OHB SE Aktie: Rekordauftragsbestand bei 3,35 Milliarden
OHB-Aktionäre bangen um Anteilswert durch mögliche Kapitalerhöhung, während KKR seinen Ausstieg plant. Operativ laufen Großprojekte.

Kurz zusammengefasst
- Verwässerungsrisiko von bis zu 20 Prozent
- KKR-Ausstieg erhöht Angebotsdruck
- Montage für RAMSES-Mission gestartet
- Rekordauftragsbestand von 3,35 Milliarden Euro
Der Raumfahrtkonzern OHB startet gerade die Montage eines Raumfahrzeugs für eine historische Asteroidenmission. Zeitgleich droht Aktionären eine massive Verwässerung — und ein Großaktionär will raus. Eine ungemütliche Kombination.
KKR-Ausstieg und Wandelanleihen belasten
Am Montag tagt die Hauptversammlung. Auf der Tagesordnung steht eine Ermächtigung, Wandel- oder Optionsschuldverschreibungen bis zu einem Gesamtnennbetrag von 1,2 Milliarden Euro auszugeben. Altaktionäre könnten dabei vom Bezugsrecht ausgeschlossen werden. Das entspricht einem potenziellen Verwässerungsrisiko von bis zu 20 Prozent des aktuellen Grundkapitals. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz empfiehlt, gegen mehrere dieser Tagesordnungspunkte zu stimmen.
Hinzu kommt der geplante Ausstieg von KKR. Der Finanzinvestor hält rund 29 Prozent der Anteile und will einen Großteil davon bis Ende Juni verkaufen. Das würde den Streubesitz von derzeit rund 6 Prozent auf etwa 26 Prozent steigen lassen. Mehr Handelbarkeit — aber auch mehr Angebotsdruck.
Der Kurs reagiert bereits. Am Freitag verlor die Aktie 9,15 Prozent auf 372,50 Euro. Auf Wochensicht beträgt das Minus fast 15 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 688,00 Euro ist der Kurs damit fast 46 Prozent entfernt.
RAMSES und RFA: Operative Stärke als Gegengewicht
Das operative Bild erzählt eine andere Geschichte. Am 4. Juni begann OHB in Bremen mit der Montage des Core Modules für die RAMSES-Mission. Das Projekt ist eine Kooperation von ESA und JAXA. Ziel ist der Asteroid Apophis, der im April 2029 an der Erde vorbeifliegt. Der ESA-Vertrag mit OHB Italia hat ein Volumen von 81,2 Millionen Euro. Die Zusammenführung mit dem Antriebsmodul der ArianeGroup plant OHB für Anfang 2027.
Ab dem 1. Juli öffnet sich das Startfenster für die Trägerrakete RFA ONE der Rocket Factory Augsburg — einem Unternehmen, an dem OHB beteiligt ist. Der Start soll vom schottischen SaxaVord Spaceport erfolgen. Ein Erfolg würde OHBs Abhängigkeit von externen Raketen im Kleinsatellitengeschäft deutlich reduzieren.
Der Auftragsbestand untermauert die operative Stärke: Zum 31. März 2026 erreichte er mit 3,35 Milliarden Euro ein Rekordniveau. Für 2026 plant OHB eine Gesamtleistung von 1,4 Milliarden Euro — mit klarer Wachstumstrajektorie auf über 2,0 Milliarden Euro bis 2028.
Zwei Geschichten, ein Kurs
Trotz des jüngsten Einbruchs liegt die Aktie seit Jahresbeginn noch rund 207 Prozent im Plus. Das zeigt, wie stark die Raumfahrt-Rally war — und wie viel Luft der Kurs nach oben hatte.
Die Hauptversammlung am Montag wird zeigen, wie Aktionäre auf die Verwässerungspläne reagieren. Parallel läuft auf der ILA Berlin vom 10. bis 14. Juni die nächste Bühne: OHB will dort voraussichtlich neue Missionsverträge präsentieren. Ob das den Verkaufsdruck durch KKR kompensieren kann, hängt auch davon ab, zu welchem Preis und in welcher Form die Platzierung letztlich läuft.
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