OHB SE Aktie: Aerospacelab erhält größten Iris²-Anteil
OHB sichert sich knapp eine Milliarde Euro für 18 Satelliten im EU-Projekt Iris². Der Großteil geht an Aerospacelab.

Kurz zusammengefasst
- OHB baut 18 MEO-Satelliten
- Aerospacelab erhält größten Auftragsanteil
- Airbus geht bei diesem Los leer aus
- OHB-Aktie steigt um 132 Prozent
OHB darf sich über ein Milliardengeschäft freuen, muss sich die größere Beute im europäischen Satelliten-Sicherheitsprojekt Iris² aber mit einem Konkurrenten teilen, der bislang kaum bekannt war. Die Bremer fertigen künftig 18 MEO-Satelliten für das EU-Programm, der Auftragswert liegt bei knapp einer Milliarde Euro.
Den Löwenanteil sichert sich jedoch das belgische Start-up Aerospacelab mit 264 der insgesamt 348 geplanten Satelliten, bei einem Auftragswert von mindestens 1,8 Milliarden Euro. Airbus, lange als sicherer Gewinner gehandelt, geht bei diesem Baulos leer aus und erhält nur 66 sogenannte Mil-Ka-Satelliten.
Für OHB ist der Zuschlag dennoch ein wichtiger strategischer Erfolg. Die Aktie hat allein in der vergangenen Woche mehr als 15 Prozent zugelegt, am gestrigen Montag stand am Ende ein Plus von 5,5 Prozent auf 271,00 Euro. Über die vergangenen sieben Handelstage summiert sich der Kursgewinn auf 9,7 Prozent, seit Jahresbeginn steht bei OHB nun ein Plus von 132 Prozent zu Buche.
Fließbandfertigung als Wettbewerbsvorteil für Aerospacelab
Dass ausgerechnet Aerospacelab den größten Batzen des Iris²-Auftrags erhält, überrascht viele Marktbeobachter. Das Unternehmen hat bislang erst zehn Satelliten im Orbit platziert, setzt nach Medienberichten aber konsequent auf eine Fließbandfertigung, die deutlich günstigere Stückkosten verspricht als die traditionelle Einzelfertigung etablierter Anbieter wie OHB oder Airbus.
Die ersten Satelliten des Programms sollen 2029 starten, der reguläre Betrieb ist ab 2030 vorgesehen. Für Airbus bedeutete die Nachricht gestern einen leichten Kursrückgang um 0,16 Prozent auf 215,05 Euro – ein überschaubarer Dämpfer, der aber die Erwartungshaltung im Markt widerspiegelt, wonach die Etablierten künftig stärker um Aufträge konkurrieren müssen.
Für OHB selbst zählt der MEO-Auftrag zu einer ganzen Serie positiver Nachrichten der vergangenen Wochen. Erst kürzlich hatte das Unternehmen eine milliardenschwere Kapitalerhöhung abgeschlossen, bei der mehr als 200 Investoren zeichneten und Hauptaktionäre auf ihre Bezugsrechte verzichteten. Der Auftragsbestand des Konzerns lag zuletzt bei rund 3,19 Milliarden Euro, das Umsatzwachstum bei etwa 21 Prozent.
Analysten sehen trotz starker Rallye weiteres Potenzial
Trotz der bereits gelaufenen Kursrallye rechnen Analysten OHB zufolge weiterhin mit Aufwärtspotenzial für die Aktie. Der jüngste Kursverlauf zeigt allerdings auch, wie volatil das Papier inzwischen gehandelt wird: Die 30-Tage-Volatilität liegt annualisiert bei 54 Prozent.
Zum bisherigen 52-Wochen-Hoch von 688,00 Euro, erreicht im Mai, fehlen der Aktie derzeit noch 61 Prozent – ein Hinweis darauf, dass der Markt die aktuelle Bewertung deutlich vorsichtiger einschätzt als noch vor einigen Monaten.
Für Anleger bleibt die zentrale Frage, ob OHB seinen Platz im europäischen Raumfahrtmarkt gegenüber aggressiv kalkulierenden Newcomern wie Aerospacelab langfristig behaupten kann. Der jüngste Auftrag zeigt: Das Unternehmen bleibt gefragt, muss sich aber zunehmend mit neuen Wettbewerbern um die größten Lose der europäischen Weltraumprogramme messen.
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