OHB SE: Gewinn je Aktie springt auf 0,52 Euro
OHB verzeichnet Rekordauftragsbestand und plant Raketentest. Enger Streubesitz und KKR-Platzierung prägen die Kursentwicklung.

Kurz zusammengefasst
- Raketentest für Juli beantragt
- Auftragsbestand auf Rekordniveau
- Gewinn je Aktie stark gestiegen
- KKR-Transaktion könnte Streubesitz erhöhen
Drei Termine in knapp neun Wochen könnten die OHB-Aktie neu bewerten — oder sie erneut unter Druck setzen. Der Bremer Raumfahrtkonzern verbindet einen technischen Meilenstein mit operativen Rekordwerten, kämpft aber mit einer strukturellen Schwäche, die jeden Kursimpuls verzerrt.
RFA ONE: Erster Testflug für 1. Juli beantragt
Die Raketentochter Rocket Factory Augsburg hat ein konkretes Startfenster für den 1. Juli beantragt. An Bord der RFA ONE: sieben Satelliten verschiedener Organisationen, koordiniert durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Die Triebwerkstests der Helix-Motoren laufen bereits in Kiruna, ein Fahrzeug steht in der Integrationshalle von SaxaVord.
OHB selbst dämpft die Erwartungen — historisch gelingen erste Flüge neuer Trägersysteme in weniger als 30 Prozent der Fälle. Für die Konzernrechnung spielt der Raketenbereich ohnehin noch eine Nebenrolle: RFA wird at equity konsolidiert und taucht damit nicht direkt in der Mittelfrist-Guidance auf. Langfristig ist das Potenzial größer: Ab 2028 soll die Serienproduktion anlaufen, mittelfristig sind bis zu 25 Starts pro Jahr geplant.
Rekordauftragsbestand stützt das Kerngeschäft
Das operative Fundament ist deutlich solider als die jüngste Kursschwäche vermuten lässt. Im ersten Quartal 2026 stieg die Gesamtleistung um 15 Prozent auf 279,3 Millionen Euro, das bereinigte EBITDA legte um 37 Prozent auf 27,3 Millionen Euro zu. Der Gewinn je Aktie kletterte auf 0,52 Euro — ein Plus von 165 Prozent.
Der Auftragsbestand erreichte zum 31. März ein neues Allzeithoch von 3,35 Milliarden Euro, 45 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Den Löwenanteil trägt das Segment Space Systems mit 2,68 Milliarden Euro, gespeist von ESA-Programmen und wachsenden Verteidigungsbudgets. Space Systems steht für 76 Prozent der Segment-Gesamtleistung — der Raketenbereich ist strategisch wichtig, aber noch kein Ergebnistreiber.
Für die Mittelfrist hat das Management konkrete Ziele formuliert: 1,4 Milliarden Euro Gesamtleistung für 2026, 1,7 Milliarden für 2027 und mehr als 2,0 Milliarden Euro bis 2028 — bei einer angestrebten EBITDA-Marge von 11 Prozent.
Streubesitz-Problem und die KKR-Frage
Dass ein Sell-off von lediglich 800 Aktien den Kurs spürbar bewegen kann, zeigt das eigentliche Strukturproblem. Nur 5,68 Prozent der 19,15 Millionen Aktien liegen im Streubesitz — OHB ist extrem eng handelbar.
Auslöser der jüngsten Kursschwäche war die vorerst gestoppte großvolumige Aktienplatzierung durch KKR. Der Finanzinvestor hält aktuell 29 Prozent und will rund 20 Prozentpunkte am Markt platzieren. Die Gründerfamilie Fuchs behält dabei ihre Mehrheit von 65 Prozent der Stimmrechte. Läuft die Transaktion bis Ende Juni, würde der Streubesitz von rund sechs auf 26 Prozent steigen — mit deutlich weniger Kursausschlägen als Folge.
Den nächsten Takt geben die virtuelle Hauptversammlung am 8. Juni, das RFA-ONE-Startfenster ab 1. Juli und die Q2-Ergebnisse am 6. August vor. Gelingt der Raketenstart, könnte das die KKR-Platzierung beschleunigen — und damit das Streubesitz-Problem lösen, das bisher jeden positiven Impuls verzerrt.
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