent Kurspotenzial. Doch auch nach diesem Sprung liegt die Aktie noch immer mehr als acht Prozent im Minus seit Jahresbeginn und rund 15 Prozent unter ihrem Februar-Hoch – die UBS-These setzt also auf eine echte Trendwende, nicht auf eine Momentaufnahme. Für Anleger heißt das: Im selben Sektor treffen am selben Tag Rückschlag und Neubewertung aufeinander. Pauschale Sektorwetten greifen hier zu kurz, es zählt der Einzelfall.
Intels Foundry-Comeback läuft der Substanz voraus
Die Intel-Aktie zog kräftig an, nachdem Northland Securities sie auf „Outperform“ mit Kursziel 120 Dollar hochgestuft hatte. Untermauert wird die Hoffnung durch einen technischen Meilenstein: Intel Foundry und ASML haben inzwischen mehr als eine Million Wafer mit der neuen High-NA-EUV-Lithografie verarbeitet, der Schlüsseltechnologie für den 18A-Prozess, der die kommenden Panther-Lake-Prozessoren antreibt. Zusätzlich will Intel die Preise für PC-Prozessoren ab Oktober um bis zu zehn Prozent anheben, um die Bruttomarge zu stützen. Wer nüchtern rechnet, findet aber auch Warnsignale: Das Kurs-Umsatz-Verhältnis liegt bei 8,2 gegenüber einem historischen Schnitt von knapp 3 – ein Hinweis, dass die Turnaround-Fantasie dem operativen Fortschritt bereits vorausgeeilt sein könnte. Die Aktie hat sich seit Jahresbeginn ohnehin schon nahezu verdreifacht. Auch Nvidia und AMD zeigten sich fester, doch das ist eine Geschichte über Fertigungs-Know-how und Preissetzungsmacht, nicht über den Speicherchip-Zyklus – beides sollte man nicht in einen Topf werfen.
Abseits der Schlagzeilen: Kion, DWS und Hornbach sammeln handfeste Urteile ein
Fernab von Öl- und Zinsschlagzeilen sammelten mehrere deutsche Mid- und Smallcaps in dieser Woche konkrete Analysten-Vorschusslorbeeren ein. Citigroup vergab Kaufempfehlungen für Kion, das um mehr als sechs Prozent zulegte, und für Nordex. DWS zog nach einer bekräftigten Kaufempfehlung von Jefferies auf ein neues 52-Wochen-Hoch und hat sich damit seit Jahresbeginn um rund 38 Prozent verteuert. Auch Hornbach markierte nach einem robusten zweiten Quartal ein frisches Jahreshoch. Keiner dieser Namen schafft es in die großen Schlagzeilen, doch genau das macht sie interessant: Während der Gesamtmarkt richtungslos verharrt, honoriert das Sell-Side-Research hier ganz konkrete operative Fortschritte – ein Feld, das sich lohnt, regelmäßig zu screenen, statt nur auf den Index zu starren.
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Unterm Strich
Die kommenden Tage bringen mit der EZB-Entscheidung am Donnerstag und den US-Inflationsdaten am Donnerstag und Freitag gleich zwei Termine, die zeigen, ob der Ölpreisschub bereits auf die Kerninflation durchschlägt. Für den Dax heißt das: Solange diese Frage offen bleibt, dürfte auch der Index selbst richtungslos bleiben. Genau deshalb zählt diese Woche weniger der Punktestand als das, was einzelne Titel bewegt – ein Studienrückschlag bei Novartis, eine Hochstufung bei Fresenius oder Intel, ein bekräftigtes Kaufvotum für DWS. Wer diese Signale ignoriert, weil der Index stillsteht, übersieht, wo die eigentlichen Entscheidungen fallen.
Beste Grüße, Ihr Eduard Altmann
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