OHB: 1,2 Milliarden Euro Kapitalmaßnahmen zur Abstimmung
Trotz operativer Stärke und Gewinnsprung belasten Kapitalmaßnahmen und KKR-Ausstieg den OHB-Aktienkurs massiv.

Kurz zusammengefasst
- Aktie verliert nach Ankündigung neuer Kapitalmaßnahmen
- KKR reduziert Anteil von 29 Prozent
- Operatives Geschäft zeigt starkes Wachstum
- Hauptversammlung entscheidet über Finanzierungsrahmen
Starkes operatives Quartal, massiver Kurseinbruch — bei OHB SE klaffen Fundamentaldaten und Marktstimmung gerade weit auseinander. Am Freitag verlor die Aktie des Bremer Raumfahrtkonzerns 9,15 Prozent und schloss bei 372,50 Euro. Der Auslöser: eine Hauptversammlung am Montag, die es in sich hat.
Kapitalmaßnahmen mit Sprengkraft
Das Herzstück der Tagesordnung ist ein Finanzierungsrahmen, der OHB bis 2031 ermächtigen würde, Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen sowie Genussrechte im Gesamtvolumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro auszugeben. Das dafür vorgesehene Bedingte Kapital umfasst bis zu 3,84 Millionen neue Aktien — was einer Ausweitung des Grundkapitals um rund 20 Prozent entspräche.
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) empfiehlt ihren Mitgliedern, diesen Punkt abzulehnen. Kritik gibt es auch am neuen Vorstandsvergütungssystem: Es fehlt ein individueller Maximalbetrag je Vorstandsmitglied in Euro — ein klarer Verstoß gegen die Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex. Kein Wunder, dass Anleger nervös reagieren.
KKR zieht sich zurück — und schafft Überangebot
Parallel läuft der Ausstieg von Finanzinvestor KKR. Der Großaktionär will seinen Anteil von rund 29 Prozent bis Ende Juni auf eine einstellige Quote drücken. Das entspricht einem massiven Angebotsschub am Markt — und genau das belastet den Kurs kurzfristig.
Mittelfristig könnte die Transaktion das Bild drehen. Der Streubesitz würde von derzeit rund 6 Prozent auf voraussichtlich etwa 26 Prozent steigen. Mehr Liquidität, höhere Attraktivität für institutionelle Investoren, mögliche Indexaufnahmen — Marktbeobachter sprechen von einem „Re-IPO“-Effekt. Bis dahin aber dominiert die Angst vor dem Überangebot.
Operativ läuft es rund
Das Paradoxe: Fundamental liefert OHB. Im ersten Quartal 2026 stieg die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro, das EBITDA legte um 49 Prozent auf 25,7 Millionen Euro zu. Der Auftragsbestand liegt bei rund 3,35 Milliarden Euro. Anfang Juni begann OHB mit der Montage des RAMSES-Raumfahrzeugs — eine gemeinsame Planetenverteidigungsmission von ESA und JAXA.
Das operative Fundament ist solide. Die Unsicherheit kommt ausschließlich von der Kapitalseite.
Kurs zwischen Korrektur und Aufbruch
Seit seinem Allzeithoch von 688,00 Euro Mitte Mai hat der Kurs fast die Hälfte verloren. Auf Jahressicht steht trotzdem ein Plus von über 200 Prozent. Der RSI liegt bei 45 — technisch neutrales Terrain, kein Kaufsignal, aber auch keine Panikzone. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 142 Prozent zeigt, wie dynamisch das Papier sich bewegt.
Die Hauptversammlung am Montag bringt Klarheit darüber, ob die Kapitalmaßnahmen wie geplant durchgehen — und wie groß der tatsächliche Verwässerungsdruck wird. Die Abstimmungsergebnisse, kombiniert mit den konkreten Bedingungen des KKR-Anteilsverkaufs, dürften die Richtung für die kommenden Wochen setzen.
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