Oracle Aktie: 638 Milliarden Dollar Auftragsbestand
Oracle gewinnt milliardenschwere Staatsaufträge, doch die hohen Investitionen belasten die Bilanz und führen zu einer Bonitätsherabstufung.

Kurz zusammengefasst
- Favorit für japanisches Cloud-Projekt
- Negativer Cashflow von 23,7 Milliarden
- Rating auf BBB- gesenkt
- Aktie verliert 36 Prozent seit Jahresbeginn
Oracle steckt in einem Balanceakt. Auf der einen Seite stehen milliardenschwere Erfolge im Geschäft mit staatlichen Cloud-Kunden. Auf der anderen Seite wächst die Sorge der Anleger über die schiere Höhe der Investitionen, die dafür nötig sind. Die Aktie notiert bei 106,44 Euro und damit nur noch 1,27 Prozent über ihrem 52-Wochen-Tief.
Staatsaufträge als Wachstumstreiber
Oracle gilt einem Bericht zufolge als Favorit für ein hochsensibles Cloud-Projekt der japanischen Regierung. Der Konzern soll dabei Amazon Web Services und Microsoft ausgestochen haben. Der Auftrag würde zur „Sovereign AI“-Strategie passen, mit der Oracle Cloud-Umgebungen anbietet, die physisch und logisch von anderen Systemen getrennt sind — entwickelt für Regierungen mit hohen Sicherheitsanforderungen an ihre Daten.
Für den japanischen Markt hat sich Oracle bereits verpflichtet, über zehn Jahre mehr als 8 Milliarden Dollar in Cloud-Infrastruktur zu investieren. Parallel baut das Unternehmen sein Softwaregeschäft aus. Am 14. Juli 2026 startete Oracle das „AI Agent Studio“ für seine Fusion Applications. Damit können Entwickler sogenannte Agentic Applications bauen — Software mit KI-Agenten, die Geschäftsprozesse eigenständig steuern und ausführen.
Das Ziel dahinter: Oracle sitzt auf einem Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar an noch nicht abgearbeiteten Leistungsverpflichtungen. Neue Tools sollen helfen, diesen Berg schneller in laufende, margenstarke Softwareumsätze zu verwandeln.
Der Preis des Wachstums
Die Kehrseite dieser Expansion zeigt sich in der Bilanz. Im Geschäftsjahr 2026 verzeichnete Oracle einen negativen freien Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar. Grund sind die massiven Investitionen in Cloud-Infrastruktur, darunter auch die Beteiligung am Stargate-Projekt mit OpenAI und SoftBank.
Für das Geschäftsjahr 2027 plant Oracle Investitionsausgaben von bis zu 95 Milliarden Dollar. Nach Abzug von Kundenrückzahlungen bleibt ein Netto-Mittelabfluss von rund 70 Milliarden Dollar übrig. Einige Berichte sprechen sogar von einem Rechenzentrums-Ausbauplan im Umfang von 250 Milliarden Dollar.
Um diese Summen zu stemmen, will Oracle im Geschäftsjahr 2027 rund 40 Milliarden Dollar über eine Mischung aus Fremd- und Eigenkapital aufnehmen. Ein Teil davon: eine bereits angekündigte Aktienplatzierung über 20 Milliarden Dollar direkt am Markt.
Ratingagentur zieht die Reißleine
Diese Kapitalhunger blieb bei den Ratingagenturen nicht unbemerkt. S&P Global Ratings senkte am 9. Juli 2026 die langfristige Bonitätsnote von Oracle von BBB auf BBB-. Als Gründe nannte die Agentur die außergewöhnlich hohen KI-Investitionen, steigende Kosten für Komponenten und ein erhöhtes Konzentrationsrisiko. Oracle liegt damit nur noch eine Stufe über dem Junk-Status.
Der Markt reagiert entsprechend nervös. Binnen sieben Tagen verlor die Aktie 13,63 Prozent, seit Jahresbeginn steht ein Minus von 36,26 Prozent. Der RSI-Wert von 25,5 signalisiert eine überverkaufte Aktie — ein Hinweis darauf, dass der Ausverkauf möglicherweise übertrieben ist, aber keine Garantie für eine schnelle Erholung.
Anleger müssen nun zwei Dinge gegeneinander abwägen: einen historisch hohen Auftragsbestand von 638 Milliarden Dollar auf der einen Seite. Auf der anderen eine schuldenfinanzierte Wachstumsstrategie, die gerade von einer Ratingagentur mit einer Herabstufung quittiert wurde.
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