OHB SE Aktie: 195 Millionen Cashflow-Minus
OHB verzeichnet Rekordauftragsbestand und Gewinnwachstum, leidet aber unter einem stark negativen freien Cashflow. Analysten bleiben dennoch zuversichtlich.

Kurz zusammengefasst
- Rekordauftragsbestand von 3,3 Milliarden Euro
- Bereinigtes EBITDA steigt um 31 Prozent
- Freier Cashflow fällt auf minus 195 Millionen
- Jefferies bestätigt Kaufempfehlung und Kursziel
OHB SE hat mit den Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 ein zwiespältiges Bild geliefert. Der Auftragsbestand kletterte zum 30. Juni auf ein Rekordniveau von 3.304 Millionen Euro, während die Gesamtleistung im ersten Halbjahr um 11 Prozent auf 627,9 Millionen Euro zulegte. Gleichzeitig rutschte der freie Cashflow deutlich tiefer ins Minus als im Vorjahr – ein Kontrast, der die Aktie trotz starker operativer Dynamik belastet.
Wachstum bei Umsatz und Ergebnis
Das bereinigte EBITDA stieg im ersten Halbjahr um 31 Prozent auf 60,4 Millionen Euro, wie das Unternehmen bei der Vorlage der Q2-Zahlen am Donnerstag vergangener Woche mitteilte. OHB bestätigte zugleich die Jahresprognose für 2026: Die Gesamtleistung soll bei rund 1.400 Millionen Euro liegen, die bereinigte EBITDA-Marge zwischen 10,5 und 11,0 Prozent.
Das Unternehmen verwies zudem auf einen erwarteten Höhepunkt beim Auftragseingang im zweiten Halbjahr sowie auf neue Partnerschaften im Umfeld deutscher Verteidigungsinitiativen, ohne dabei einen quantifizierten Einzelvertrag mit namentlich genannter Gegenpartei zu nennen.
Cashflow als Kehrseite des Wachstums
Der freie Cashflow lag im ersten Halbjahr bei minus 195 Millionen Euro, nach minus 101 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. OHB begründete den Rückgang mit saisonalen Effekten im Working Capital.
Für Anleger bleibt die Kennzahl dennoch ein Warnsignal: Ein wachsender Auftragsbestand bindet zunächst Kapital, bevor er sich in Zahlungseingängen niederschlägt. Genau diese Vorleistung dürfte den negativen Cashflow erklären, macht die Wachstumsstory aber auch kapitalintensiver.
Finanziell abgesichert hat sich OHB bereits im Juni mit einer Kapitalerhöhung über 484 Millionen Euro, die das Unternehmen in der Ergebnispräsentation als bereits vollzogen bestätigte. Diese Mittel dürften nun einen Teil der Working-Capital-Belastung auffangen und die weitere Auftragsabarbeitung finanzieren.
Analysteneinschätzung nach den Zahlen
Jefferies bestätigte am Dienstag vergangener Woche im Nachgang zur Q2-Berichterstattung die Einstufung „Buy“ für OHB und beließ das Kursziel bei 280 Euro. Damit signalisiert das Analysehaus trotz der Cashflow-Belastung weiterhin Vertrauen in die operative Entwicklung des Unternehmens.
Kurs unter Vormonatsniveau
Die OHB-Aktie schloss am Freitag bei 257,00 Euro, ein Minus von 1,0 Prozent auf Tagesbasis. Damit notiert das Papier rund 12 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 293,25 Euro – ein Zeichen dafür, dass der jüngste Kursverlauf hinter der mittelfristigen Handelsspanne zurückbleibt.
Auf Sicht von zwölf Monaten steht dennoch ein Plus von 269 Prozent zu Buche, getragen von der Neubewertung des Raumfahrt- und Verteidigungssegments im laufenden Jahr.
Die Kombination aus Rekordauftragsbestand, bestätigter Jahresprognose und frisch bestätigtem Analystenvotum steht damit einem belastenden Cashflow-Effekt gegenüber, den das Unternehmen selbst auf saisonale Working-Capital-Effekte zurückführt. Ob sich diese Belastung im zweiten Halbjahr auflöst, dürfte für die weitere Kursentwicklung entscheidender sein als die reine Auftragsbestandszahl.
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