Oracle Aktie: 55,7 Milliarden investieren
Trotz Rekordumsatz und gigantischem Auftragsbestand belasten hohe Investitionen und ein geplatzter Milliarden-Deal die Oracle-Aktie.

Kurz zusammengefasst
- Cloud-Umsatz steigt um 47 Prozent
- Investitionen explodieren auf 55,7 Mrd. Dollar
- Microsoft-Deal über drei Milliarden geplatzt
- Auftragsbestand erreicht 638 Mrd. Dollar
Die Oracle-Aktie hat in den vergangenen 30 Tagen gut zehn Prozent verloren. Mit 149,92 Euro notiert das Papier fast 47 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch. Dieser Absturz erzählt keine Geschichte vom Niedergang. Er zeigt einen Markt voller Zweifel. Investoren fragen sich zunehmend, ob Oracles teure KI-Strategie wirklich aufgeht.
Rekordzahlen und Rekordausgaben
Oracles Zahlen für das vierte Geschäftsquartal 2026 waren eigentlich hervorragend. Der Gesamtumsatz stieg um 21 Prozent auf 19,2 Milliarden US-Dollar.
Das Cloud-Geschäft wuchs parallel dazu um 47 Prozent. Der Haupttreiber war die Cloud-Infrastruktur mit einem Plus von 93 Prozent. Trotzdem stürzte die Aktie am nächsten Morgen zweistellig ab. Der Grund liegt in den Kosten dieses Wachstums.
Für das Gesamtjahr meldete Oracle einen negativen freien Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar. Die Investitionsausgaben explodierten um 162 Prozent auf 55,7 Milliarden Dollar. Das übertraf sogar die eigenen Prognosen des Unternehmens.
Nun plant Oracle weitere 40 Milliarden Dollar über Fremd- und Eigenkapital einzusammeln. Zuvor hatte der Konzern im Geschäftsjahr 2026 bereits 48 Milliarden Dollar aufgenommen.
Die neue Finanzchefin Hilary Maxson kündigte für 2027 weitere Investitionen von rund 70 Milliarden Dollar an. Die Richtung ist klar. Oracle gibt das Geld schneller aus, als es hereinkommt.
Softwareunternehmen reagieren extrem empfindlich auf langfristige Zinsen. Ihre Bewertungen hängen von zukünftigen Gewinnen ab. In einem Umfeld hoher Zinsen lässt sich eine schuldenbeladene Maschine mit negativem Cashflow schwer verkaufen. Da hilft auch das beste Umsatzwachstum wenig.
Geplatzter Milliarden-Deal
Kurz nach den Quartalszahlen tauchte ein neues Problem auf. Gespräche zwischen Microsoft und Oracle über einen Cloud-Leasing-Vertrag scheiterten. Der Deal war laut Insidern über drei Milliarden Dollar wert.
Die Vereinbarung platzte offenbar an Sicherheitsbedenken. Oracles öffentlicher Cloud-Infrastruktur fehlte die sogenannte FedRAMP-Zertifizierung. Dieser Sicherheitsstandard ist für US-Regierungsdaten zwingend erforderlich.
Oracle wies die Berichte als ungenau zurück. Der Konzern betonte die weiterhin gute Zusammenarbeit mit Microsoft.
Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack. Investoren blicken nicht nur auf den entgangenen Milliardenvertrag. Sie hinterfragen Oracles Wettbewerbsfähigkeit bei streng regulierten Projekten. Konkurrenten wie Amazon Web Services und Google Cloud sind hier stark aufgestellt.
Oracle besitzt zwar FedRAMP-Zertifizierungen für bestimmte Software-Anwendungen. Bei reinen Infrastruktur-Deals agiert das Unternehmen aber offenbar selektiver.
Angst vor dem KI-Umbruch
Zusätzlich leidet Oracle unter einer branchenweiten Schwäche. Prominente KI-Experten verließen kürzlich Alphabet. Das zog den gesamten Software-Sektor nach unten.
Dahinter steckt eine tiefergehende Angst des Marktes. Investoren befürchten, dass KI-Agenten das klassische Abo-Modell der Unternehmenssoftware zerstören. Diese Sorge wächst seit Monaten.
Völlig unbegründet ist das nicht. Der Beratungsriese Accenture senkte kürzlich seine Wachstumsprognose. Das Management nannte explizit KI als Grund für die sinkende Nachfrage.
Daraufhin brach die Accenture-Aktie an einem Tag um fast 20 Prozent ein. Wenn eine Säule der IT-Branche wackelt, bewerten Anleger den gesamten Sektor neu.
Ein gigantischer Auftragsbestand
Trotz aller Skepsis existieren handfeste Argumente für Oracle. Der Auftragsbestand erreichte am Quartalsende 638 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 363 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Diese Verträge sind keine Fiktion. Sie garantieren zukünftige Einnahmen in einer Größenordnung, die kaum ein anderes Technologieunternehmen je erreicht hat.
Außerdem bestätigte Oracle seine Umsatzprognose von 90 Milliarden Dollar für das Geschäftsjahr 2027. Die Prognose für den bereinigten Gewinn je Aktie hob das Management auf 8,05 Dollar an.
Analysten sehen im Schnitt ein Kursziel von rund 220 Euro. Das entspräche einem Aufwärtspotenzial von 47 Prozent.
Geduld als Einsatz
Technisch gesehen ist die Aktie mit einem RSI von 38,1 derzeit überverkauft. Sie notiert deutlich unter der 200-Tage-Linie von 174,56 Euro. Der Markt preist bei einer Marktkapitalisierung von gut 462 Milliarden Euro erhebliche Zweifel ein.
Das operative Geschäft läuft hervorragend. Der operative Cashflow stieg um 54 Prozent auf den Rekordwert von 32 Milliarden Dollar. Aber die massiven Investitionen in die Cloud-Infrastruktur fressen diese Gewinne komplett auf.
Wird die gigantische Baustelle ihre Kosten jemals rechtfertigen? Oder erdrücken Schuldenlast und Verwässerung den geschaffenen Wert?
Genau das ist die Wette, die Oracle-Aktionäre derzeit halten. Eine bequeme Position ist das nicht.
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