Oracle Aktie: Burry baut Short-Position am 6. August auf

Investor Michael Burry sieht Oracle-Gewinne durch zu niedrige GPU-Abschreibungen und Off-Balance-Sheet-Risiken gefährdet und hat neue Short-Positionen aufgebaut.

Felix Baarz ·
Abstrakte Darstellung eines bärischen Marktumfelds mit gedimmter Beleuchtung in einem modernen Bürogebäude. (KI-generiertes Symbolbild)
Symbolbild, KI-generiert

Kurz zusammengefasst

  • Neue Short-Position bei Oracle
  • Kritik an GPU-Abschreibungen
  • Cloud-Auftragsbestand bei 638 Mrd. Dollar
  • Kurs erholt sich, bleibt unter Rekordhoch

Michael Burry, bekannt für seine frühe Wette gegen den US-Immobilienmarkt vor der Finanzkrise, hat seine Attacke auf Oracle verschärft. Der Investor von Scion Asset Management geht davon aus, dass der Softwarekonzern seine Gewinne bis 2028 um etwa 26 bis 27 Prozent zu hoch ausweisen könnte. Grund sei eine aus seiner Sicht zu niedrig angesetzte Abschreibung auf Grafikprozessoren (GPUs), die Cloud-Anbieter für ihre KI-Infrastruktur einsetzen. Burry verweist zudem auf wachsende Risiken durch Verpflichtungen, die viele Tech- und Cloud-Unternehmen außerhalb ihrer Bilanzen eingegangen sind – etwa langfristige Leasingverträge, die in keinem Verhältnis zu den aktuellen Umsätzen stünden.

Short-Position neu aufgebaut

Die Kritik ist nicht nur Theorie. Erst am 5. August hatte Burry eine ältere Oracle-Short-Position aufgelöst – Put-Optionen mit Laufzeit Januar 2027 und Basispreisen im niedrigen dreistelligen Bereich, die ihm nach eigener Aussage einen deutlichen Gewinn eingebracht hatten. Nur einen Tag später, am 6. August, baute er bei Oracle bereits neue Short-Positionen auf, zu einem Kurs von 144,63 US-Dollar an der Wall Street. Parallel eröffnete er auch eine Short-Position bei Nebius. Burry hatte zuvor angedeutet, bei fallender Volatilität wieder in Oracle-Puts einsteigen zu wollen – dieser Fall ist nun eingetreten.

Die Wette gegen Oracle steht in scharfem Kontrast zu den operativen Nachrichten der vergangenen Woche. Anfang August meldete Oracle einen erweiterten Zugang für Kunden zu den KI-Modellen Gemini 3.1 Flash Lite und Gemini 3.5 Flash im Rahmen einer ausgebauten Partnerschaft mit Google Cloud. Die Ankündigung fiel nur wenige Tage nach starken Quartalszahlen von Alphabet, die weiterhin hohe KI-Investitionen zeigten. Oracle ergänzte das Bild mit einem Auftrag über rund 400 Millionen US-Dollar zur HR-Modernisierung gemeinsam mit CACI International, einer Ausweitung von Oracle Health auf Krankenhäuser in Ontario sowie der Einbindung von Gemini-KI in Oracle Fusion und NetSuite. Der Konzern bezifferte seinen Cloud-Auftragsbestand zuletzt auf 638 Milliarden US-Dollar, das Wachstum im IaaS-Geschäft habe 93 Prozent erreicht.

Kurs erholt sich, bleibt aber weit unter altem Hoch

Die Kombination aus Auftragsmeldungen und Partnerschaft hatte die Aktie bereits Anfang August deutlich angetrieben. Am Freitag schloss das Papier im deutschen Handel bei 127,10 Euro, ein Plus von 2,27 Prozent gegenüber dem Vortag. Über die vergangenen sieben Handelstage summierte sich der Anstieg auf 12,84 Prozent. Von seinem Rekordhoch aus dem vergangenen September ist Oracle trotz der jüngsten Erholung jedoch weiterhin 56,89 Prozent entfernt – ein Abstand, der die Skepsis von Burry und anderen Kritikern nährt, selbst wenn kurzfristig positive Nachrichten den Kurs stützen.

Auch von der Analystenseite kam zuletzt ein gemischtes Signal. UBS-Analyst Karl Keirstead senkte am 3. August das Kursziel für Oracle auf 245 US-Dollar von zuvor 285 US-Dollar, beließ die Einstufung aber auf Kaufen. Als Begründung nannte er den Kursrückgang der Aktie nach dem im Mai vorgelegten Berichtszeitraum. Automatisierte Faktormodelle zeichnen ein ähnlich zwiespältiges Bild: Ein systematisches Ranking-Tool stufte Oracle zuletzt im unteren Bereich seiner Vergleichsgruppe ein, während dieselbe Auswertung bei den Gewinnrevisionen einen überdurchschnittlichen Wert auswies – ein Hinweis darauf, dass Analysten ihre Schätzungen zuletzt tendenziell nach oben angepasst haben.

Für Anleger bleibt Oracle damit ein Fall mit zwei Gesichtern: Auf der einen Seite stehen milliardenschwere Cloud-Aufträge und eine wachsende KI-Partnerschaft mit Google, auf der anderen Seite die Warnung eines der bekanntesten Short-Seller der USA vor überbewerteten Gewinnen und versteckten Bilanzrisiken. Terminlich richtet sich der Blick nun auf den 18. August, wenn Oracle ein monatliches Sicherheitsupdate für Java veröffentlichen will, sowie auf die für Ende Oktober angesetzte Hausmesse Oracle AI World, auf der der Konzern seine neuesten KI-Produkte präsentieren will.

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Oracle Aktie

124,70 EUR

– 0,26 EUR -0,21 %
KGV 23,52
KUV 6,54
Sektor Technologie
Div.-Rendite 1,31 %
Marktkapitalisierung 432,88 Mrd. USD
Ø Kursziel 239,10 USD
ISIN: US68389X1054 WKN: 871460

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