Oracle Aktie: 70 Milliarden Dollar KI-Investitionen geplant
Oracles Rekordumsätze stehen massiven Ausgaben für KI-Infrastruktur gegenüber. Die hohe Verschuldung und Aktienverwässerung belasten den Kurs.

Kurz zusammengefasst
- Rekordumsatz von 19,2 Milliarden Dollar
- Investitionen steigen auf 55,7 Milliarden Dollar
- Schuldenberg von 117 Milliarden Dollar
- Auftragsbestand wächst auf 638 Milliarden Dollar
Bei 166,32 Euro notiert Oracle fast 41 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch. Das Geschäft läuft keineswegs schlecht. Der Markt ringt vielmehr mit einer entscheidenden Frage: Wie viel kostet der Sieg im Rennen um die KI-Infrastruktur? Die Antwort fällt gewaltig aus. Sie verändert den Blick der Investoren auf das Unternehmen grundlegend.
Rekordumsätze und ein teurer Plan
Das vierte Geschäftsquartal brachte Rekorde. Der Gesamtumsatz stieg um 21 Prozent auf 19,2 Milliarden US-Dollar. Die Cloud-Erlöse kletterten parallel dazu auf 9,9 Milliarden Dollar. Oracle übertraf die Erwartungen der Analysten. Die Auftragsbücher sind prall gefüllt. Dennoch stürzte die Aktie ab. Der Grund liegt in den gewaltigen Ausgabenplänen.
Für das abgelaufene Geschäftsjahr meldete der Konzern einen negativen freien Cashflow von 23,7 Milliarden Dollar. Die Investitionsausgaben sprangen um 162 Prozent auf 55,7 Milliarden Dollar. Damit übertraf Oracle die eigene Prognose deutlich.
Im Schlussquartal flossen allein 15,9 Milliarden Dollar in neue Anlagen. Diese Entwicklung beschleunigt sich weiter. Im kommenden Geschäftsjahr plant Oracle Nettoinvestitionen von rund 70 Milliarden Dollar.
Die ausgewiesene Summe dürfte wegen Vorauszahlungen für Komponenten sogar deutlich höher ausfallen. Um das zu finanzieren, nahm Oracle zuletzt 43 Milliarden Dollar Fremdkapital auf. Im neuen Jahr sollen weitere 40 Milliarden Dollar folgen. Davon stammt die Hälfte aus dem geplanten Verkauf neuer Aktien.
Der Stresstest für den KI-Boom
Oracle wird unfreiwillig zum Stresstest für die gesamte KI-These. Das Unternehmen hat rund 117 Milliarden Dollar Schulden ausstehen. Damit ist Oracle der größte Emittent außerhalb des Finanzsektors im amerikanischen Markt für hochklassige Unternehmensanleihen. Diese Konzentration macht jede Quartalszahl zu einer Abstimmung über den KI-Boom. Der Markt prüft genau, ob der massive Kapitalaufwand rational bleibt.
Analyst Jacob Bourne von eMarketer bringt es auf den Punkt. Er sieht Oracle als den sprichwörtlichen Kanarienvogel in der Kohlemine. Die Zahlen belegen eine gesunde KI-Nachfrage jenseits des Hypes.
Die Optimisten verweisen auf den Auftragsbestand. Die verbleibenden Leistungsverpflichtungen erreichten am Quartalsende 638 Milliarden Dollar. Das entspricht einem Plus von 363 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Anstieg stammt größtenteils aus großen KI-Verträgen. Kunden zahlten hier für Grafikprozessoren im Voraus oder stellten diese direkt bereit.
Erstmals nannte das Management einen konkreten Zeitplan. Zwölf Prozent dieser vertraglich gesicherten Umsätze erwartet Oracle in den nächsten zwölf Monaten. Das sind etwa 76 Milliarden Dollar. Weitere 34 Prozent sollen in den zwei darauffolgenden Jahren fließen.
Verwässerung als Dauerbelastung
Die Pessimisten haben ebenso handfeste Argumente. Die drohende Verwässerung der Aktienanteile belastet den Kurs schwer. Zusammen mit dem tiefroten Cashflow entsteht ein Risiko, das Investoren nicht ignorieren können. Erschwerend kommt hinzu, dass die Bruttomargen laut Management zunächst sinken werden. Neue Rechenzentren brauchen Zeit, bis sie volle Umsätze generieren.
Hier zeigt sich die strukturelle Spannung der Oracle-Story. Die Nachfrage ist zweifellos real. Das nötige Kapital drückt jedoch den kurzfristigen Wert je Aktie.
Die Aktie verlor auf Wochensicht 6,71 Prozent. Mit einem Kurs von 166,32 Euro kämpft das Papier um eine Bodenbildung. Der Abstand zur langfristigen 200-Tage-Linie beträgt aktuell minus 5,72 Prozent.
Analysten sehen im Schnitt ein Kursziel von knapp 220 Euro. Der Markt glaubt also langfristig daran, dass sich die Aufträge in Cashflow verwandeln. Das Management bestätigte zudem die langfristige Umsatzprognose von 90 Milliarden Dollar.
Der Preis des Burggrabens
Die Lage von Oracle ist kein Einzelfall. Sie ist der definierende Kompromiss des aktuellen KI-Superzyklus. Unternehmenskunden wollen sich nicht auf einen einzigen Cloud-Anbieter verlassen. Das schafft eine strukturelle Nachfrage nach Oracles Datenbank-Diensten. Diese verbinden AWS, Azure und Google Cloud miteinander. Diese Multicloud-Positionierung ist ein echter Wettbewerbsvorteil.
Ein solcher Burggraben kostet allerdings Milliarden.
Der entscheidende Punkt für Investoren ist klar. Der aggressive Ausbau der KI-Rechenzentren muss langfristig genug Gewinn abwerfen, um den massiven Kapitaleinsatz zu rechtfertigen. Bis die neuen Anlagen ihre volle Kapazität erreichen und die Margen wieder steigen, bleibt der finanzielle Druck auf die Bilanz hoch.
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