OHB Aktie: Stützung läuft aus

Nach dem Auslaufen der Stützungskäufe steht der OHB-Kurs vor einem entscheidenden Test an der 200-Tage-Linie.

Andreas Sommer ·
OHB SE Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Stabilisierungsphase endet am Freitag
  • Kurs liegt unter Platzierungspreis von 300 Euro
  • 200-Tage-Linie bei 239,49 Euro als Schlüsselmarke
  • Rekord-Auftragsbestand von 3,35 Milliarden Euro

Die OHB-Aktie steht vor einem heiklen Test. Am morgigen Freitag endet voraussichtlich die einmonatige Stabilisierungsphase nach der jüngsten Kapitalerhöhung. Danach fehlt das Bankenkonsortium, das bislang größere Kursausschläge abgefedert hat. Ab kommender Woche trifft der Kurs ungefiltert auf Angebot und Nachfrage.

Ausgangslage: Das Sicherheitsnetz verschwindet

Ende Juni hatte OHB rund 1,7 Millionen neue Aktien zu 300 Euro platziert. Das Geld soll Wachstum in Raumfahrt und Verteidigung finanzieren. Der Kurs hat die Aktion trotzdem nicht gut verdaut.

Binnen 30 Tagen verlor das Papier 33,95 Prozent. Verwässerung durch die neuen Aktien und Anteilsverkäufe des Großaktionärs KKR drücken auf die Stimmung. Gestern schloss die Aktie bei 250,00 Euro — deutlich unter dem Platzierungspreis von 300 Euro.

Noch glätten Stabilisierungskäufe die größten Ausschläge. Das ändert sich mit dem Ende der Frist am Freitag.

Die entscheidende Marke: 239,49 Euro

Der 200-Tage-Durchschnitt verläuft aktuell bei 239,49 Euro. Der aktuelle Kurs liegt nur noch 4,39 Prozent darüber. Diese Nähe macht die Marke zum zentralen Prüfstein für die kommenden Handelstage.

Ein nachhaltiger Bruch dieser Linie könnte automatisierte Verkaufsprogramme auslösen. Das würde das Chartbild zusätzlich belasten. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 80,22 Prozent — ein Wert, der auf anhaltend nervöse Kursausschläge hindeutet.

Der RSI steht bei 35,6 und nähert sich damit einer überverkauften Zone. Entscheidend wird sein, ob die durch die Kapitalerhöhung gestiegene Zahl frei handelbarer Aktien auf ausreichend Käufer trifft. Bislang haben die Stützungskäufe genau diese Lücke gefüllt.

Bullisches Szenario: Das Auftragsbuch als Stütze

Für eine Stabilisierung sprechen die operativen Zahlen. Zum Ende des ersten Quartals 2026 meldete OHB einen Rekord-Auftragsbestand von rund 3,35 Milliarden Euro. Der Bremer Konzern profitiert von der verstärkten Nachfrage nach militärischer Satelliteninfrastruktur.

Besuche aus der Bundespolitik haben die strategische Bedeutung des Unternehmens für die nationale Souveränität im All zuletzt unterstrichen. Hält der Kurs die 200-Tage-Linie, könnte das Vertrauen in die Wachstumsziele für 2027 und 2028 zurückkehren.

Ein RSI von 35,6 spricht dafür, dass ein Großteil der Verkaufswelle bereits eingepreist ist. Gelingt der Abprall, rückt der 50-Tage-Durchschnitt bei 375,42 Euro als mittelfristige Marke wieder ins Blickfeld — aktuell liegt der Kurs noch 33,41 Prozent darunter.

Bärisches Szenario: Das Vakuum-Risiko

Das größte Risiko ist ein Nachfragevakuum nach dem Ende der Stützung. Die Kapitalerhöhung hat das Aktienangebot deutlich vergrößert. Zusätzlich lastet der volatile Raumfahrtsektor nach dem SpaceX-Börsengang im Juni auf der Stimmung.

Passen institutionelle Investoren ihre Positionen weiter an oder sichern sich stärker ab, könnte die 239,49-Euro-Marke fallen. Ein Rutsch unter den 200-Tage-Durchschnitt würde den Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 688,00 Euro vergrößern — aktuell liegt er bereits bei minus 63,66 Prozent.

Technisch würde sich dann sogar der Weg in Richtung des 52-Wochen-Tiefs von 64,00 Euro öffnen, wenn auch nur als Randszenario. Die hohe Volatilität zeigt: Der Markt hat noch keine klare Untergrenze für die Bewertung gefunden, solange die Verwässerungssorgen dominieren.

Ausblick: Die Woche ohne Netz

Kurzfristig dürfte die Aktie volatil bleiben, während sich ein neues Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage einstellt. Hält der Kurs die 239,49-Euro-Marke auf Schlusskursbasis, spricht das für eine technische Gegenbewegung — gestützt vom Rekord-Auftragsbuch. Rutscht die Aktie nachhaltig darunter, dürfte sich der Abwärtstrend fortsetzen.

Der nächste konkrete Test kommt bereits in der nächsten Handelswoche, wenn das Stabilisierungskonsortium erstmals nicht mehr eingreifen kann. Parallel richtet sich der Blick auf kommende Zwischenberichte: Sie müssen zeigen, ob die operative Marge mit der steigenden Gesamtleistung mithält. Die aktuelle Marktkapitalisierung von 4,71 Milliarden Euro setzt voraus, dass Großprojekte wie IRIS² und die RAMSES-Mission ohne größere Verzögerungen vorankommen.

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250,00 EUR

+ 4,00 EUR +1,63 %
KGV 84,55
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,25 %
Marktkapitalisierung 4,74 Mrd. EUR
ISIN: DE0005936124 WKN: 593612

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