Oracle Aktie: 300 Milliarden Dollar Wette auf OpenAI

Oracles Cloud-Wachstum explodiert, doch die 300-Milliarden-Wette auf OpenAI und hohe Schulden sorgen für Kursschwankungen. Analysten bleiben gespalten.

Redaktion Stock-World ·
Modernes Rechenzentrum mit leuchtenden Server-Racks als Symbol für Cloud-Infrastruktur und künstliche Intelligenz. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Cloud-Umsatz steigt um 93 Prozent
  • Auftragsbestand wächst auf 638 Milliarden
  • Hohe Verschuldung durch KI-Infrastruktur
  • Analysten sehen Kurspotenzial bis 330 Dollar

Es gibt Wetten, die so groß sind, dass man sie kaum noch als Investition bezeichnen kann. Oracle ist gerade so eine Wette eingegangen: 300 Milliarden Dollar über fünf Jahre, gebunden an einen einzigen Kunden namens OpenAI. Wer verstehen will, warum die Aktie seit Wochen so heftig schwankt, muss über Quartalszahlen hinausdenken – und über das gesamte Finanzierungsmodell der KI-Branche.

Die reinen Geschäftszahlen klingen zunächst beeindruckend. Der Cloud-Infrastruktur-Umsatz legte im vierten Quartal um 93 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar zu, die Auftragsbestände (RPO) explodierten um 363 Prozent auf 638 Milliarden Dollar. Das ist die Art von Wachstum, für die Wall Street sonst Champagner köpft.

Nur: Oracle hat dafür auch kräftig zur Kasse gebeten – 48 Milliarden Dollar neue Schulden, ein operativer Cashflow von 32 Milliarden Dollar, dem ein negativer freier Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar gegenübersteht. Das Unternehmen wächst, aber es finanziert dieses Wachstum zu einem erheblichen Teil auf Pump.

Wenn der Kunde selbst zum Risiko wird

Genau hier setzt eine kritische Analyse an, die aktuell die Runde macht: Die gesamte Kapitalaufwendungswelle der Hyperscaler beruhe zunehmend auf sogenannter Vendor-Finanzierung – Anbieter wie Oracle stecken Kapital in Infrastruktur, die im Kern von den Zahlungsversprechen eines einzigen Großkunden abhängt.

Die außerbilanziellen Verbindlichkeiten der Branche sollen bereits die Marke von drei Billionen Dollar überschritten haben. Ab 2027 muss OpenAI beginnen, seinen Teil der Vereinbarung zu erfüllen.

Bis dahin bleibt die Frage im Raum stehen: Was passiert, wenn ein KI-Unternehmen, dessen eigenes Geschäftsmodell noch nicht durchgehend profitabel ist, plötzlich Rechnungen in Milliardenhöhe begleichen muss?

Diese Unsicherheit erklärt einen Teil der wilden Kursbewegungen der vergangenen Monate. Wer nur auf den Wachstumsteil der Geschichte schaut, sieht ein Unternehmen im Zentrum der KI-Revolution. Wer auf die Bilanzstruktur schaut, sieht ein Unternehmen, das sich immer tiefer in die Abhängigkeit von einem einzigen Partner begibt.

Der Markt bleibt gespalten

Auf der Analystenseite gibt es trotzdem keinen Mangel an Optimismus. Citi-Analyst Tyler Radke hat die Aktie kürzlich auf seine 90-Tage-Catalyst-Watch-Liste gesetzt und ein Kursziel von 330 Dollar bestätigt – deutlich über dem aktuellen Niveau.

Auch abseits der reinen KI-Wette gibt es Substanz: Oracle hat seinen Vertrag mit dem Bundesstaat Virginia auf 27 Milliarden Dollar ausgeweitet, ein Beleg dafür, dass das klassische Cloud- und Behördengeschäft weiterläuft, während im Hintergrund die große KI-Wette tickt.

Bewertungstechnisch notiert Oracle mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 25 deutlich unter dem Softwaresektor-Durchschnitt von etwa 31 und weit unter vergleichbaren Wachstumswerten mit über 44 – ein Modell sieht sogar einen fairen Wert oberhalb des 58-fachen Gewinns.

An der Börse in Deutschland zeigt sich diese Spannung zwischen Wachstumsversprechen und Bilanzrisiko in einem Kurs, der gestern um 3,1 Prozent auf 127,86 Euro zulegte und binnen 30 Tagen bereits 21 Prozent gewonnen hat. Der Blick auf ein Jahr relativiert die jüngste Erholung allerdings deutlich: Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 23 Prozent zu Buche.

Oracle balanciert derzeit auf einem schmalen Grat zwischen zwei Erzählungen. Die eine handelt von einem Softwarekonzern, der sich mutig an die Spitze der KI-Infrastruktur katapultiert hat und dafür mit explodierenden Auftragsbüchern belohnt wird.

Die andere handelt von einem Unternehmen, das seine Zukunft an die Zahlungsfähigkeit eines einzigen, noch jungen Kunden geknüpft hat – und an ein Finanzierungsmodell, dessen Belastbarkeit erst ab 2027 wirklich getestet wird. Beide Geschichten sind wahr. Welche am Ende überwiegt, entscheidet sich nicht in den nächsten Wochen, sondern in den nächsten Jahren.

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Oracle Aktie

112,50 EUR

+ 0,62 EUR +0,55 %
KGV 20,25
KUV 5,73
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,55 %
Marktkapitalisierung 411,34 Mrd. USD
Ø Kursziel 237,36 USD
ISIN: US68389X1054 WKN: 871460

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