OHB: 1,2 Milliarden Finanzierungsrahmen spaltet Aktionäre
Vor der Hauptversammlung bricht der OHB-Kurs ein. Aktionärsschützer lehnen milliardenschweren Finanzierungsplan und neues Vergütungssystem ab.

Kurz zusammengefasst
- Kursrutsch vor Hauptversammlung
- DSW lehnt Finanzierungsplan ab
- KKR reduziert Anteil massiv
- Operativ starke Quartalszahlen
Operativ läuft es bei OHB so gut wie nie. Trotzdem bricht die Aktie des Bremer Raumfahrtkonzerns an diesem Freitag um 6,6 Prozent auf 387,50 Euro ein — und auf Wochensicht summiert sich das Minus bereits auf über 11 Prozent. Der Auslöser: die Hauptversammlung am kommenden Montag.
DSW empfiehlt Ablehnung zentraler Punkte
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz rät ihren Mitgliedern, gleich mehrere Tagesordnungspunkte abzulehnen. Im Kern geht es um zwei Themen: das neue Vergütungssystem für den Vorstand und einen milliardenschweren Finanzierungsrahmen.
OHB will die Erlaubnis, bis 2031 Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen sowie Genussrechte im Gesamtvolumen von bis zu 1,2 Milliarden Euro ausgeben zu können. Dazu soll ein neues Bedingtes Kapital geschaffen werden — mit bis zu 3,84 Millionen neuen Aktien. Das entspräche einer Ausweitung des Grundkapitals um rund 20 Prozent.
Das Management begründet den Spielraum mit dem hohen Finanzierungsbedarf. Der Auftragsbestand liegt bei rund 3,35 Milliarden Euro. Minderheitsaktionäre befürchten dennoch erhebliche Verwässerung. Die DSW kritisiert außerdem, dass das Vergütungssystem keinen individuellen Maximalbetrag pro Vorstandsmitglied in Euro vorsieht — ein Verstoß gegen die Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex.
KKR zieht sich zurück — Streubesitz soll explodieren
Parallel läuft eine strukturelle Neuordnung der Aktionärsbasis. Finanzinvestor KKR hält derzeit rund 29 Prozent an OHB und will seinen Anteil bis Ende Juni auf eine einstellige Quote reduzieren. Intern gilt das als eine Art Re-IPO: Der Streubesitz würde von aktuell rund 6 Prozent auf etwa 26 Prozent klettern.
Das Ziel: mehr Liquidität, mehr institutionelle Investoren, eine mögliche Indexaufnahme. Den Starttermin der Platzierung hält KKR bewusst flexibel — um nicht mit dem für Mitte Juni erwarteten Börsengang von SpaceX zu kollidieren, der gerade viel Kapital im Sektor bindet.
Starke Zahlen, schwaches Sentiment
Die operativen Daten sprechen eine andere Sprache. Im ersten Quartal 2026 steigerte OHB die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro. Das EBITDA stieg auf 25,7 Millionen Euro — nach 17,3 Millionen Euro im Vorjahr. Tochter OHB Sweden sicherte sich zudem einen neuen ESA-Auftrag über 7,6 Millionen Euro für die EPS-Sterna-Mission, eine Konstellation aus 20 Kleinsatelliten zur polaren Wetterbeobachtung.
Kein Wunder, dass die Diskrepanz zwischen Fundamentaldaten und Kursentwicklung auffällt. Seit dem 52-Wochen-Tief bei 64,20 Euro im September 2025 hat die Aktie trotz des aktuellen Rücksetzers noch immer rund 500 Prozent zugelegt. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 355,11 Euro liegt als nächste Unterstützung rund 8 Prozent unter dem aktuellen Kurs.
Das Ergebnis der Hauptversammlung am 8. Juni dürfte zeigen, wie viel Rückhalt das Management für seinen milliardenschweren Finanzierungsplan tatsächlich hat.
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