Oracle Aktie: 7-Milliarden-Deal mit Pentagon

Trotz Milliardenauftrag vom Pentagon fällt die Oracle-Aktie auf ein neues 52-Wochen-Tief. Anleihemärkte senden Warnsignale.

Andreas Sommer ·
Oracle Aktie

Kurz zusammengefasst

  • Aktie fällt auf neues Jahrestief
  • Pentagon-Deal bringt nur kurze Erholung
  • Anleihemärkte warnen vor Verschuldung
  • Analysten bleiben trotzdem optimistisch

Ein Milliarden-Auftrag vom Pentagon reicht nicht mehr aus, um den Absturz zu stoppen. Oracle-Aktien schlossen am Freitag bei 101,20 Euro — ein Minus von 4,08 Prozent an einem einzigen Handelstag. Der Kurs kratzt damit am frischen 52-Wochen-Tief von 101,06 Euro, das nur einen Tag zuvor erreicht wurde.

Seit Jahresbeginn hat die Aktie 39,11 Prozent verloren. Auf Zwölfmonatssicht summiert sich der Rückgang auf fast 51 Prozent. Ein Blick auf das Verlaufshoch von 280,70 Euro im September 2025 zeigt das Ausmaß: Oracle notiert derzeit fast 64 Prozent darunter.

Der Pentagon-Deal ändert wenig

Oracle hat gerade einen Zehn-Jahres-Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium über rund 7 Milliarden Dollar gewonnen. Die Vereinbarung bündelt bestehende Software-Partnerschaften verschiedener Militärabteilungen in einem einzigen Enterprise-Deal. Die Aktie sprang auf die Nachricht kurzzeitig um mehr als 3 Prozent nach oben.

Die Erleichterung hielt nicht lange an. Der Auftrag entspricht gerade einmal 3 Prozent von Oracles ausstehender Schuldenlast. Verglichen mit den jährlichen Investitionsausgaben des Konzerns ist er ein Bruchteil — und das Geld fließt über bis zu zehn Jahre verteilt, während das Management plant, zusätzlich zweistellige Milliardenbeträge am Kapitalmarkt aufzunehmen.

Kreditmärkte schlagen Alarm

Während die Aktie leidet, senden Oracles Anleihemärkte noch deutlichere Warnsignale. Die Kosten für Kreditausfallversicherungen (CDS) auf fünfjährige Oracle-Anleihen stiegen intraday auf 2,03 Prozentpunkte. Das ist der höchste Stand seit Beginn der Erhebung Ende 2008.

Parallel dazu weiteten sich die Risikoaufschläge auf Oracles bestehende Unternehmensanleihen branchenweit aus. S&P Global Ratings hatte die Kreditwürdigkeit des Konzerns bereits Anfang des Monats herabgestuft und dabei die finanzielle Belastung durch die massiven KI-Investitionen als Grund genannt.

Die US-Investorin und TV-Persönlichkeit Karen Finerman verweist auf die steigenden CDS-Spreads als Zeichen wachsender Sorge um Oracles Verschuldung. Sie warnt, der Konzern könnte irgendwann Schwierigkeiten haben, weitere Anleihen zu platzieren — und stattdessen auf Eigenkapitalfinanzierung ausweichen müssen. Das würde die Aktie zusätzlich unter Druck setzen. Eine weitere Herabstufung vor dem nächsten Quartalsbericht im September könnte Oracles Finanzierung laut Finerman spürbar teurer machen, warnt sie, besonders falls sich der Konzern dem Ramschstatus nähert.

Analysten bleiben optimistisch

Trotz des technischen Ausverkaufs halten mehrere große Analysehäuser an ihren aggressiven Kurszielen fest. Mizuho bestätigte seine Kaufempfehlung und das Kursziel von 320 Dollar. Analyst Siti Panigrahi bezeichnete die Aktie auf Mehrjahrestiefs als eines der attraktivsten Risiko-Rendite-Profile im gesamten Coverage.

Von 43 Analysten, die Oracle beobachten, empfehlen laut Koyfin-Daten 37 die Aktie zum Kauf. Fünf raten zum Halten, einer zum Verkauf.

Das Vertrauen der Bullen stützt sich vor allem auf den Auftragsbestand. Die „Remaining Performance Obligations“ explodierten im Jahresvergleich um 363 Prozent auf 638 Milliarden Dollar. Die Cloud-Infrastruktur wuchs im Juni-Quartal um 93 Prozent und macht inzwischen 52 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Dieser Rekord-Auftragsbestand birgt allerdings ein Klumpenrisiko. S&P weist darauf hin, dass rund die Hälfte der 638 Milliarden Dollar von einem einzigen Kunden stammt: OpenAI. Sollte der ChatGPT-Entwickler seine Zahlungsverpflichtungen einmal nicht erfüllen können, bliebe Oracle auf Rechenzentren sitzen, die für eine Nachfrage gebaut wurden, die nie eintrifft.

Überverkauft, aber ohne Bodenbildung

Der 14-Tage-RSI liegt bei nur 27,6 Punkten — ein klares Zeichen für eine überverkaufte Aktie. Technische Analysten haben dieses Niveau bereits mehrfach markiert, während der Kurs seit Juli kontinuierlich nachgab. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität liegt bei 43,81 Prozent und spiegelt die heftigen Ausschläge seit dem Verlaufshoch im September 2025.

Zum technischen Druck kommt regulatorischer Ärger. Ein Regulierer in New Mexico hat die Pipeline abgelehnt, die Oracles Rechenzentrums-Projekt „Jupiter“ mit Energie versorgen sollte. Damit wird der ursprüngliche Zeitplan mit Inbetriebnahme am 15. August höchst unwahrscheinlich — der Bau könnte sich bis ins nächste Jahr verschieben. Oracle widerspricht dieser Einschätzung und beteuert, der gesamte Ausbauplan bleibe intakt.

Der nächste Test folgt im September

Ob die Marke von 101 Euro als Boden hält oder weiter nachgibt, wird sich zeigen, sobald der Handel nach dem Wochenende wieder aufnimmt. Am 10. September legt Oracle die Zahlen zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 vor. Dieser Termin wird zum eigentlichen Prüfstein: Er zeigt, ob sich der gigantische Auftragsbestand tatsächlich in echten Cashflow verwandelt.

Bis dahin bleibt die Gemengelage unverändert — ein CDS-Spread nahe Rekordniveau, eine frische Verzögerung in New Mexico und eine Aktie, die an ihrem 52-Wochen-Tief klebt. Die Kluft zwischen der Nervosität am Anleihemarkt und dem Optimismus der Aktienanalysten dürfte Oracle vorerst volatil halten.

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Oracle Aktie

101,20 EUR

– 4,36 EUR -4,13 %
KGV 21,59
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,59 %
Marktkapitalisierung 345,77 Mrd. EUR
ISIN: US68389X1054 WKN: 871460

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