Oracle Aktie: 7-Milliarden-Kaution für Wisconsin-Anlage
Wisconsin verlangt über sieben Milliarden Dollar Sicherheitsleistung von Oracle für ein geplantes Rechenzentrum. Der Konzern wehrt sich gegen die Auflage.

Kurz zusammengefasst
- Sicherheitsleistung von über sieben Milliarden Dollar
- Oracle wehrt sich gegen Auflage
- Rating-Herabstufung löst Klausel aus
- Projekt für OpenAI-Infrastruktur betroffen
Ein Software-Konzern soll für ein einziges Rechenzentrum mehr als sieben Milliarden Dollar Sicherheit hinterlegen. Genau das verlangt Wisconsin von Oracle. Die Aktie notiert bei 110,06 Euro und damit nur noch 4,72 Prozent über ihrem Jahrestief – der Rechtsstreit trifft den Konzern zur Unzeit.
Der Regulator bleibt hart
Die Energieaufsicht von Wisconsin hat strenge Sicherheitsauflagen für Oracles geplantes Rechenzentrum in Port Washington bestätigt. Grundlage ist ein Tarif des Versorgers We Energies für Großkunden mit hohem Stromverbrauch. Entwickler von Rechenzentren müssen demnach Sicherheiten stellen, sobald ihr Kreditrating unter die Schwelle A-minus von S&P Global fällt.
Genau das ist Oracle passiert. Die Ratingagentur stufte den Konzern am 9. Juli auf BBB- herab. Damit greift die Klausel – und We Energies beziffert die fällige Sicherheit auf über sieben Milliarden Dollar.
Das betroffene Projekt ist kein Nebenschauplatz. Die Anlage soll fast ein Gigawatt Rechenleistung liefern und gehört zum 300-Milliarden-Dollar-Infrastrukturvertrag zwischen Oracle und OpenAI. Insgesamt steckt Oracle 15 Milliarden Dollar in den Standort.
Oracle wehrt sich – ohne Erfolg
Oracle zog vor ein Bezirksgericht und verlangte, die Regel zu kippen. Der Konzern argumentierte, die Auflage schrecke künftige Investitionen in Wisconsin ab. Ein Sprecher der Aufsichtsbehörde bestätigte am Montag gegenüber der Financial Times: Die Kommission verfolgt Oracles Antrag nicht weiter.
Oracle selbst zeigt sich dennoch zuversichtlich, dass die Behörde ihre Haltung nach Prüfung der Arbeitsplatzeffekte noch einmal überdenkt. Eine vollständige Barzahlung schließt der Konzern faktisch aus. Stattdessen bot Oracle an, zunächst zehn Prozent der Summe zu hinterlegen – umgerechnet rund 700 Millionen Dollar – und bat parallel um eine neue Anhörung.
Das eigentliche Problem liegt im Format der Sicherheit. Eine Bank allein dürfte kaum bereit sein, ein Akkreditiv dieser Größenordnung auszustellen. Oracle bräuchte also ein ganzes Bankenkonsortium – das kostet Zeit und Geld, die der Konzern in diesem Projekt kaum übrig hat.
Julia Robin, bei Oracle für Infrastrukturkapazität zuständig, wurde in einem Schriftsatz vom 10. Juli deutlich. Sie nannte die Kosten „erheblich und unverhältnismäßig zum Risiko, das damit eigentlich abgesichert werden soll“.
Warum die Behörde nicht nachgibt
Hinter der harten Linie steckt ein Verbraucherschutz-Gedanke, der sich in mehreren US-Bundesstaaten mit großen KI-Rechenzentren durchsetzt. Die Sicherheit ist keine Strafe. Sie soll verhindern, dass Haushalte in Wisconsin für Netzinfrastruktur zahlen müssen, falls Oracle das Projekt abbricht.
Die Stimmung in der Bevölkerung passt zu diesem Kurs. Eine Umfrage der Marquette University Law School zeigt: Der Anteil der Wähler in Wisconsin, die glauben, die Kosten von Rechenzentren überwiegen den Nutzen, stieg innerhalb von sechs Monaten von 55 auf 70 Prozent.
Auch die Berechnungsmethode erklärt die hohe Summe. We Energies bemisst Oracles Risiko nicht an offenen Rechnungen, wie es bei US-Versorgern sonst üblich ist. Stattdessen zieht der Versorger den Buchwert der Kraftwerke und Leitungen heran, die speziell für Oracle gebaut werden – deshalb fällt die Zahl in Wisconsin so viel höher aus als vergleichbare Auflagen andernorts.
Druck auf eine ohnehin angespannte Bilanz
Der Streit trifft Oracle in einer heiklen Phase. Der Konzern wurde erst kürzlich weiter herabgestuft, mitten im laufenden Rechtsstreit um die Sicherheitsleistung. Auch an anderer Stelle zeigen sich Finanzierungsprobleme.
Banken wie JPMorgan Chase sollen Schwierigkeiten haben, die milliardenschweren Kredite für Oracles Bauprogramm zu syndizieren. Interne Risikogrenzen einzelner Institute verschärfen den Engpass zusätzlich. Der Kurs spiegelt diese Anspannung: Mit einem RSI von 32,5 gilt die Aktie als überverkauft, notiert 26,90 Prozent unter ihrem 50-Tage-Durchschnitt.
Der Fall hat Signalwirkung über Oracle hinaus. Sollte die Kommission bei ihrer Position bleiben, drohen anderen Technologiekonzernen im Mittleren Westen dieselben Risiken – eine Rating-Herabstufung unter A-minus könnte künftig über Nacht Milliarden an zusätzlichen Sicherheiten auslösen.
Oracle hofft weiterhin auf eine erneute Anhörung vor der Kommission in Wisconsin. Ob der Konzern die geforderte Sicherheit am Ende stemmen kann, hängt maßgeblich davon ab, ob sich ein Bankenkonsortium für ein Akkreditiv dieser Größenordnung findet.
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