OMV stemmt milliardenschwere Abschreibungen, warnt politisch vor einer Regulierungsfalle – und hält den Aktienkurs dennoch erstaunlich stabil. Im Hintergrund treibt der Konzern zugleich den Umbau vom Öl- und Gasproduzenten zum Chemie- und Recycling-Spezialisten voran. Die Mischung aus Belastungen und strategischen Weichenstellungen prägt aktuell das Bild.
Kurs robust trotz Abschreibungen
Die Aktie notiert heute bei rund 49,48 Euro und liegt damit knapp über dem Vortag. Auf Sicht von zwölf Monaten ergibt sich trotz zwischenzeitlicher Rücksetzer ein deutliches Plus von knapp 26 Prozent. Vom 52‑Wochen-Hoch bei 55 Euro ist der Titel derzeit rund 10 Prozent entfernt.
Auffällig: Die zuletzt angekündigte Wertberichtigung von rund 700 Millionen Euro hat den Kurs bisher nicht aus der Bahn geworfen. Statt eines deutlichen Rückschlags zeigt sich der Wert vergleichsweise stabil. Das passt zur Struktur der Belastung: Es handelt sich um nicht zahlungswirksame Abschreibungen auf Vermögenswerte in Rumänien, Tunesien und Neuseeland.
Die zentralen Punkte der Sonderbelastung im Überblick:
- Volumen: rund 700 Millionen Euro, nicht cash-wirksam
- Betroffene Assets: Standorte in Rumänien, Tunesien und Neuseeland
- Auswirkungen: Minderung des berichteten Ergebnisses, aber keine Belastung des für die Dividende relevanten bereinigten operativen Ergebnisses (Clean CCS)
Im Markt kommt an, dass der operative Cashflow damit unberührt bleibt. Anleger richten den Blick daher stärker auf die strategische Entwicklung als auf den einmaligen Ergebniseffekt.
CEO warnt vor „Innovator’s Dilemma“
Deutlich wurde CEO Alfred Stern am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos. Er kritisierte die aktuelle und geplante Regulierung im Kunststoff-Recycling und sprach von einem „Innovator’s Dilemma“: Neue Verfahren müssten gegen hocheffiziente, über Jahrzehnte optimierte Lieferketten antreten, gleichzeitig drohe ihnen durch zu strikte Vorgaben die Luft auszugehen.
Kernpunkte seiner Botschaft:
- Recycling ist oft teurer als Neu-Produktion von Plastik
- Reine Verbote und starre Vorgaben könnten neue Technologien abwürgen
- Gefordert werden finanzielle Anreize und tragfähige Sammelsysteme
- Leitbild: „Abfall sollte Rohstoff sein“
Für OMV bleibt das nicht Theorie. Die Chemie-Tochter Borealis investiert derzeit massiv in den Ausbau von Kapazitäten für recycelbare Kunststoffe, unter anderem rund 49 Millionen Euro am Standort Burghausen. Damit unterstreicht der Konzern, dass die politische Debatte direkten Einfluss auf konkrete Projekte und künftige Ertragsquellen hat.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Omv?
Strategischer Deal im Schwarzen Meer
Operativ meldet OMV Fortschritte in der Exploration. Im Offshore-Projekt „Han Asparuh“ im Schwarzen Meer steigt die staatliche Bulgarian Energy Holding (BEH) mit einem Anteil von 10 Prozent ein. Die OMV-Tochter OMV Petrom bleibt mit 45 Prozent Operator, Partner NewMed Energy hält ebenfalls 45 Prozent.
Der Einstieg von BEH hat mehrere Effekte:
- Verteilung der finanziellen Risiken der Offshore-Exploration
- Stärkung des politischen Rückhalts in der Region
- Signal, dass das Projekt langfristig getragen wird
Gerade bei kostenintensiven Offshore-Vorhaben spielt die Beteiligung eines lokalen Staatskonzerns eine wichtige Rolle. Sie erleichtert Genehmigungen, sichert Unterstützung auf Regierungsebene und reduziert das Klumpenrisiko für die bisherigen Partner.
Chemie-Fusion als nächste Etappe
Parallel arbeitet OMV an der Neuordnung des Chemiegeschäfts. Im Fokus steht die geplante Fusion der Beteiligungen Borealis, Borouge und Nova Chemicals. Die Umsetzung ist für das erste Quartal 2026 vorgesehen, die Vorbereitungen laufen bereits.
Aus Sicht des Konzerns soll damit der Wandel vom klassischen Öl- und Gasunternehmen hin zu einem breiter aufgestellten Chemie- und Recycling-Anbieter vorangetrieben werden. Die jüngsten Aussagen zur Kreislaufwirtschaft und die Investitionen in Recycling-Kapazitäten fügen sich in dieses Bild.
Fazit: Transformation puffert Sondereffekte
Unterm Strich zeigt die OMV Aktie eine stabile Verfassung, obwohl die 700-Millionen-Abschreibung das berichtete Ergebnis merklich dämpft. Ausschlaggebend ist, dass der Cashflow und das bereinigte operative Ergebnis davon unberührt bleiben und die Belastung klar als Sondereffekt erkennbar ist.
Gleichzeitig setzt das Management mit dem Einstieg von BEH im Schwarzen Meer, den Investitionen bei Borealis und der Vorbereitung der Chemie-Fusion sichtbare Akzente. Für die weitere Kursentwicklung dürften vor allem zwei Punkte entscheidend sein: der Fortschritt bei der geplanten Bündelung des Chemiegeschäfts und der politische Rahmen für Recycling-Technologien, den CEO Stern in Davos so deutlich adressiert hat.
Omv-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Omv-Analyse vom 23. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Omv-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Omv-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 23. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Omv: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
