OHB: Kurs springt 8,9 Prozent nach SES-Auftrag
Der Vertrag mit SES treibt OHB an der Börse nach oben, während Analysten weitere Kurschancen sehen und das EU-Programm vor dem Start steht.

Kurz zusammengefasst
- SES vergibt Auftrag über knapp eine Milliarde Euro
- OHB-Aktie steigt um 8,9 Prozent
- 18 Satellitenplattformen für mittlere Erdumlaufbahn
- Analysten nennen Kursziele bis 290 Euro
OHB hat am Montag einen Großauftrag im europäischen Satellitenprogramm IRIS² erhalten. Der Bremer Raumfahrtkonzern unterzeichnete mit SES einen Vertrag über knapp eine Milliarde Euro für den Bau von 18 Satellitenplattformen im mittleren Erdorbit. Es ist der erste Großauftrag, der aus der EU-Konzession für das Sicherheitsnetzwerk vergeben wurde.
Die Aktie reagierte deutlich: Am Montag schloss das Papier bei 208,50 Euro, ein Plus von 8,9 Prozent. Damit setzte sich eine Erholung fort, nachdem der Kurs zuvor innerhalb weniger Handelstage rund 18 Prozent verloren hatte. Der Auftrag markiert für viele Beobachter das vorläufige Ende dieser Korrekturphase.
Satelliten für ein europäisches Gegenprogramm
Die 18 Satelliten sollen jeweils 15 Kilowatt Leistung liefern und eine Startmasse von 2,6 Tonnen haben. Sie sind Teil des insgesamt 348 Satelliten umfassenden IRIS²-Programms, dessen Gesamtkosten mit 15,6 Milliarden Euro beziffert werden.
Die EU positioniert das Netzwerk als sichere Kommunikationsinfrastruktur und als Antwort auf private Anbieter wie Starlink. Erste Starts sind für 2029 geplant, die Dienste sollen ab 2030 verfügbar sein. SES steuert dem Programm nach eigenen Angaben bis zu 1,3 Milliarden Euro bei.
OHB-Chef Marco Fuchs betonte im Zusammenhang mit dem Auftrag die strategische Bedeutung für die Unabhängigkeit Europas in der Satellitenkommunikation. Der Auftrag reiht sich damit in eine Debatte um digitale und technologische Souveränität ein, die derzeit auch auf politischer Ebene in Deutschland und der EU geführt wird.
Analysten sehen weiteres Potenzial
Die Reaktion der Analysten fiel überwiegend positiv aus. Im August wurden zwei Kauf-Einstufungen für die OHB-Aktie vergeben. Oddo BHF nennt ein Kursziel von 290 Euro, Jefferies sieht das Papier bei 280 Euro. Im Durchschnitt liegt das Kursziel der Analysten bei 285 Euro, andere Häuser nannten zuletzt Kursmarken zwischen 250 und 360 Euro.
Trotz der jüngsten Erholung bleibt die Aktie von ihrem 52-Wochen-Hoch von 688,00 Euro, erreicht im Mai, weit entfernt – der Abstand beträgt rund 70 Prozent. Die deutliche Diskrepanz zwischen aktuellem Kurs und historischem Höchststand verdeutlicht, wie volatil das Jahr für OHB-Anleger bislang verlaufen ist. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 78 Prozent zu Buche.
Ausblick
Der IRIS²-Auftrag dürfte für OHB nicht nur unmittelbar umsatzwirksam werden, sondern auch als Referenz für künftige Vergaben im Rahmen des milliardenschweren EU-Programms dienen. Angesichts der Größenordnung von 348 geplanten Satelliten und der Tatsache, dass es sich um die erste Vergabe aus der Konzession handelt, dürften weitere Aufträge folgen.
Für Anleger bleibt die grundsätzliche Frage, ob sich das Unternehmen angesichts der hohen Kursschwankungen der vergangenen Monate als verlässlicher Nutznießer der europäischen Weltraumstrategie etabliert.
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