Oracle Aktie: Ellison streicht Verkaufsplan
Larry Ellison beendet seinen Verkaufsplan, während Oracle Milliarden für KI-Clouds investiert und Analysten die hohen Kapitalkosten neu bewerten.

Kurz zusammengefasst
- Ellison beendet geplanten Aktienverkauf
- Oracle plant 70 Milliarden Dollar Investitionen
- Analysten senken Kursziele bei Kaufempfehlungen
- Aktie bleibt deutlich unter Jahreshoch
Es gibt Momente, in denen eine einzelne Geste mehr sagt als jede Bilanz. Bei Oracle war das am Wochenanfang der Fall: Larry Ellison, Executive Chair und Chief Technology Officer, strich am Samstag seinen 10b5-1-Verkaufsplan ersatzlos.
Kein Aktienpaket wurde darüber verkauft, und weitere Verkaufsabsichten bestehen laut Unternehmensangabe nicht. Für einen Konzern, dessen Aktie binnen zwölf Monaten fast die Hälfte ihres Werts verloren hat, ist das mehr als eine Randnotiz. Es ist ein Signal in einer Branche, die gerade neu verhandelt, wem sie eigentlich vertrauen soll.
Oracle steht sinnbildlich für einen größeren Umbruch: den Wettlauf um Cloud-Infrastruktur für Künstliche Intelligenz, der ganze Bilanzen umschreibt.
Cloud-Infrastruktur wächst inzwischen mit dreistelligen Raten, die Auftragsbestände türmen sich auf Rekordniveau. Doch genau diese Dynamik erzeugt auch die Nervosität, die Ellisons Geste erst bedeutsam macht: Wachstum dieser Größenordnung verschlingt Kapital in einem Tempo, das traditionelle Bewertungsmodelle überfordert.
Die Kehrseite der Wachstumsstory
Man muss die Zahlen nebeneinanderlegen, um zu verstehen, warum der Markt zwiegespalten bleibt. Auf der einen Seite ein Auftragsbestand, der binnen eines Jahres um mehr als 200 Milliarden Dollar zulegte.
Auf der anderen Seite ein Unternehmen, das seinen Investitionsplan für das laufende Geschäftsjahr auf rund 70 Milliarden Dollar taxiert und dafür weitere 40 Milliarden Dollar an frischem Fremd- und Eigenkapital aufnehmen will. Das ist keine Randfinanzierung, das ist eine strukturelle Wette auf die Zukunft der KI-Nachfrage.
Gleichzeitig hat Oracle intern den Rotstift angesetzt: Vor der Monatsmitte wurden Manager angewiesen, Personalkosten zu senken, in einzelnen Teams um zweistellige Prozentsätze.
Wachstum an der einen Front, Verschlankung an der anderen – dieses Nebeneinander ist typisch für Unternehmen, die ihre Investitionsschwerpunkte radikal verschieben. Wer in Rechenzentren und Grafikprozessoren investiert, muss anderswo sparen.
Was die Analysten daraus machen
Die Reaktion der Wall Street fiel uneinheitlich, aber in eine Richtung gebogen aus: nach unten bei den Kurszielen, nach oben bei der Skepsis gegenüber der Kapitalintensität. BMO Capital Markets senkte sein Kursziel von 220 auf 195 US-Dollar, beließ die Einstufung aber bei „Outperform“.
Scotiabank kappte sein Ziel bereits zuvor von 241 auf 215 US-Dollar, ebenfalls bei positiver Einstufung. Auch der russische Broker Freedom Broker hielt an seiner Kaufempfehlung fest. Das Muster ist eindeutig: Niemand zweifelt am Wachstum, aber alle rechnen die Kapitalkosten neu ein.
Parallel dazu verkaufte Oracle-CEO Michael D. Sicilia in der laufenden Woche Aktien im Rahmen eines bereits im Dezember vergangenen Jahres aufgesetzten automatischen Verkaufsplans. Ein Routinevorgang, der neben Ellisons demonstrativem Verzicht fast unauffällig wirkt.
Ein Konzern zwischen zwei Erzählungen
Die Aktie notiert derzeit rund 53 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 279,35 Euro, das sie im September vergangenen Jahres erreichte. Gleichzeitig liegt sie gut 31 Prozent über ihrem Jahrestief von 100,76 Euro.
Diese Spanne erzählt die eigentliche Geschichte: Oracle ist zum Testfall dafür geworden, ob der Markt bereit ist, für KI-Infrastruktur-Wachstum eine derart aggressive Verschuldung zu goutieren.
Die Prognose für das kommende Geschäftsjahr liegt bei mindestens 90 Milliarden Dollar Umsatz und einem bereinigten Gewinn je Aktie von 8,10 Dollar – ambitionierte Marken, die nur erreichbar sind, wenn die Cloud-Nachfrage ungebremst weiterwächst.
Ellisons Verzicht auf den Aktienverkauf lässt sich als Wette lesen: Wer selbst am größten von der eigenen Zukunftsprognose profitieren will, verkauft nicht, wenn er an sie glaubt. Ob der Markt diesem Vertrauen folgt, wird sich erst zeigen, wenn die nächsten Kapitalspritzen tatsächlich fließen und die Bücher zeigen, ob aus Investition Rendite wird.
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