OHB SE Aktie: Warnt vor Lieferketten-Konsolidierung

OHB steigert den Auftragsbestand auf rund 3,3 Milliarden Euro, während schwache Margen und eine mögliche Lieferketten-Konsolidierung belasten.

Eduard Altmann ·
Abstrakte Darstellung einer modernen Luft- und Raumfahrt-Fertigungsanlage mit Fokus auf hochpräzise Industriekomponenten. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Auftragsbestand erreicht rund 3,3 Milliarden Euro
  • IRIS² bringt Auftrag für 18 Satellitenplattformen
  • Aktie verliert binnen 30 Tagen rund 30 Prozent
  • Fusion großer Raumfahrtsparten sorgt für Unsicherheit

OHB kämpft mit einem strukturellen Problem, das der jüngste Großauftrag nicht löst: Der Auftragsbestand des Bremer Raumfahrt- und Rüstungskonzerns wächst auf ein Rekordniveau von rund 3,3 Milliarden Euro, doch die Profitabilität hält mit diesem Wachstum nicht Schritt. Das ist die eigentliche Frage, die Anleger derzeit umtreibt – nicht die Auftragsvergabe selbst, sondern was am Ende davon unten in der Gewinn- und Verlustrechnung ankommt.

Volle Bücher, dünne Margen

Der SES-Auftrag für 18 Satellitenplattformen im Rahmen des europäischen IRIS²-Programms hat den Auftragsbestand zwar kräftig aufgebläht. Analysten weisen jedoch darauf hin, dass ein wachsender Bestand allein noch keine bessere Ertragslage bedeutet.

Große, komplexe Satellitenprogramme sind in der Raumfahrtindustrie traditionell margenschwach, gerade in der Anlaufphase, wenn Entwicklungsrisiken und Fixkosten hoch sind.

Für OHB bleibt damit die entscheidende Frage offen, ob sich das Wachstum des Auftragsbuchs in den kommenden Jahren tatsächlich in einer verbesserten operativen Marge niederschlägt oder ob das Unternehmen weiterhin mit dünnen Deckungsbeiträgen kalkulieren muss.

Die Kapitalmarktreaktion spiegelt diese Skepsis wider. Die Aktie hat in den vergangenen 30 Tagen rund 30 Prozent verloren und notiert mit 177,60 Euro klar unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 245,91 Euro. Der RSI von 31 signalisiert eine überverkaufte Situation, ein Signal, das Anleger allerdings nicht automatisch als Kaufgelegenheit werten sollten, solange die Margenfrage ungeklärt bleibt.

Warnung vor Konsolidierung in der Lieferkette

Zusätzliche Unsicherheit bringt eine strukturpolitische Debatte auf europäischer Ebene ins Spiel. Im Zuge von Überlegungen der europäischen Weltraumorganisation ESA, ab 2027 die Startkadenz von Ariane-6- und Vega-C-Trägern deutlich zu erhöhen, um steigende Satellitennachfrage zu bedienen, hat OHB laut Reuters vor einer möglichen Schwächung der Lieferkette gewarnt.

Hintergrund ist die geplante Fusion der Raumfahrtsparten von Airbus, Thales und Leonardo. Eine solche Konsolidierung könnte aus Sicht von OHB die Zahl unabhängiger Zulieferer und Wettbewerber in Europa verringern – ein Risiko gerade für ein Unternehmen, das selbst als mittelgroßer Anbieter auf ein diversifiziertes Zuliefernetzwerk angewiesen ist.

Was das für Anleger bedeutet

Die Gemengelage ist damit doppelbödig: Auf der einen Seite sichert sich OHB mit dem IRIS²-Programm und dem wachsenden Auftragsbestand eine langfristige Auslastung, die dem Unternehmen strategische Sichtbarkeit in einem der wichtigsten europäischen Zukunftsprojekte verschafft – der angestrebten Unabhängigkeit von US-Anbietern wie Starlink bei der Satellitenkommunikation.

Auf der anderen Seite bleibt unklar, wie profitabel dieses Wachstum tatsächlich ist, und die drohende Neuordnung der europäischen Raumfahrtindustrie durch die Fusion der großen Wettbewerber schafft zusätzliche Unsicherheit über OHBs künftige Position in der Lieferkette.

Für die Aktie, die binnen zwölf Monaten dennoch um 155 Prozent zugelegt hat, dürfte die Marge in den kommenden Quartalsberichten zum entscheidenden Prüfstein werden.

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OHB SE Aktie

176,80 EUR

+ 0,60 EUR +0,34 %
KGV 77,96
KUV 2,88
Sektor Industrieunternehmen
Div.-Rendite 0,34 %
Marktkapitalisierung 3,40 Mrd. EUR
Ø Kursziel 301,44 EUR
ISIN: DE0005936124 WKN: 593612

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