OHB: 226 Prozent Plus seit Jahresanfang
OHB-Aktie zeigt extreme Schwankungen aufgrund geringen Streubesitzes. Operativ wächst der Konzern, während KKR-Anteilsverkauf und Raketentest anstehen.

Kurz zusammengefasst
- Geringer Streubesitz verursacht Kursausschläge
- KKR-Verkauf von Anteilen vorerst ausgesetzt
- Operatives Geschäft wächst deutlich
- Raketentest von RFA ONE für Juli geplant
Die Geschichte der OHB SE im vergangenen Jahr lässt sich in einem Satz zusammenfassen. Ein Bremer Mittelständler wurde zum Spielball der größten Raumfahrtambitionen Europas. Der Kurs machte dabei alles mit. Vom 52-Wochen-Tief bei 64,20 Euro schoss die Aktie auf exakt 688,00 Euro. Aktuell notiert das Papier bei 396,50 Euro.
Eine Volatilität von annualisierten 148 Prozent ist kein normales Marktphänomen. Sie ist der Ausdruck eines fundamentalen Umbaus.
Wenn der Streubesitz das Problem ist
Ein Grund für die heftigen Kursschwankungen liegt in der Struktur des Handels. Nur knapp sechs Prozent der rund 19 Millionen Aktien sind frei handelbar. Schon kleinere Orders lösen große Bewegungen aus. Das wirkt für Privatanleger wie ein Konstruktionsfehler. Eigentlich ist es die Konsequenz einer engen Eigentümerstruktur.
Der Finanzinvestor KKR hält rund 29 Prozent an OHB. Er will etwa 20 Prozentpunkte davon platzieren. Die Gründerfamilie Fuchs bliebe mit 65 Prozent der Stimmrechte dominant. Aber dieser Plan geriet in Turbulenzen.
Genau in dieses Zeitfenster fiel der Börsengang von SpaceX. Ein IPO dieser Größenordnung bindet Aufmerksamkeit und Bankenkapazitäten. Für kleinere Emissionen ist das ein Problem. OHB hat den Verkauf daher kurzfristig ausgesetzt.
Die Frist für den KKR-Verkauf läuft Ende Juni 2026 ab. Gelingt die Transaktion bis dahin, steigt der Streubesitz auf rund 26 Prozent. Das wäre ein wichtiger Schritt. Die geringe Handelbarkeit der Aktie verstärkt bislang die Kursschwankungen.
Das operative Fundament hält
Wer hinter die Kulissen der Kapitalmarktturbulenzen schaut, findet ein starkes operatives Geschäft. Das operative Geschäft wuchs im ersten Quartal um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro. Der Auftragsbestand kletterte parallel dazu auf beeindruckende 3,35 Milliarden Euro.
OHB und Rheinmetall haben ihr gemeinsames Raumfahrtunternehmen gegründet. Das Ziel: das neue Satellitenkommunikationssystem der Bundeswehr bauen und betreiben. Dieser Auftrag könnte bis zu 10 Milliarden Euro wert sein. Mitte Juni wurde die entsprechende Gesellschaft ins Handelsregister eingetragen.
Dieser Schritt unterstreicht eine wichtige Entwicklung. Die Branche nimmt die Neuausrichtung der europäischen Verteidigungsarchitektur sehr ernst. OHB will dabei eine zentrale Rolle spielen. Mittelfristig peilt der Konzern bis 2028 eine Gesamtleistung von über zwei Milliarden Euro an.
Der Countdown in Schottland
Der nächste potenzielle Katalysator kommt nicht aus Bremen, sondern aus Schottland. Rocket Factory Augsburg hat ein konkretes Datum genannt. Für den 1. Juli beantragte das Unternehmen ein Startfenster. Dann soll der erste Testflug der Trägerrakete RFA ONE stattfinden.
RFA betont ausdrücklich, dass dies noch kein fester Termin ist. Erstflüge sind komplex. Verzögerungen sind wahrscheinlich. Die Nüchternheit ist absolut angebracht. Erste Flüge neuer Startsysteme sind historisch in weniger als 30 Prozent der Fälle erfolgreich. Ein Fehlschlag ist statistisch die wahrscheinlichere Variante.
Hinzu kommt eine buchhalterische Einschränkung. RFA wird at equity konsolidiert. Raketenstarts tauchen also nicht direkt in der Konzern-Guidance auf. Kurz gesagt: ein Zusatzgeschäft, kein Kerntreiber.
Zwei Entscheidungen, ein enger Zeitplan
Hebt die RFA ONE tatsächlich ab und gelingt KKR parallel die rettende Aktienplatzierung? Diese beiden völlig unterschiedlichen Ereignisse dominieren die Agenda bis Ende Juni. Beide Faktoren werden den Kurs maßgeblich prägen.
Aktuell verzeichnet die Aktie seit Jahresanfang ein gewaltiges Plus von rund 226 Prozent. Sie notiert jedoch fast 42 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Das ist die exakte Beschreibung eines Wertpapiers, das in kurzer Zeit enorm viel Phantasie eingepreist hat. Nun wartet der Markt auf konkrete Bestätigung. Der RSI von 48,3 signalisiert eine neutrale Zone. Die Aktie nimmt eine Atempause, bevor die anstehenden Ereignisse den nächsten Impuls auslösen.
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