Ölpreis-Rallye spaltet den Sektor — Verbio triumphiert, Siemens Energy wankt
Steigende Ölpreise durch die Hormuz-Krise wirken als Katalysator für Biokraftstoff-Hersteller Verbio, belasten aber Siemens Energy. Projektentwickler liefern operative Meilensteine.

Kurz zusammengefasst
- Verbio verdoppelt Kurs und hebt Prognose deutlich an
- Siemens Energy verliert Favoritenstatus bei Morgan Stanley
- ABO Wind und Energiekontor melden internationale Projekterfolge
- Vulcan Energy erhält erste Lithium-Produktionslizenz
Steigende Ölpreise durch die Hormuz-Krise wirken wie ein Katalysator — aber nicht für alle in die gleiche Richtung. Während der Biokraftstoff-Hersteller Verbio seinen Kurs seit Jahresbeginn mehr als verdoppelt hat, gerät Siemens Energy wegen seiner Nahost-Abhängigkeit unter Druck. Projektentwickler wie ABO Wind und Energiekontor liefern operative Meilensteine, die der Markt bislang kaum honoriert. Und Vulcan Energy baut still seinen Aufsichtsrat um.
Fünf Erneuerbare-Energien-Aktien, fünf völlig unterschiedliche Antworten auf dasselbe geopolitische Umfeld.
Verbio: Biokraftstoff-Rallye lässt Analysten alt aussehen
Die Verbio-Aktie ist der unerwartete Star dieses Frühjahrs. Allein in den vergangenen 30 Tagen legte der Kurs rund 74 % zu. Seit Jahresbeginn summiert sich das Plus auf über 105 %. Am Donnerstag schloss das Papier bei 43,48 Euro — ein Tagesgewinn von mehr als 7 %.
Der Treiber ist klar: Die Spannungen in der Straße von Hormuz haben die Brent-Preise zeitweise auf 120 Dollar je Barrel getrieben. Aktuell notiert das Barrel bei rund 117 Dollar. Europäische Ethanolpreise kletterten im Schlepptau um über zehn Prozent auf ein Viermonatshoch. Für einen Biokraftstoff-Produzenten wie Verbio ist das ein ideales Umfeld — fossile Brennstoffe werden teurer, Biokraftstoffe gewinnen an Wettbewerbsfähigkeit.
Das Management reagierte mit einer deutlichen Prognoseanhebung. Die neue EBITDA-Zielspanne für das Geschäftsjahr 2025/26 liegt bei 100 bis 140 Millionen Euro — ein spürbarer Sprung gegenüber der bisherigen Erwartung im hohen zweistelligen Millionenbereich. Gleichzeitig soll die Netto-Finanzverschuldung von 164 auf etwa 140 Millionen Euro sinken.
Frühere Analystenprognosen sind durch die Rallye überholt. Die Deutsche Bank hatte ihr Kursziel kurz vor der Ad-hoc-Meldung von 29,60 auf 40,50 Euro angehoben — ein Niveau, das der Kurs bereits hinter sich gelassen hat. mwb research sieht 50 Euro als Ziel, Sphene Capital sogar 58,30 Euro.
Ein Risikofaktor verdient Beachtung: Die globalen Düngemittelpreise sind seit Jahresbeginn um 30 bis 40 % gestiegen. Das könnte Verbios Rohstoffkosten perspektivisch belasten. Die Q3-Zahlen am 12. Mai werden zeigen, ob die Margenexpansion Substanz hat.
Siemens Energy: Morgan Stanley streicht den Favoriten
Ganz anders die Lage bei Siemens Energy. Die Aktie notiert bei 149,70 Euro und hat in den vergangenen vier Wochen 17,4 % verloren — der niedrigste Stand seit Januar. Auf Zwölfmonatssicht bleibt zwar ein Plus von 126 %, aber die Richtung hat sich gedreht.
Den jüngsten Rückschlag löste Morgan Stanley aus. Die US-Bank strich Siemens Energy von ihrer Liste bevorzugter Aktien. Der Grund: wachsende Sorgen über die Abhängigkeit vom Nahen Osten. Das Segment Gas Services hat dort massiv gebucht — allein Saudi-Arabien orderte im zweiten und dritten Quartal des Geschäftsjahres 2025 jeweils 3,6 bis 4 Gigawatt. Laut McCoy-Daten entfielen 35 % des gesamten Gasturbinen-Auftragseingangs nach Kapazität auf die Region. Das Unternehmen selbst beziffert sein Auftragsvolumen in Nahost und Afrika auf 9 Milliarden Euro — rund 15 % des gesamten Orderbuchs.
Morgan Stanley behielt trotzdem das Overweight-Rating und das Kursziel von 166 Euro bei. Die Analysten sehen weiterhin ein attraktives EBITA-Wachstum von jährlich 26 % zwischen 2026 und 2030. Allerdings liegt ihre EBITA-Prognose für 2028 nur noch 3 % über dem Konsens — Spielraum für positive Überraschungen schrumpft.
Sollten Regierungen in der Region ihre Budgets Richtung Militärausgaben umschichten, könnten Entscheidungen über Gasturbinen-Großaufträge auf Eis gelegt werden. Der Quartalsbericht am 12. Mai wird zum Lackmustest für die Auftragslage in dieser Schlüsselregion.
ABO Wind AG: Internationale Deals trotz Restrukturierung
Die ABO Wind AG — inzwischen als ABO Energy GmbH & Co. KGaA firmierend — kämpft an zwei Fronten gleichzeitig. Der Kurs liegt bei 6,00 Euro, die Marktkapitalisierung bei lediglich rund 56 Millionen Euro. Das Handelsvolumen bleibt dünn, die laufende Restrukturierung drückt auf die Stimmung.
Operativ liefert das Unternehmen allerdings bemerkenswerte Ergebnisse. Am 2. April veröffentlichte ABO Energy gleich drei internationale Meilensteine:
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- Kanada: Verkauf der Projektrechte für einen 63-Megawatt-Windpark in New Brunswick, entwickelt in Partnerschaft mit der Pabineau First Nation
- Spanien: Erster Owner’s-Engineering-Vertrag für ein Drittpartei-Solarprojekt — die Belorado-I-Photovoltaikanlage mit 64,86 MWp in der Provinz Burgos
- Kolumbien: Letzte Großzahlung für den Verkauf eines 200-Megawatt-Solarprojekts eingegangen
Geschäftsführer Dr. Karsten Schlageter betonte, dass das operative Geschäft trotz der schwierigen Phase weiterläuft: Projekte werden entwickelt, verkauft und generieren Mittelzuflüsse. Mit einem Gewinn je Aktie von 2,58 Euro (TTM) und einer Dividendenrendite von 10,3 % bietet der Small Cap zumindest auf dem Papier interessante Kennzahlen. Die entscheidende Frage bleibt, ob die Restrukturierung gelingt und das Vertrauen der Anleger zurückkehrt.
Energiekontor: Rekord-Pipeline, aber der Markt wartet ab
Energiekontor hat am 31. März seine Jahreszahlen 2025 vorgelegt — und die zeigen ein zweigeteiltes Bild. Der Konzernumsatz stieg auf 167,9 Millionen Euro (Vorjahr: 126,5 Millionen), die Gesamtleistung sogar auf 339,1 Millionen Euro. Der Jahresüberschuss sprang auf 41,0 Millionen Euro nach 22,6 Millionen im Vorjahr. Das unverwässerte Ergebnis je Aktie kletterte auf 2,94 Euro.
Allerdings steckt im Nettoergebnis ein Einmaleffekt von 12 Millionen Euro. Bereinigt fällt das Wachstum weniger eindrucksvoll aus. Der Kurs reagierte verhalten — am letzten Handelstag ging es 2,8 % nach unten auf 43,45 Euro.
Das eigentliche Signal liegt in der Pipeline. Zum Jahresende 2025 befanden sich 21 Projekte mit insgesamt rund 640 Megawatt im Bau oder kurz davor — nahezu eine Verdopplung gegenüber den 368 Megawatt ein Jahr zuvor. Sieben Windprojekte mit 209 Megawatt wurden 2025 verkauft, wobei fünf davon erst 2026 und größtenteils 2027 ergebniswirksam werden.
Genau hier liegt die Krux: Die Zeitverzögerung zwischen Projektabschluss und Umsatzrealisierung drückt die kurzfristige Ergebnisvisibilität. Die EBT-Prognose für 2026 liegt bei 40 bis 60 Millionen Euro — das impliziert Wachstum, aber die Bandbreite ist breit. CEO Peter Szabo sieht erhebliches Potenzial für zusätzliche Ergebnisbeiträge in den Folgejahren, sobald regulatorische Rahmenbedingungen klarer werden. Die Hauptversammlung am 27. Mai soll über eine Ausschüttung von rund 35 % des Bilanzgewinns beschließen.
Vulcan Energy: Boardwechsel und Lithium-Lizenz als stille Wegmarken
Vulcan Energy bewegt sich in einer eigenen Kategorie. Das Unternehmen ist noch vorkommerziell, die Aktie notiert bei 3,28 australischen Dollar — weit entfernt vom 52-Wochen-Hoch bei 7,52 Dollar. Die Marktkapitalisierung liegt bei rund 804 Millionen australischen Dollar.
Zwei Entwicklungen prägten die vergangenen Wochen. Zum einen erhielt Vulcan im März die erste Lithium-Produktionslizenz für das Lionheart-Projekt im Oberrheingraben. Dieses integrierte Lithium- und Geothermie-Projekt soll batterietaugliches Lithium aus natürlich erhitzter Sole gewinnen — ein nachhaltiger europäischer Ansatz für die Batterieindustrie. Zum anderen wurde Roberto Gallardo zum 1. April als neuer Direktor berufen. Er hält derzeit keine Unternehmensanteile, was auf unabhängige Governance hindeutet.
Analysten sehen massives Aufholpotenzial. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 7,92 australischen Dollar — rund 140 % über dem aktuellen Kurs. Alle drei Coverage-Analysten empfehlen den Kauf. Die breite Kluft zwischen Ziel und Realität spiegelt sowohl das Pre-Revenue-Stadium als auch die Unsicherheit am globalen Lithiummarkt wider. Die nächsten Katalysatoren: Fortschritte bei der Projektfinanzierung und weitere Stabilisierung auf Vorstandsebene.
Drei Kräfte, ein Sektor — geopolitischer Rückenwind trifft auf strukturelle Verzögerung
Die aktuelle Aufspaltung im Erneuerbare-Energien-Sektor lässt sich auf drei Dynamiken verdichten:
- Geopolitischer Rückenwind: Verbio profitiert direkt von steigenden Ölpreisen. Biokraftstoffe gewinnen automatisch an Attraktivität, wenn fossile Alternativen teurer werden. Solange der Ölpreis erhöht bleibt, trägt dieser Effekt.
- Geopolitischer Gegenwind: Siemens Energy steht vor dem Spiegelbild. Die hohe Abhängigkeit von Nahost-Aufträgen wird zum Klumpenrisiko, wenn regionale Spannungen Investitionsentscheidungen verzögern.
- Pipeline-Verzögerung: ABO Wind und Energiekontor liefern operativ — Rekord-Pipelines, internationale Projektverkäufe, steigende Umsätze. Die Ergebniswirksamkeit hinkt dem operativen Fortschritt allerdings hinterher, was die kurzfristige Kursentwicklung bremst.
Vulcan Energy entzieht sich dieser Dreiteilung. Die Aktie reagiert weniger auf Makrofaktoren als auf projektspezifische Meilensteine und Governance-Signale.
Geopolitik als Dauerthema — Mai wird zum Entscheidungsmonat
Die Divergenz dürfte anhalten, solange Ölpreise und Nahost-Spannungen auf dem aktuellen Niveau verharren. Für Verbio wird der 12. Mai zum Bewährungstermin: Die Q3-Zahlen müssen die angehobene Prognose mit operativer Substanz unterfüttern, um das Kursniveau fundamental zu rechtfertigen. Am selben Tag berichtet Siemens Energy — dort wird der Markt jede Zeile zum Nahost-Auftragseingang sezieren.
Energiekontors EBT-Zielkorridor von 40 bis 60 Millionen Euro lässt Spielraum in beide Richtungen. Die Exekution der Rekord-Pipeline ist der entscheidende Hebel. ABO Wind muss zeigen, dass die Restrukturierung greift und der internationale Dealflow nicht abreißt. Für Vulcan Energy bleiben Projektfinanzierung und Fortschritte beim Lionheart-Projekt die Gradmesser.
Ein Sektor, fünf Geschichten — und die Straße von Hormuz schreibt an jeder davon mit.
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