OHB SE Aktie: 18 Prozent Minus in sieben Tagen
OHB-Aktie verliert 18 Prozent binnen einer Woche. Branchenweiter Abverkauf, ein Großauftrag für die Konkurrenz und Bewertungsbedenken setzen dem Raumfahrtwert zu.

Kurz zusammengefasst
- Kursverlust von 18 Prozent in sieben Tagen
- Abverkauf trifft gesamte Raumfahrtbranche
- Belgischer Rivale erhält EU-Satellitenauftrag
- Auftragsbestand steigt auf 3,3 Milliarden Euro
Die OHB-Aktie gerät weiter unter Druck – diesmal trifft es die gesamte Weltraumbranche. Am Freitag rutschte das Papier um 2,8 Prozent auf 223,00 Euro ab, binnen sieben Tagen summiert sich der Rückgang auf 18 Prozent.
Anleger sollten den Kursverfall jedoch nicht isoliert auf OHB beziehen: Medienberichten zufolge trifft ein breiter Abverkauf von Space-Aktien derzeit die gesamte Branche, begünstigt durch schwache Sommersaisonalität, dünne Liquidität und historisch hohe Bewertungen im Sektor.
Konkurrenz sorgt für zusätzlichen Gegenwind
Verschärft wird die Stimmung durch Nachrichten von der Konkurrenz. Am Montag vergangener Woche berichteten Medien, dass der belgische Wettbewerber Aerospacelab offenbar einen Großauftrag für ein EU-Satellitennetz erhalten hat.
Die Meldung drückte nicht nur auf die Airbus-Aktie, sondern verunsicherte auch Anleger bei anderen europäischen Raumfahrtwerten – OHB eingeschlossen. Wer in den vergangenen Wochen auf eine schnelle Erholung gesetzt hatte, wurde damit erneut ausgebremst.
Die Gemengelage bleibt für OHB unübersichtlich. Auf der operativen Seite laufen die Geschäfte solide: Der Auftragsbestand lag zum Halbjahr bei 3,304 Milliarden Euro, nach 3,067 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Doch der Blick auf einzelne Segmente trübt das Bild.
Bei den Halbjahreszahlen vor gut drei Wochen war bereits aufgefallen, dass der Auftragseingang im zweiten Quartal unter den Erwartungen blieb und der Backlog im Bereich Space Systems sequenziell rückläufig war. Hinzu kommt eine weitere Verzögerung beim Jungfernflug der Rakete RFA One – Tank-Probleme zwangen dazu, die Rakete von der Startrampe zur Inspektion zu entfernen.
Bewertung nach starkem Lauf unter der Lupe
Der aktuelle Kursrutsch fügt sich in ein Muster, das Marktbeobachter schon im Frühjahr diskutierten: Eine Fair-Value-Analyse hatte die Aktie im Mai bei einem Kurs von 556 Euro als deutlich überbewertet eingestuft und einen fairen Wert von lediglich 264 Euro errechnet.
Die nachfolgenden Kursrückgänge in den Monaten Juni und Juli schienen diese Einschätzung zu bestätigen. Seit dem 52-Wochen-Hoch von 688,00 Euro, erreicht Ende Mai, hat sich der Kurs damit erheblich von seinen Höchstständen entfernt.
Trotz der jüngsten Schwäche bleibt die Jahresbilanz für OHB-Aktionäre beeindruckend: Seit Jahresbeginn steht immer noch ein Plus von 91 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sogar von 226 Prozent. Die Aktie hat damit einen außergewöhnlichen Lauf hinter sich, der Bewertungsfragen erst in dieser Größenordnung überhaupt relevant macht.
Fundamentaldaten intakt, Zeitplan bleibt entscheidend
Für die kommenden Monate bleibt entscheidend, ob OHB die bestätigte Jahresguidance mit einer bereinigten EBITDA-Marge von 10,5 bis 11,0 Prozent bei einer Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro erreicht.
Der nächste Quartalsbericht ist für den 12. November terminiert und dürfte zeigen, ob sich der schwache Auftragseingang aus dem zweiten Quartal fortsetzt oder ob neue Aufträge – etwa aus den ab 2027 erwarteten Verteidigungsprogrammen der Bundeswehr im Satellitenkommunikationsbereich – den Backlog wieder stabilisieren.
Bis dahin dürfte die Aktie weiter im Spannungsfeld zwischen soliden operativen Zahlen und einer nach dem starken Anstieg kritisch beäugten Bewertung gefangen bleiben.
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