OHB: Analysten-Hochstufung vor Milliarden-Auftrag
OHB erhielt einen Auftrag über knapp eine Milliarde Euro, doch die Aktie bleibt unter Druck. Der Quartalsbericht am 12. November wird wichtig.

Kurz zusammengefasst
- Oddo BHF hebt OHB auf Kaufen
- SES-Auftrag umfasst 18 Satellitenplattformen
- Aktie 73 Prozent unter Jahreshoch
- Quartalszahlen folgen am 12. November
Die Analysten von Oddo BHF haben ihre Einschätzung zu OHB Ende August von „Neutral“ auf „Kaufen“ angehoben. Die Hochstufung kam nur wenige Tage vor dem milliardenschweren IRIS²-Auftrag der Bremer Raumfahrtgruppe und rückt nun erneut in den Fokus, da sich die Frage stellt, ob die Kursschwäche der vergangenen Wochen fundamental gerechtfertigt ist.
Auftragslage bleibt Rückenwind
Erst am vergangenen Dienstag hatte OHB über den Abschluss eines Vertrags mit SES S.A. berichtet, der den Bau von 18 Satellitenplattformen für das europäische Konnektivitätsprogramm IRIS² im Umfang von knapp einer Milliarde Euro umfasst.
Reuters bezeichnete den Auftrag als wichtigsten aktuellen Kurstreiber für die Aktie. Seit der Meldung hat sich der Kurs um 1,9 Prozent bewegt – eine im Vergleich zur Auftragsgröße verhaltene Reaktion, die zeigt, wie stark charttechnische Faktoren derzeit gegen die operativen Nachrichten wirken.
Bereits Anfang August hatte OHB laut dpa für das zweite Halbjahr mit weiterem Wachstum gerechnet. Diese Aussage bekommt durch den SES-Auftrag zusätzliches Gewicht, denn IRIS² zählt zu den strategisch bedeutendsten Programmen der europäischen Raumfahrtindustrie und sichert dem Unternehmen über mehrere Jahre Kapazitätsauslastung.
Kursverlauf zeigt tiefe Gräben zwischen Nachrichtenlage und Bewertung
Trotz der positiven Meldungen notiert die Aktie aktuell rund 73 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 688,00 Euro, das im Mai erreicht wurde. Gestern schloss das Papier bei 186,40 Euro, nach einem Tagesplus von 4,6 Prozent – ein Hinweis darauf, dass Anleger einzelne positive Nachrichten durchaus honorieren, das grundsätzliche Vertrauen aber noch nicht zurückgekehrt ist. Der Volatilitätswert von annualisiert 77 Prozent unterstreicht, wie nervös der Handel in der Aktie derzeit verläuft.
Die Aufnahme in den SDax vor gut drei Wochen, mit der OHB den Platz von Klöckner übernahm, hatte kurzfristig für Aufmerksamkeit gesorgt, konnte den Abwärtstrend seither aber nicht stoppen. Die Kapitalerhöhung, die vor über einem Monat beschlossen wurde, lastet als strukturelle Belastung weiter auf dem Kurs und erklärt einen Teil der Diskrepanz zwischen operativer Auftragslage und Aktienbewertung.
Blick auf die kommenden Wochen
Für Anleger dürfte der 12. November richtungsweisend werden: An diesem Tag will OHB seine Zahlen zum dritten Quartal vorlegen. Erst dann wird sich zeigen, ob sich der IRIS²-Auftrag bereits in der Guidance niederschlägt und ob das von OHB für das zweite Halbjahr in Aussicht gestellte Wachstum tatsächlich Substanz gewinnt. Bis dahin bleibt die Aktie ein Fall, bei dem fundamentale Auftragsnachrichten und charttechnische Schwäche unversöhnlich nebeneinanderstehen.
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