Oracle Aktie: 55,7 Milliarden Investitionen, minus 23,7 Milliarden Cashflow

Oracles aggressive Cloud-Expansion treibt Schulden in die Höhe und verunsichert Anleger sowie Ratingagenturen.

Redaktion Stock-World ·
Moderne Rechenzentrumsinfrastruktur mit Fokus auf Cloud-Technologie und Investitionen. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Investitionen steigen auf 55,7 Milliarden Euro
  • Freier Cashflow rutscht ins Minus
  • S&P stuft Kreditwürdigkeit herab
  • Aktie verliert seit Jahresbeginn 37 Prozent

Oracle baut sich gerade in die erste Reihe der Cloud-Giganten hinein. Das Problem: Die Rechnung dafür stellt der Konzern seinen eigenen Aktionären. Während Larry Ellisons Konzern Milliarden in neue Rechenzentren pumpt, fragen sich Kreditanalysten und Investoren zunehmend, wer diese Party eigentlich bezahlt.

Die Aktie legte am Montag um 2,79 Prozent auf 104,02 Euro zu. Das klingt nach Erholung, ist aber nur ein schwacher Trost. Der Titel notiert damit gerade einmal 2,93 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief und hat sich seit dem Rekordhoch von 280,70 Euro im September 2025 mehr als halbiert.

Die Kapitalfalle

Oracles Verwandlung zum KI-Infrastrukturanbieter kostet. Und zwar deutlich mehr, als viele erwartet hatten. Im Geschäftsjahr 2026 schnellten die Investitionen auf 55,7 Milliarden Euro – ein Plus von 162 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Diese Investitionswelle hat einen Preis. Der freie Cashflow rutschte auf minus 23,7 Milliarden Euro. Ein Konzern, der operativ kräftig wächst, verbrennt gleichzeitig so viel Geld wie kaum ein anderer Tech-Riese seiner Größenordnung.

Die Ratingagenturen reagieren entsprechend nervös. S&P stufte Oracle auf BBB- herab – nur eine Note über Ramsch-Niveau. Moody’s hält zwar an Baa2 fest, verpasste dem Ausblick aber einen negativen Stempel und verweist explizit auf den Druck, den die KI-Investitionen auf die Kreditqualität ausüben.

Oracle steht mit diesem Problem nicht allein. Die vier größten Cloud-Anbieter zusammen dürften 2026 rund 700 Milliarden Euro in ihre Infrastruktur stecken. Der Unterschied: Oracles Konkurrenten sitzen auf prall gefüllten Kassen. Oracle selbst trägt eine deutlich höhere Schuldenlast – und genau deshalb schauen die Kreditmärkte bei diesem Unternehmen genauer hin als bei den cash-reichen Rivalen.

Pentagon-Deal trifft auf Ellison-Ärger

Operativ liefert Oracle durchaus Argumente für die hohen Ausgaben. Der Konzern sicherte sich einen Zehn-Jahres-Softwarevertrag mit dem US-Verteidigungsministerium, der bis zu 7 Milliarden Euro wert ist. Die Partnerschaft mit Nvidia bleibt ein zentraler Wachstumshebel – neue Blackwell-Ultra-GPUs und xAI-Grok-Modelle wandern direkt in Oracles Government-Cloud-Regionen.

Diese handfesten Erfolge geraten jedoch in den Hintergrund. Mitgründer Larry Ellison steckt in einer Klage von zwölf US-Bundesstaaten fest, ausgelöst durch seine persönliche Garantie über 40,4 Milliarden Dollar für die Übernahme von Warner Bros. Discovery durch seinen Sohn. Diese private Risikoposition passt schlecht zu einem Unternehmen, das gerade Vertrauen an den Kreditmärkten zurückgewinnen muss.

Die Aktie verlor seit Jahresbeginn 37,41 Prozent – trotz eines Analysten-Konsenskursziels von 219,10 Euro, das theoretisch mehr als eine Verdopplung bedeuten würde. Zwischen der fundamentalen Erzählung und dem, was der Markt tatsächlich einpreist, liegt derzeit eine erhebliche Lücke.

Ein Konzern am Scheideweg

Die Charttechnik zeichnet das Bild einer zutiefst verunsicherten Anlegerschaft. Mit einem RSI von 31,3 nähert sich Oracle der überverkauften Zone, notiert aber weiterhin fast 30 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt von 146,91 Euro. Diese Diskrepanz zeigt: Selbst kurzfristige Erholungsversuche ändern nichts an der grundsätzlichen Skepsis, die sich seit Monaten aufgebaut hat.

Bei den Großinvestoren zeigt sich ein gespaltenes Bild. Gabelli Funds reduzierte seine Position zuletzt um 21,5 Prozent, während Waverly Advisors aufstockte. Diese Uneinigkeit unter institutionellen Anlegern spiegelt genau das Dilemma wider, vor dem der gesamte Markt steht.

Die eigentliche Frage für Oracle lautet längst nicht mehr, ob der Konzern eine konkurrenzfähige KI-Cloud bauen kann. Die Pentagon- und Nvidia-Deals beweisen, dass das operative Geschäft funktioniert. Die entscheidende Frage ist, ob Oracle die Finanzierung dieses Ausbaus überlebt, ohne dass die Ratingagenturen weiter nachschärfen.

Die Anleihemärkte beginnen, KI-Schulden härter zu bestrafen als noch vor einem Jahr. Für Oracle bedeutet der Weg zurück zu alten Höchstständen mehr als nur neue Großaufträge. Der Konzern braucht einen glaubwürdigen Plan, wie er seinen freien Cashflow stabilisiert – und zwar bevor die nächste Rating-Herabstufung droht.

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Oracle Aktie

117,36 EUR

– 4,12 EUR -3,39 %
KGV 22,66
KUV 5,73
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,38 %
Marktkapitalisierung 411,34 Mrd. USD
Ø Kursziel 237,36 USD
ISIN: US68389X1054 WKN: 871460

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