Oracle Aktie: 55,7 Milliarden Investitionen steigen

S&P senkt Oracles Bonität auf BBB-; Cloud-Investitionen treiben Schulden auf 55,7 Milliarden Euro und Cashflow ins Minus.

Dr. Robert Sasse ·
Oracle Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Kreditrating auf Ramschniveau gesenkt
  • Freier Cashflow bei minus 23,7 Milliarden
  • Klumpenrisiko durch OpenAI-Abhängigkeit
  • Geplante Kapitalaufnahme bis 50 Milliarden Euro

Oracle wollte der nächste große Hyperscaler werden. Jetzt fragt sich die Wall Street, ob der Konzern sich dabei übernommen hat.

Am Freitag schloss die Aktie bei 123,28 Euro, ein Minus von 2,34 Prozent an nur einem Tag. Der eigentliche Schock steckt aber im größeren Bild: Innerhalb von 30 Tagen hat Oracle 29,12 Prozent seines Börsenwerts verloren. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 26,18 Prozent zu Buche.

Die Ratingagentur zieht die Reißleine

Am Wochenende hat S&P Global Ratings Oracles langfristiges Kreditrating auf BBB- gesenkt. Das ist nur noch eine Stufe über Ramschniveau. Der Schritt trifft einen wunden Punkt: Oracles Investitionen sind im Geschäftsjahr 2026 um 162 Prozent auf rund 55,7 Milliarden Euro explodiert.

Diese Ausgabenwelle hat die Kassenlage komplett gedreht. Statt Cash zu generieren, verbrennt Oracle es. Der freie Cashflow liegt bei minus 23,7 Milliarden Euro. Klingt dramatisch — ist es auch, wenn man bedenkt, dass Oracle noch vor zwei Jahren als solider Softwarekonzern mit stabilen Margen galt.

Der Auftragsbestand im Cloud-Geschäft übersteigt zwar mit 638 Milliarden Dollar die aktuelle Marktkapitalisierung von 363,83 Milliarden Euro deutlich. Kreditanalysten schauen aber genauer hin: Rund 54 Prozent dieses gigantischen Backlogs hängen an einem einzigen Kunden. OpenAI.

Ein Klumpenrisiko in dieser Größenordnung wäre bei jedem Unternehmen ein Warnsignal. Bei einem Konzern, der gerade sein Rating verliert, wird es zum zentralen Thema jeder Bonitätsprüfung.

Wie Oracle die Lücke stopfen will

Um die KI-Ambitionen zu finanzieren, plant Oracle laut Berichten eine Kapitalaufnahme zwischen 45 und 50 Milliarden Euro noch in diesem Jahr. Die Mischung: neue Schulden plus aktienbasierte Instrumente, darunter ein mögliches Aktienprogramm über 20 Milliarden Euro am offenen Markt.

Wie ernst der Bondmarkt die Lage nimmt, zeigen die Credit Default Swaps. Ihre Spreads haben Niveaus erreicht, die zuletzt 2008 zu beobachten waren. Das ist kein Randdetail — es ist das eigentliche Warnsignal für Anleger, die auf die Aktie schauen.

Der Druck zeigt sich auch in der Belegschaft. Im laufenden Geschäftsjahr bis Mai 2026 hat Oracle bereits netto rund 21.000 Stellen abgebaut. Weitere Kürzungen von 20.000 bis 30.000 Jobs stehen im Raum, um die Bilanz zu stabilisieren. Das Management peilt für die neuen KI-Rechenzentren Margen von 30 bis 40 Prozent an — ambitioniert für ein Geschäft, das gerade erst Kosten produziert und noch keine entsprechenden Erträge zeigt.

Neue Regulierung ab Montag

Zur finanziellen Baustelle kommt ab dem 13. Juli 2026 eine regulatorische hinzu. Großbritannien stuft Oracles britische Tochter dann offiziell als „Critical Third Party“ ein. Bank of England und die Finanzaufsicht FCA erhalten damit direkte Eingriffsrechte über Oracles Dienste für den Finanzsektor, inklusive Pflicht zu Resilienztests und Vorfallmeldungen.

Charttechnisch zeigt die Aktie deutliche Erschöpfungssignale. Der RSI steht bei 31,1, knapp über der als überverkauft geltenden Marke. Der Kurs liegt 22,31 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt von 158,67 Euro und 25,85 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt von 166,26 Euro. Der mittelfristige Trend bleibt damit klar abwärts gerichtet.

Immerhin: Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 220,57 Euro, ein theoretisches Aufwärtspotenzial von 78,9 Prozent gegenüber dem aktuellen Niveau. Ob diese Zielmarken angesichts der Rating-Sorgen realistisch bleiben, ist eine andere Frage — Kursziele werden in der Regel angepasst, nicht die Realität.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 280,70 Euro trennen die Aktie mittlerweile 56,08 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 113,86 Euro sind es nur noch 8,27 Prozent Abstand. Oracle steht damit näher an seinem Jahrestief als an jedem realistischen Erholungsszenario.

Die eigentliche Wette bleibt simpel formuliert, aber schwer zu beantworten: Erwirtschaften die KI-Investitionen schneller Erträge, als die Schuldenlast Zinsen kostet? Bislang liefert der Konzern auf diese Frage nur eine Antwort in Form wachsender Verbindlichkeiten — Ergebnisse aus dem Cloud-Geschäft, die diesen Vorschuss rechtfertigen, stehen noch aus.

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Oracle Aktie

123,28 EUR

– 2,92 EUR -2,31 %
KGV 24,08
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,42 %
Marktkapitalisierung 415,42 Mrd. EUR
ISIN: US68389X1054 WKN: 871460

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