OHB: RFA-ONE-Start ab 1. Juli geplant
OHB verzeichnet Rekordaufträge und starkes Quartal, während der geplante Milliarden-Verkauf durch KKR vorerst scheitert.

Kurz zusammengefasst
- KKR-Blockverkauf vorerst gestoppt
- Rekordhoch beim Auftragsbestand
- RFA ONE Startfenster ab Juli
- Gewinn im ersten Quartal verdreifacht
Ein Vertrag mit Weltraumbezug, ein geplatzter Milliarden-Deal und ein Raketenstart in drei Wochen — bei OHB SE verdichten sich die Ereignisse gerade ungewöhnlich schnell.
HAMLET fliegt zum Asteroiden Apophis
Auf der ILA Berlin 2026 unterzeichneten OHB Italia und Cosine Remote Sensing den Vertrag für die Hyperspektralkamera HAMLET. Das Instrument soll im Rahmen der ESA-JAXA-Mission RAMSES den Asteroiden Apophis untersuchen — kurz vor seinem erdnahen Vorbeiflug im April 2029.
HAMLET nimmt Spektralbilder im sichtbaren Nah-Infrarot- und Kurzwellen-Infrarotbereich auf. Damit wollen Wissenschaftler die Oberflächenstruktur von Apophis erfassen, Weltraumverwitterungseffekte messen und die Regolith-Mobilität beobachten.
Der Hauptvertrag für den Bau der RAMSES-Sonde lief bereits im Februar. OHB Italia unterzeichnete ihn mit der ESA am Technologiezentrum ESTEC in den Niederlanden. Der Gesamtwert liegt bei rund 150 Millionen Euro — inklusive eines Vorvertrags aus Oktober 2024.
KKR-Platzierung: Timing trifft auf SpaceX
Hinter dem operativen Rückenwind steckt ein handfestes Kapitalmarktproblem. KKR hält rund 29 Prozent an OHB und wollte diesen Block am 12. Juni über die Börse verkaufen. Der Deal war auf über eine Milliarde Euro angesetzt.
Dann überraschte SpaceX die Märkte mit IPO-Plänen. Banken lenkten ihre Kapazitäten und Investorenaufmerksamkeit in Richtung des Mega-Deals — KKR legte die OHB-Platzierung in letzter Minute auf Eis.
Der Zeitdruck bleibt. Gelingt die Transaktion bis zum 30. Juni, steigt der Streubesitz von derzeit sechs Prozent auf rund 26 Prozent. Das wäre relevant: Die geringe Handelbarkeit verstärkt bislang die Kursschwankungen erheblich — eine annualisierte Volatilität von 149 Prozent spricht für sich.
Starkes Quartal, ambitionierte Ziele
Das operative Fundament ist solide. Im ersten Quartal 2026 stieg die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro. Das bereinigte EBITDA legte um 37 Prozent zu, der Nettogewinn verdreifachte sich nahezu.
Der Auftragsbestand erreichte mit 3,35 Milliarden Euro ein Rekordhoch. Für 2026 peilt das Management eine Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro an. Bis 2028 soll sie auf über 2,0 Milliarden Euro steigen — bei einer EBITDA-Marge von 11 Prozent.
Personell stellt sich OHB breiter auf. Dr. Luis Alejandro Orellano übernimmt ab 1. Juli als erster Chief Operating Officer. Er kommt von ThyssenKrupp Marine Systems, wo er U-Boot- und Fregatten-Programme leitete.
RFA ONE: Startfenster ab 1. Juli
Ein weiterer Impuls könnte aus Schottland kommen. OHB-Tochter Rocket Factory Augsburg hat für den 1. Juli ein Startfenster für den ersten Testflug der Trägerrakete RFA ONE beantragt.
Die OHB-Aktie notiert aktuell bei 411,50 Euro — ein Plus von rund 239 Prozent seit Jahresbeginn. Vom 52-Wochen-Hoch bei 688 Euro trennen die Aktie noch rund 40 Prozent.
Ob KKR die Platzierung bis zum 30. Juni schafft und ob RFA ONE beim ersten Versuch abhebt, sind zwei konkrete Wegmarken, an denen sich das zweite Halbjahr für OHB-Aktionäre entscheiden dürfte.
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